Ja. Papier gibt es auch noch.

Es geht Schlag auf Schlag. Digitaler Journalimus scheint doch nicht alle Gründer abzuschrecken. Ich habe mir zwei Konzepte angeschaut – und beide fühlen sich vielversprechend an.

Da ist zum einen Piqd aus München. Hier wählen mehr oder weniger prominente Experten aus dem gesamten Angebot des Internet aus, was ich lesen soll. Zum anderen läuft auf meinem Smartphone seit einigen Stunden Quartz. Hier gibt es News im Messenger-Stil. Das fühlt sich so an wie ein Chat mit einem Freund. Na ja. Fast.

Die News-App von Quartz für das iPhone ist wie ein Messenger aufgebaut und der Leser fühlt sich persönlich angesprochen. Das klingt dann ungefähr so: „Hey. Wir hätten da ein paar heiße Nachrichten für dich. Twitter stürzt gerade an der Börse ab.“ Dann gibt es zwei Möglichkeiten zu antworten: weiter zur nächsten News oder mehr zu diesem Thema. So lernt der Algorithmus von Quartz eine Menge über die Vorlieben des Lesers und kann dann immer gezielter Nachrichten für ihn auswählen. Es werden auch Videos, Gifs oder auch mal ein Quiz eingebunden.

Derzeit sind noch nicht viele Geschichten in der App zu finden. Man kommt recht schnell an das Ende. Aber der Mechanismus ist durchaus beachtenswert. Wir sollen in Zukunft die Nachrichten nicht mehr lesen, sondern mit ihnen chatten.

Sechs Redakteure in London und Washington übersetzen News in das neue Chatformat. Ein Hyperlink führt zur Nachrichtenquelle. Das kann die Website von Quartz sein oder wie in meinem Fall auch die New York Times. Die Bedienung ist intuitiv, weil man den Umgang mit Messengern gewohnt ist. Eine richtige Konversation kommt allerdings nicht in Gange. Man kann meistens lediglich zwischen „Tell me more“ oder „Anything else?“ auswählen. Das Quartz-Team um Designer Daniel Lee und App-Entwickler Sam Williams arbeitet seit einem Jahr an der Idee. Der Quartz-Eigentümer ist die Atlantic Mediagroup, die auch die Zeitschrift The Atlantic herausgibt.

Die Kuratierer von Piqd sehen sich als Alternative zum Nachrichtenkonsum auf Facebook. Auf Piqd muss der Nutzer nach der Anmeldung nur seine Interessengebiete auswählen und bekommt dann die handverlesenen Geschichten. Mobil oder stationär. Interessant sind auch die handelnden Personen: Gegründet wurde das Startup von Konrad Schwingenstein, Medieninvestor und Erbe des SZ-Mitherausgebers August Schwingenstein. Da liegt der Journalismus wohl im Blut. Er ist auch der Geldgeber.

Chefredakteur Frederik Fischer hat zuvor Tame gegründet und war für den Aufbau der Community bei Krautreporter verantwortlich. Mit an Bord sind nach Angaben von Piqd 80 Experten. Darunter bekannte Namen wie Konstantin von Notz, Dorothee Bär, Dirk von Gehlen, Annika Reich, Theresia Enzensberger, Anke Domscheit-Berg oder Kai Schächtele.

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Der Anmeldeprozess ist jedenfalls unproblematisch und schon nach wenigen Sekunden bekommt der interessierte Leser Geschichten aus aller Welt, die er ohne Piqd wahrscheinlich nicht so schnell gefunden hätte. Ok, da sind dann Spiegel Online oder die Zeit vertreten. Aber auch US-Medien, die man vielleicht nicht so ganz im Blick hat.

Der Kurator schreibt als Einleitung einen kurzen Text, in dem er darstellt, warum man den Text lesen sollte. So findet der Leser heraus, ob es sich wirklich lohnt, tiefer einzusteigen. Fischer: „Andere Angebote sagen ihren Lesern, was sie lesen sollen. Unsere Experten sagen ihnen, warum.“ Wer ein Thema abonniert, wird per Email über neue Piqs informiert. Kommentieren dürfen nur Mitglieder, die für den Dienst drei Euro im Monat zahlen. Dafür gibt noch einen Newsletter und andere Services.

Bild: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von KellyB.