Was muss ich tun, damit mein Unternehmen ein Hit wird? Diese Frage stellt sich wohl jeder Gründer. Doch trotz guter Ideen und Durchhaltevermögen schaffen es nur die wenigsten, einen richtig guten Coup zu landen. Philipp Hartmann weiß, wie das ist. Der Gründer scheiterte mit seiner ersten Firma „sportme“, gab aber danach nicht auf — und das hat sich gelohnt: 2014 verkauften er und seine Mitgründer den Lieferservice Lieferando für mehr als 100 Millionen Dollar (88 Millionen Euro) an den Konkurrenten Takeaway.

Auch nach dem Erfolg mit Lieferando hat der 32-Jährige noch Lust aufs Gründen: Mit Rheingau Founders unterstützt er nun als professioneller Co-Gründer und Investor andere dabei, ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen. Business Insider Deutschland sprach mit Philipp Hartmann über die typischen Fehler von Gründern und seine besten Tipps für Jung-Unternehmer.

Wie entdecken Sie Trends und Startups, bei denen sich eine Investition lohnt?

Wir beobachten täglich das Investitionsverhalten anderer Investoren weltweit, kämpfen uns durch eine Vielzahl von Blogs und — am wichtigsten — Treffen uns ‚face-to-face‘ mit hunderten von Gründern, Business Angeln und Risikokapitalgebern im Jahr, um deren Sichtweise auf aktuelle Trends zu bekommen.Wir haben in den vergangenen zehn Jahren reichlich Erfahrung gesammelt und können heute eine nachhaltige Marktbewegung von einem kurzen Hype unterscheiden.

Sie investieren nicht nur in Unternehmen, sondern arbeiten auch als Co-Gründer im operativen Geschäft mit. Wer entscheidet in welche Richtung es geht — Geldgeber oder Gründer?

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In erster Linie verstehen wir uns als Gründer, weil wir es immer waren und im Herzen auch immer sein werden. Natürlich haben wir über die Jahre unser eigenes Geld wieder in die von uns gegründeten Startups investiert — zusammen mit weiteren Geldgebern und unseren Fonds-Investoren. Und wie jeder professionelle Investor wollen wir eine Vervielfachung unseres eingesetzten Kapitals. Unsere Verträge sind so gebaut, dass die Hauptverantwortung beim Gründer liegt. Nur so können wir gewährleisten, dass das Venture auch nach unserer intensiven Betreuungszeit zu Beginn — üblicherweise die ersten zwölf bis 24 Monate — in der Zukunft eigenständig weiter wachsen kann.

Worauf sind Sie besonders stolz — als Gründer oder Investor?

Aus Sicht des Gründers reizt es mich bei Rheingau Founders besonders, zusammen mit meinen Partnern und unserem Team neue Portfoliogründer bei der Umsetzung ihrer Ideen begleiten zu können. Insbesondere die ersten Mitarbeiter von der Vision der neuen Firma begeistern zu können, ist immer ein ganz besonderer Moment. Einige Monate später — wie zum Beispiel bei einem unserer jüngsten Startups ‚Service Partner ONE‘ — sitzen auf einmal schon mehr als 50 Mitarbeiter im Büro. Wenn ich überlege, dass wir einen Baustein zum Gesamtbauwerk beisteuern konnte, bin ich schon stolz auf das Geschaffene. Wir finden aber immer noch Ecken und Kanten, die ‚geschliffen‘ werden müssen. Und dann geht das ganze Spiel wieder von vorne los. Es wird uns nie langweilig.

Mit Ihrer ersten Firma „sportme“ mussten Sie Insolvenz anmelden. Was lief da schief?

Mit unserer ersten Firma haben wir schon viele First-Time-Founder-Fehler gemacht. Angefangen bei der Größe des Teams, über die Auswahl des Geschäftsmodells bis hin zu der chronischen Unterfinanzierung der Gesellschaft. Letztendlich sind wir aber extrem dankbar über die Erfahrungen, die wir damals gewinnen durften. Durch das Scheitern wurde unser persönlicher Ehrgeiz nur stärker angeregt und gleichzeitig die  Partnerschaft zwischen Kai, Tobi und mir gefestigt.

BILD: RHEINGAU FOUNDERS

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