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Thomas Heinrich (31) gründete im August 2012 gemeinsam mit Francesco Laddomada Photocircle.

„Startup-Held“ Thomas Heinrich im Interview

Warum sollen eigentlich immer nur die Fotografen an einem Bild verdienen, dachte sich Thomas Heinrich, und gründete 2012 mit Photocircle einen Online-Marktplatz für Bilder aus aller Welt, bei dem Teile des Kauferlöses an soziale Projekte fließen. Zuvor hatte Heinrich BWL studiert, bei einer NGO in Guatemala und darauf als Unternehmensberater gearbeitet. Heute arbeiten sechs Mitarbeiter für sein Berliner Sozialunternehmen, das bisher aus eigenen Mitteln, Preisen, Fördermitteln und dem Cashflow finanziert wird. Thomas Heinrich im „Startup-Helden“-Interview.

Wie bist du auf die Idee zu Photocircle gekommen?

Das war nach meiner letzten längeren Reise durch Südostasien. Ich glaube, jeder Fotograf möchte gerne authentische Bilder machen, die die jeweilige Situation und Stimmung abbilden. Manchmal fotografiert man dafür auch unbemerkt, um nicht den Moment zu verlieren. Solche Situationen hatte ich auf meiner Reise auch und ich hatte dabei immer ein unwohles Gefühl. Als ich wiederkam, meinten Freunde von mir, ich solle meine Bilder online verkaufen.

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Das fühlte sich für mich aber irgendwie falsch an. Ich wollte mit meinen Bildern nicht Geld verdienen, ohne dass die Menschen auf meinen Bildern davon wüssten, geschweige denn davon profitierten. Ich hatte einfach das Bedürfnis, den Menschen und Ländern, die mir in gewisser Weise auch viel gegeben hatten, etwas zurückzugeben. So entstand dann die Idee von Photocircle.

Bei Photocircle sollen die Fotomotive mitverdienen. Wie genau funktioniert das?

Ziel von Photocircle ist es, den Menschen und Ländern etwas zurückzugeben, die unsere Bilder zu etwas Besonderem machen. Jeder profitierte bislang von schöner Fotografie mit Ausnahme des Fotomotivs. Wir ändern das, indem wir Bildungs- und Entwicklungsprojekte in der Region unterstützen, in der das jeweilige Bild entstanden ist. Da sowohl wir als auch unsere Fotografen auf einen Teil des Erlöses verzichten, können wir unseren Kunden trotz Spendenanteilen von bis zu 50 Prozent sehr faire Preise bieten. Sie bekommen somit ihr Lieblingsbild und tun dabei noch etwas Gutes.

Heißt das, die Kunden können nur Fotos mit Motiven aus Entwicklungsländern kaufen?

Nein, überall auf der Welt gibt es soziale Missstände. Sicherlich sind die Probleme, die wir hierzulande haben, meist anderer Natur. Aber uns geht es generell darum, eine bewusstere Auseinandersetzung mit dem Motiv und eine neue Art von nachhaltigem Konsum zu fördern, bei dem am Ende alle Beteiligten profitieren. Man findet daher in unserer Galerie sehr schöne Motive aus aller Welt, sehr viele auch aus Deutschland.

Verdienen Social Businesses automatisch weniger Geld als „normale“ Businesses?

Ich denke, dass das nicht zwangsläufig der Fall sein muss. Die Motivation eines Sozialunternehmers ist aber eine andere. Er gründet sein Unternehmen nicht, um möglichst viel Geld zu verdienen, sondern, um ein soziales Problem zu lösen. Seiner Idee sollte aber trotzdem immer ein solides Geschäftskonzept zu Grunde liegen, damit er auch am Markt konkurrieren kann und unabhängig von Spendengeldern ist.

Wir verzichten zum Beispiel auf Teile unseres Erlöses, hoffen aber, dass wir es über unser Konzept und unsere Qualität schaffen werden, weiter zu wachsen, so dass wir uns dann auch ein angemessenes Gehalt zahlen können.

Welche Tipps gibst Du Gründern nach Deinen eigenen Erfahrungen mit auf den Weg?

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Jedem, der mit dem Gedanken spielt zu gründen, kann ich nur raten, dies auch zu tun. Es macht einfach unglaublich viel Spaß, für sein eigenes Projekt zu arbeiten. Die schlaflosen Nächte, in denen man grübelnd im Bett liegt, nimmt man dann gerne in Kauf. Ansonsten ist es glaube ich sehr wichtig, immer wieder mit etwas Abstand auf sein Unternehmen zu blicken und alles, was man tut, zu hinterfragen. Das hilft einem dabei, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und nicht den Fokus zu verlieren.

Bild: Photocircle