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Quer durch Deutschland – für 5.000 Euro

Als sein Business-Angel das Beteiligungs-Angebot zurückzieht, setzt sich Joerg Schnurre auf ein Fahrrad und fährt los. Er weiß nicht, wohin er als nächstes fährt, er weiß nur: er muss in 14 Tagen 5.000 Euro zusammen bekommen. Sonst steht nicht nur sein Startup Pinkwhy auf dem Spiel, sondern auch sein komplettes Vermögen, seine Wohnung, seine über die Jahre aufgebaute Existenz. In seiner Verzweiflung eröffnet Schnurre in aller Schnelle eine Kampagne bei Indiegogo, über die der Betrag eingespielt werden soll. So will er lediglich die laufenden Kosten für die nächsten drei Monaten decken. Drei Monate, in denen er unbedingt einen Investoren von sich und seiner Idee überzeugen muss.

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Und wenn das Geld nicht zusammen kommt? „Dann muss ich mich als arbeitssuchend melden“, erwidert er am Telefon nur beiläufig. Die Möglichkeit des Scheiterns zieht er zwar in Betracht, aber der Wunsch, dass doch alles gut gehen muss ist größer. Sehr glaubt er an seine Idee, an der er seit über einem Jahr arbeitet und die ihm gerade das letzte Gesparte aus der Tasche zieht. Eine virtuelle Galerie, die junge, talentierte Künstler vorstellt und neue Möglichkeiten der Nutzung von Kunst ermöglicht. „Dieses Potenzial wird“, laut Schnurre, „von den bisherigen Plattformen noch gar nicht angeboten.“

Dabei sah es zwischendurch immer mal wieder positiv aus. „Trotz der Gründung in Sachsen-Anhalt“, die Schnurre standorttechnisch inzwischen als „echtes Drama“ bezeichnet, kommt es regelmäßig zu „Zusagen von verschiedenen überregionalen Business-Angels für Beträge bis zu 30.000 Euro.“ Da den Zusagen aber keine Taten folgen, finanziert sich der Gründer von Monat zu Monat über private Darlehen von Freunden. In Dessau bleiben möchte er dennoch, da er den Standort für sein E-Commerce-Startup als perfekten ansieht.

Investoren springen ab, Banken geben keinen Kredit

Als dann kurz vor Weihnachten erneut ein Investor sein Beteiligungsinteresse von circa 100.000 Euro zurückzieht, ist das Projekt dem Scheitern nah. „Der potenzielle Geldgeber hat uns drei Monate zappeln lassen und ist dann abgesprungen. Durch das entstandene Minus auf dem Konto wollen nun auch die Banken keinen Kredit mehr geben.“ Die selben Banken, die laut Schnurre bereit wären, „in einer größeren Finanzierungsrunde von insgesamt 250.000 Euro dabei zu sein, es aber ausschließen, einen kleineren Betrag wie 10.000 Euro zur Deckung der laufenden Kosten vorzustrecken.“

Deshalb fährt er nun jeden Tag bis zu 135 Kilometer Rad. Um Aufmerksamkeit zu erzeugen und zu zeigen, dass er „fest an seine Idee glaubt und um stellvertretend für die Gründerszene zu verdeutlichen, dass Gründen eben keine Party ist, sondern existenziell“. Zum Zeitpunkt des Telefon-Interviews befindet sich Schnurre gerade in Bochum, will aber möglichst schnell nach Köln, nach Düsseldorf und nach Essen kommen. Feste Termine hat er dort keine, aber wer weiß, was spontan passieren kann. Mittlerweile „macht das rechte Knie Probleme und es gibt starken Frontalwind.“ Aufgeben will er dennoch nicht.

Bild: Joerg Schnurre