Planet Liebe Florian Vater Interview

Die eigene Geschäftsidee vor potenziellen Geldgebern und anderen Interessierten zu pitchen, ist eine der Fertigkeiten, die jeder Gründer beherrschen sollte. Und da ein Fahrstuhl ein reichlich ungeeigneter Ort dafür ist, haben junge Startups im Format „Frischlingsfragen“ von nun an die Möglichkeit, sich und ihr Geschäftsmodell kurz und präzise vorzustellen: Gründerszene stellt zehn Fragen, und dieses Mal antwortet Florian Vater, Gründer von Planet-Liebe (www.planet-liebe.de).

1. Wer seid Ihr und was macht Ihr?

Wir bieten Jugendlichen (und jungen Erwachsenen) eine Plattform für einen offenen, vertrauensvollen Umgang mit Liebe und Sexualität, in der sowohl Orientierung über seriöse Information, als auch lebendiger Austausch mit Gleichgesinnten geboten wird. Es fängt mit Verliebtheit an, Verhütung, Themen wie das erste Mal und die Geschichten über das erste Mal, Tipps und Tricks bis hin zur Schwangerschaft. Aber auch über die negativen Seiten der Liebe, wie zum Beispiel: Trennung, Missbrauch oder Geschlechtskrankheiten, wird man informiert.

2. Hinter jedem Erfolg steckt eine Vision. Wie seid Ihr auf Eure Idee gestoßen?

Angefangen hat es 1998/99. Es gab damals sehr wenige Seiten, welche sich mit Aufklärung  und Verhütung beschäftigt haben. Der „Offline-Marktführer“ Dr. Sommerteam war an AOL gebunden und nur dort erreichbar. Bravo selbst gab es gar nicht im Internet, also haben wir uns entschlossen, das Thema aus Lust und Laune heraus ins Internet zu bringen (damals sogar noch unter der Domain Drsommerteam.de). Die Domain mussten wir dann ziemlich schnell abtreten, doch dem Erfolg sollte das keinen Abbruch tun.

Im Laufe der Jahre haben wir das Potenzial erkannt und beschlossen, dass Ganze etwas größer und vor allen Dingen professioneller anzugehen. Also haben wir uns mit Agenturen an einen Tisch gesetzt und unseren Relaunch geplant, den wir im Juli dieses Jahres abgeschlossen haben. Bis dahin stammten sämtliche Arbeiten (Konzept, Gestaltung, Design, Programmierung, …) aus meiner Feder, was man der Seite allerdings auch angesehen hat. ;)

3. Noch wichtiger als die Idee ist häufig das Team. Wer sind die Gründer, was habt Ihr vorher gemacht und wie habt Ihr zueinander gefunden?

Markus Braun war in den Anfangszeiten Zivildienstleistender und arbeitete später als Chemikant. Ich (Florian Vater) selber war zu dem Zeitpunkt 15-16, also noch Vollblut-Schüler. Als ich auf die allererste, statische Version von Planet-Liebe gestoßen bin, weil ich mich selber über das Thema informieren wollte, habe ich einen Schock bekommen (Markus hat die Seite mit dem Netscape Composer zusammengeklickt). Also hab ich ihn  angeschrieben, weil ich das Potenzial erkannt habe, und habe ihm meine Hilfe angeboten und sofort die Idee vorgeschlagen, ein Forum zu integrieren.

Bis 2010 habe ich nebenbei in diversen Agenturen im In- und Ausland gearbeitet und Planet-Liebe als Hobby nach der Arbeit betrieben. Da es jedoch mehr und mehr Aufwand wurde, und wir wie oben schon beschrieben alles
besser und professioneller machen wollten, ist Planet-Liebe nun seit Februar 2010 mein Full-Time-Job. Markus ist seinem alten Job treu geblieben und kümmert sich all die Jahre um die Buchhaltung.

4. Viele Gründungsideen sind nicht gänzlich neu. Was ist Euer USP und was macht Ihr anders als alle anderen?

Planet-Liebe punktet durch kompetente, individuelle und schnelle Beratung, verlässliche Informationen und einen Austausch auf Augenhöhe. Wir haben sehr viele User, welche mit 20 auf unsere Seite gekommen sind, weil sie Probleme hatten, und welchen wir heute, mit 30, immer noch Tipps geben und mit Rat und Tat zur Seite stehen. Egal, ob 15 oder 45 (ja, die gibt es tatsächlich auch bei uns), jeder wird mit seinen Problemen ernst genommen. Respekt und Toleranz für die unterschiedlichen Lebenssituationen der User aus sämtlichen Altersgruppen prägt den Umgang.

Durch starke Moderation in den Foren (das ist bei dem Thema Grundvoraussetzung) ist das Klima sehr freundlich und hilfsbereit. Es herrscht eine Art „Wohnzimmeratmosphäre“. Dabei kommt auch der Spaß nicht zu kurz. Bei der Zielgruppe versteht sich von selbst, dass Planet-Liebe dabei frei von jeglicher Erotik oder gar Pornographie ist.

5. Zum Business: Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell? Und wie groß ist das Marktpotenzial?

Derzeit existieren Partnerschaften mit Kontaktbörsen, Erotikartikelanbietern und Werbeagenturen. Hier ist geplant, step-by-step die einzelnen Bereiche bei uns einzugliedern und selber die einzelnen Sparten zu einem Teil von Planet-Liebe werden zu lassen. Das Marktpotenzial als solches ist gigantisch. Das Thema Liebe und Sex ist in aller Munde und jeder über 14 ist ein potenzieller Nutzer unserer Plattform.

Eine Fummelkiste (danke an die Gründerszene Redaktion für den Namen für die Idee ;)) ist dabei nur eins von unzähligen Projekten, die in Zusammenarbeit mit der Seite funktionieren würde. Zusammen mit verschiedenen Herstellern von Sextoys, Pharmaunternehmen, Kondomherstellern, etcetera wollen wir nach und nach unser Angebot immer weiter ausbauen und noch attraktiver gestalten und vor allen Dingen dabei auch auf Offline-Kanäle setzen.

6. Ideen umzusetzen kostet Geld. Wie finanziert Ihr Euch?

Aktuell finanzieren wir uns hauptsächlich durch die angesprochenen Werbebanner und unsere Kooperation mit Sinsations, wo wir an Verkäufen über unsere Seite mitverdienen. Zusätzlich haben wir noch eine eigene, virtuelle Währung, sogenannte Lovecoins, mit der man sich diverse Features, die nice-to-have, jedoch nicht zwingend notwendig sind, dazukaufen kann.

7. Gibt es etwas, das Euch noch fehlt? Ein Mitarbeiter, ein Investor oder ein Büro?

Da wir alles andere als ein klassisches Startup sind, fehlt es uns eigentlich an allem. Unser Büro ist daheim im Keller, einen Investor haben wir bislang (bewusst) noch nicht reingelassen (es hat aber auch noch nicht wirklich Interessenten gegeben), da wir das Projekt zu 100 Prozent selber behalten wollten und die einzigen Mitarbeiter, die wir haben, sind unsere 14 Moderatoren, die komplett auf freiwilliger Basis mithelfen.

Aktuell haben wir ein gesundes Wachstum und erreichen unsere festgesetzten Meilensteine, man kann also nicht sagen, dass etwas dringend fehlt. Trotzdem würden wir uns häufig wünschen, mehr Man-Power zu besitzen, um die ganzen Pläne alle in die Tat umzusetzen – davon haben wir nämlich mehr als genug.

8. Gibt es ein großes Vorbild für Euch?

Das Internet liefert jedes Jahr neue Vorbilder, welche man vorher gar nicht kannte. Y-Titties ist gigantisch, wie sie mit YouTube und den Offline-Medien spielen. Grandios! Das hat schon fast wieder was vom Jahr 2000, kurz vor dem Platzen der Internetblase. Visionäre wie Jobs, der Apple zu einem gigantischen Image ausgebaut hat – mit genug Weitsicht und Motivation der Massen. Respekt in allen Ehren.

Auch die Samwer-Brüder waren auf Ihre Art und Weise beeindruckend. Ich kann mich noch genau erinnern, als zwei von ihnen den ersten Auftritt mit Alando-T-Shirts in einer Nachmittagstalkshow auf RTL (?) hatten. Jeder hat abgewunken, aber die Jungs waren total überzeugt, dass sie damit reich werden – da hat noch keiner daran gedacht, wie diese Typen dem Internet noch ihren Stempel aufdrücken und nicht nur dort! Jamba, eine irre Sache…

9. Stellt Euch vor, Ihr könntet ein Lunch gewinnen. Wen würdet ihr aus der deutschen Startup-Branche gerne mit an den Tisch holen?

Auch hier gibt es wieder viele, die eine interessante Runde versprechen würden. Jason Goldberg von Fab ist sehr interessant, da er sein komplettes Businessmodell aus voller Überzeugung über den Haufen geworfen hat (vom erfolgreichen Gay-Social-Network zum noch erfolgreicheren Designer-Shop).

Kim Dotcom aka Schmitz hätte ich auch noch am Lunchtisch, auch wenn es dadurch teuer wird. Und sollte noch ein kleiner Stuhl in der Runde frei sein, würde ich Mr. Bim-Bam Axel Hesse auch noch dazu holen. ;)

10. Wo steht Ihr heute in einem Jahr?

„Geht’s um Liebe, geh auf Planet-Liebe“ – sollte sich auf Schulhöfen rumgesprochen haben. Pornos definieren die „falsche“ Schönheit beim Sex. Die leichte Zugänglichkeit von Erotik und Pornos setzt viele Jugendliche unter Druck und vermittelt einfach ein falsches Bild. Wenn wir es schaffen, dass einem Mädchen die Form ihrer Schamlippen egal ist, dass sich niemand schämen muss, wenn er irgendetwas nicht machen möchte und wenn es Leuten egal ist, dass man mit 20 noch Jungfrau ist, dann haben wir die Welt schon angenehmer gemacht!

Wir stehen für ehrliche Sexualität. Heute und auch in einem Jahr, und steigende Besucherzahlen werden hoffentlich diese Einstellung auch bestätigen, dass dies doch richtige Weg ist.