pietsmiet team

Das PietSmiet-Team: Br4mm3n, Piet, Sep, Chris, Jay und Hardi  (v.l.n.r.)

Mit lockeren Sprüchen und teilweise grenzwertigem Humor erreicht der YouTube-Kanal PietSmiet seit Jahren über 30 Millionen Video-Aufrufe pro Monat. Die sechs Freunde filmen sich beim Zocken von Computerspielen und verdienen damit laut der Statistik-Plattform Socialblade bis zu 100.000 Euro monatlich. Gründerszene traf Peter „Piet“ Smits, den Kopf des Sextetts und Gründer des Kanals, und sprach mit ihm über Authentizität, das Let’s-Play-Phänomen und die Abhängigkeit von Google.

Peter, Dir gehört einer der größten deutschen YouTube-Kanäle. Wie fing alles an?

Ich habe 2011 einen Youtube-Kanal gestartet, auf dem ich zusammen mit guten Freunden bis heute Unterhaltungsvideos mache. Im Endeffekt haben wir sowieso jeden Abend zusammen gespielt, also dachte ich mir, nehme ich den Quatsch doch mal auf und lade ihn hoch. Mittlerweile gibt es über 13.000 Videos auf unserem Kanal.

Bei der Idee hast du Dich von einem Minecraft-Video der YouTube-Ikone Gronkh inspirieren lassen, heißt es in euren FAQs.

peter smits

Kanal-Gründer Peter Smits identifiziert sich mit seiner Zielgruppe: „Wir lachen über die selben pubertären Witze.“

Als Minecraft herauskam, informierte ich mich bei den klassischen Medien – aber an denen war das komplett vorbeigegangen. Ich wurde dann über Google auf das Minecraft-Video von Gronkh aufmerksam. Er spielte das Spiel ohne mit irgendeiner Objektivität an die Sache heranzugehen. Diese zwei bis drei Videos haben mir besser erklärt, was das Spiel ist, als alles, was ich vorher dazu im Internet gefunden habe. Ich war schon immer im Videospiel-Journalismus aktiv und fand diese neue Herangehensweise eine super Idee.

Was hast Du bisher im Videospiel-Journalismus gemacht?

Als ich noch in der Schule war, habe ich für Internet-Seiten – die mittlerweile gar nicht mehr existieren – Tests geschrieben. Nach meiner Zivi-Zeit habe ich mich auf gut Glück bei Gamestar als Praktikant beworben, wurde genommen und habe dort auch nach meiner Praktikumszeit News geschrieben.

Würdest Du das, was Du jetzt tust, eher als Hobby oder Beruf bezeichnen?

Es ist als Hobby gestartet, ist aber mittlerweile definitiv ein Beruf. Aber es gibt immer noch Überschneidungen zum Hobby.

Wie viel Prozent ist Hobby, wie viel Beruf?

Dazu müsste man klar definieren, was das eine und was das andere ist.

Nehmen wir folgende Definition: Ein Beruf ist etwas, das du regelmäßig tust, weil du dafür Geld bekommst.

Wenn ich alle Zeit der Welt hätte, dann wäre alles ein Hobby. Wenn ich aber noch einen normalen Beruf nebenbei hätte, dann würde ich das, was ich jetzt tue, auch machen, aber weniger. Rein vom Gefühl her würde ich gerne sagen: 100 Prozent Hobby. Aber das würde zeitlich ja gar nicht funktionieren.

Der YouTube-Kanaltrailer von PietSmiet

Kommt es Dir lange her vor, dass Du vor vier Jahren gestartet bist?

Ja, das kommt mir sehr, sehr lange her vor. Ich musste zum Beispiel überlegen, ob ich mein Studium der Medienwissenschaften und Medieninformatik weiterführen möchte. Aber da ich damit eh nicht sonderlich zufrieden war, habe ich nicht lange zögern müssen. (lacht) Es ist seitdem alles mögliche passiert und es hat sich so viel verändert.

Was hat sich verändert?

Mein komplettes Leben, wie mein Tagesablauf funktioniert, alles. Erst ab Ende 2012 ging es mit Let’s Plays richtig los, vorher war es noch recht entspannt. Mittlerweile gehören Let’s Plays ganz normal zu YouTube dazu. Und es gibt ganz neue Themen, wie Lifestyle oder Reisen. Man merkt gerade, wie sich YouTube entwickelt.

Müsst Ihr diese neuen Themen angehen?

Wir haben darüber natürlich nachgedacht. Aber es wäre ganz fatal, wenn man dann feststellt, dass man etwas nur tut, um nicht irrelevant zu werden. Dann hat man eh schon verloren. Ich hoffe, dass das, was wir machen, durch die neuen Trends nicht irrelevant wird, sondern sich die neuen Sachen einfach daneben positionieren.

Derzeit habt Ihr also noch keine Bedenken, in der Irrelevanz zu verschwinden?

Ne (lacht). Unsere View-Zahlen sind beispielsweise sehr konstant.

Seit drei Jahren generiert Ihr etwa 30 Millionen Aufrufe pro Monat.

Genau. Das geht mal hoch, das geht mal runter. Das ist ganz normal. Und deshalb habe ich vor einem Absturz auch keine Angst. Wir haben eine Größe erreicht, die für YouTube-Deutschland durchaus beachtlich ist.

Ihr seid auf Platz zwei, was Let’s Plays angeht. Wollt Ihr Platz eins erreichen oder habt Ihr Angst vor Gronkh?

Ich habe keine Angst vor Gronkh, ich habe Respekt vor Gronkh. Und ich schätze ihn persönlich sehr. In letzter Zeit haben wir uns sogar häufiger getroffen. Aber der Junge, der ist nicht einholbar. Er ist ein richtig heftiges Phänomen.

Du bist gemeinsam mit Dennis Brammen Geschäftsführer des Unternehmens. Insgesamt seid Ihr sechs Mann.

Primär liegt das daran, dass ich damals gesagt habe: „Jungs, es wird Ernst. Wer von euch ist bereit, jetzt voll einzusteigen?“ Und Dennis hat ja gesagt. Er war auch in der glücklichen Position, sein Studium bereits abgeschlossen zu haben. Es hat sich dann herausgestellt, dass die Konstellation sehr gut funktioniert, denn Dennis hat BWL studiert, während ich versuche, eher die kreativere Seite zu übernehmen.

Erfolgt die Gewinnverteilung trotzdem gleichmäßig auf alle sechs Parteien?

Das sind Interna.

Ihr seid Freunde, wohnt aber nicht alle an einem Ort. Wie oft seht Ihr euch?

Virtuell sehen wir uns natürlich täglich, aber im echten Leben vielleicht zwei Mal im Monat. Das liegt aber dann primär daran, dass wir zusammen etwas aufnehmen. Jeder lebt auch sein eigenes Leben. Das war früher genau so.

Wenn es YouTube nicht geben würde, was würdest Du dann jetzt machen?

Dann hätte ich hoffentlich mein Studium beendet. Und ich hätte trotzdem versucht, in der Games-Branche Fuß zu fassen, vermutlich auf journalistischer Schiene – aber dann definitiv Online und Video. Ich habe bereits bei Gamestar immer Impulse in diese Richtung gegeben. Die meisten meiner Format-Ideen wurden abgelehnt – unter anderem auch die Let’s-Play-Geschichte.

Gamestar wird sich später wahrscheinlich in den Hintern gebissen haben, deine Idee abgelehnt zu haben.

Die dafür zuständige Person arbeitet mittlerweile nicht mehr dort, hat aber einen Podcast. Dort sprach sie darüber, was sie in ihrem Berufsleben bereut habe. Sie meinte, „es gab ja mal den Tag, als Peter auf mich zukam“. (lacht)

Ihr betreibt zwar auch einen Shop, aber dürftet dennoch primär über Anzeigen finanziert sein. Jetzt plant YouTube ein Abo-Modell. Wie stehst Du dazu?

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Bei dem Abo-Modell geht es darum, dafür zu bezahlen, keine Werbung angezeigt zu bekommen. Bisher ist aber noch überhaupt nicht klar, was sich dadurch finanziell für die Macher verändert. Laut YouTube ist die Werbeauslastung sowieso nicht besonders hoch. Sie haben viel zu viel Inventar. Das kann gar nicht alles gekauft werden. Wir beispielsweise haben eine Werbeauslastung von 35 Prozent. YouTube will jetzt die restlichen 65 Prozent durch so ein Modell noch dazu bekommen. Wie realistisch das ist, können wir nicht einschätzen. Aber wir haben gar keine andere Wahl, als das zu akzeptieren.

Wie empfindest Du diese Abhängigkeit von YouTube?

Für niemanden, der ein Unternehmen leitet, ist Abhängigkeit eine gute Sache. Deswegen versucht man sich Alternativen aufzubauen. Twitch ist dafür ein gutes Beispiel.

Auch Twitch wäre beinahe vom YouTube-Eigner Google gekauft worden.

Wurde es aber nicht. Zum Glück. Wir planen jetzt gerade zum Beispiel, unsere Videos auf unserer eigenen Seite zu hosten. Sollte Google plötzlich alle Gaming-Kanäle dicht machen, dann haben wir ein großes Problem.

Wie geht Ihr mit dem Thema Mobile um? Gibt es zum Beispiel Mobile-Games, die man Let’s Playen könnte?

Wir haben die Regel, dass wir keine Spiele machen, die uns nicht interessieren. Ich weiß, dass Free2play gerade boomt, aber wir sind nicht der Typ dafür. Vielleicht sind wir dafür auch schon zu alt und müssen das erst lernen. (lacht)

Es gibt aber auch Free2play-Titel, die Ihr bereits angespielt habt – etwa „Heroes of the Storm“ oder „Hearthstone“ von Blizzard.

Das sind aber Free2play-Produktionen, die es locker mit normalen Triple-A-Produktionen aufnehmen können. Wir haben nichts gegen das Modell an sich. Aber auf ein gutes „Heroes of the Storm“ kommen eine Million schlechte Spiele.

Schaust du Dir andere Let’s-Play-Kanäle an?

Durch Gronkh bin ich zwar auf das Thema gestoßen, aber das heißt nicht, dass ich Gronkh danach groß weitergeschaut habe. Let’s Plays sind ein sehr großer Zeitaufwand. Man sieht sich mal bei anderen YouTubern um, aber als reine persönliche Unterhaltung habe ich Let’s Plays noch nie geschaut. Man würde sonst auch anfangen, sich Ideen abzuschauen. Ich brüte lieber selber Ideen aus und verbringe meine Freizeit dann zum Beispiel mit Netflix. (lacht)

Irgendeine Konkurrenzbeobachtung wird es wahrscheinlich dennoch geben. Wie sieht die aus?

Es war mal mehr, aber mittlerweile ist es entspannt. Es bringt ja auch nichts. YouTube lebt davon, dass man man selbst bleibt. Je mehr man bei anderen schaut, umso schlechter wird das eigene Produkt.

Wie sieht Eure Zielgruppe aus?

Wir sind mit einer sehr jungen Zielgruppe gestartet, die aber mit uns älter geworden ist. Sie sind jetzt nicht mehr 14, sondern vielleicht 18. Das ist aber kein Problem, denn wir persönlich verändern uns ja auch.

Aber kann man sich denn mit so einer jungen Zielgruppe überhaupt identifizieren?

Ja, denn wir lachen über die selben pubertären Witze. (lacht)

Peter, danke für das Gespräch.


Die fünf größten Let’s-Play-Kanäle in Deutschland (Stand 02/2015):

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Unge(spielt) auf Platz Fünf der Let's-Play-Charts
Simon Unge, eigentlich Wiefels, lud bisher seine Videos auf den Youtube-Kanal Ungespielt - doch vor zwei Monaten gab es großen Streit mit dem Internet-Vermarkter Mediakraft. Laut Unge habe ihm Mediakraft finanzielle Unterstützung für Projekte zugesagt und nicht eingehalten. In einem Video rechnete der 24-Jährige mit dem Vermarkter ab und stellte dann den Kanal ein. Seitdem lädt er seine Let's-Play-Clips auf einen neuen Channel mit dem Namen Unge. Bei Ungespielt hatte er noch 1,2 Millionen Abonnenten, bei Unge sind es nun 900.000. Laut der Statistik-Plattform Socialblade soll der neue Kanal Unge bereits über 5.000 Euro monatlich bringen. Unge ist eng mit seinem Gamer-Kollegen Dner befreundet. Aufmerksamkeitswirksam tourten beide 2014 mit dem Longboard quer durch Deutschland.

Bilder: Peter Smits/PietSmiet