höhle der löwen

Wie wirklichkeitsnah ist die „Höhle der Löwen“? Spätestens seit Gründerszene aufdecken konnte, dass die Mehrzahl der in der Sendung zugesagten Deals im Anschluss gar nicht zustande kam, wird über diese Frage diskutiert.

In die Debatte hat sich nun auch einer eingeschaltet, der es wirklich wissen muss: Peter Thiel. Der Paypal-Gründer hat über die Jahre unzählige Deals eingetütet, darunter extrem lukrative wie ein sehr frühes Investment in Facebook. In einem Interview mit den Zeitungen des Madsack-Verlages fällte Thiel nun ein klares Urteil: „TV-Shows wie die ,Höhle des Löwen‘“ [sic!], in denen Investoren Projekte vorgestellt bekommen und sofort einsteigen, sind völlig unrealistisch.“

Bevor er ein Investment zusage, so Thiel, begleite er das Startup über eine längere Zeit und baue eine Beziehung auf. Er ist überzeugt: „Man kann eine gute Idee nicht in 30 Sekunden erklären. Auch nicht in einer halben Stunde. Es geht ja nicht nur um die Idee. Ich glaube, die meisten Menschen geben dem Pitch zu viel Bedeutung.“

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Wie fast immer, wenn deutsche Medien den aus Frankfurt am Main stammenden Investor interviewen, wird Thiel auch zu seiner Sicht auf sein Geburtsland befragt. Zwischen Deutschland und den USA, besonders der Westküste, gebe es einen „einen riesigen Kontrast“, sagt Thiel. Kalifornien sei „sehr optimistisch und sehr unsicher zugleich“, in Deutschland seien die Leute hingegen „sehr pessimistisch, dafür ist das Leben bequem und sicher“. Er selbst besitze beide Charaktermerkmale. „Vielleicht bin ich etwas pessimistischer als andere“, so Thiel. „Ich glaube, das ist in Kalifornien ein gutes Korrektiv.“

Der Unterschied zwischen den USA und Deutschland manifestiere sich auch in den unterschiedlichen Unternehmenskulturen, glaubt Thiel. So seien US-Firmen stark im Marketing und in der Überzeugungsarbeit für neue Ideen. Dafür sei „ein starker Glaube wichtig“ – ein Problem gebe es, „wenn es keinen Kult gibt, nichts Magisches, nichts Spezielles. Vielleicht sind die deutschen Unternehmen nicht kulthaft genug. Die Leute sind sehr professionell, aber sie machen vor allem ihren Job und kümmern sich nicht viel darum, ob das Geschäft gut läuft.“

In dem Interview erklärt Thiel außerdem, dass er wahrscheinlich kein eigenes Unternehmen mehr gründen werde. „Wenn Sie einmal extrem erfolgreich sind, ist es fast unmöglich, noch ein neues Unternehmen zu starten“, sagt Thiel. „Teil der Dynamik eines Startups ist es, dieses starke Team zu haben, in dem jeder für den anderen da ist. Wenn man extrem erfolgreich und finanziell unabhängig ist, kann man so eine Atmosphäre kaum noch herzustellen.“

Das gesamte Interview mit Peter Thiel kann bei der Hannoverschen Allgemeinen nachgelesen werden.

Bild: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von Heisenberg Media