Podio

Die eigene Geschäftsidee vor potentiellen Geldgebern und anderen Interessierten zu pitchen, ist eine der Fertigkeiten, die jeder Gründer beherrschen sollte. Und da ein Fahrstuhl ein reichlich ungeeigneter Ort dafür ist, haben junge Startups im Format „Frischlingsfragen“ von nun an die Möglichkeit, sich und ihr Geschäftsmodell kurz und präzise vorzustellen: Gründerszene stellt zehn Fragen, und dieses Mal antwortet Podio (www.podio.com).

Wer seid ihr und was macht ihr?  

Hallo, mein Name ist Jon Froda und ich bin einer der Gründer der Online-Arbeitsplattform Podio. Ich habe mich einige Jahre eingehend mit Social-Software, Strategien und Produkten beschäftigt, die Organisationen dabei helfen, Wissen zu entwickeln und eine Marktführerschaft aufzubauen. Bei Podio bin ich stark im Produktdesign, Marketing und Kundenservice involviert. Nun aber zum Produkt: Mit Podio kann man einen Online-Arbeitsplatz erstellen, der den eigenen Bedürfnissen entspricht, und so jeder Art von Arbeit Struktur gibt. „Social Activity Streams“ oder Aktivitätsverläufe sind dabei ein wichtiger Bestandteil von Podio, das bereits von mehr als 40.000 Unternehmen genutzt wird, um mit Teams und Kunden zusammen zu arbeiten – sowohl für Projekte als auch innerhalb von Bereichen wie Vertrieb, Marketing oder HR.

Hinter jedem Erfolg steckt eine Vision. Wie seid ihr auf eure Idee gestoßen?  

Wir wollten Podio starten, weil die Art und Weise, wie viele Menschen arbeiten, völlig zerklüftet ist. Mit Podio wollen wir es den Menschen ermöglichen, so zu arbeiten wie sie wollen – auf eine stark kollaborative Weise und mit Arbeitsflüssen, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Schnell war uns klar, dass wir den Leuten, die den Job schlussendlich machen, diese „Macht“ nur geben können, indem wir ein Tool kreieren, das ihnen erlaubt die eigenen Workflows und Prozesse zu definieren und zu erstellen. Der Podio App-Builder war geboren!

Begonnen hat dann alles zu dritt in einem Keller in Kopenhagen, mit ein paar Thin Lizzy Platten und einem großzügigen Coffee Shop nebenan. Wir hatten davor bereits gemeinsam an einigen Kollaborationen und Social-Software-Projekten gearbeitet und dabei gemerkt, dass die Adaption dieser Tools sehr stark davon abhängt, welchen Anteil die Nutzer daran haben. Diese Herausforderung wollten wir lösen, indem wir Prototypen erstellt und getestet und dann die Reaktionen der User analysiert haben. Ich habe sogar einen physischen „App-Builder“ gebaut, eine Art Brettspiel, mit dem man Apps bauen und seinen Workflow und die eigenen Prozesse mit Spielkarten darstellen konnte. Dieser Prototyp hat uns ganz gut dabei geholfen, zu verstehen, was die Leute wirklich versuchen zu bewerkstelligen.

Noch wichtiger als die Idee ist häufig das Team. Wer sind die Gründer, was habt ihr vorher gemacht und wie habt ihr zueinander gefunden? 

Wer erfolgreich sein will, braucht ein großartiges Team, das motiviert ist. Zu aller erst muss man eine mutige und ehrgeizige Vision haben – denn das hilft, die richtigen Leute von außen „anzulocken“ und wichtige kritische Fragen von Beginn an aufzuwerfen. Das hat bei uns gut funktioniert, und so hatten wir von Anfang an ein paar richtig clevere Leute mir an Bord: Thomas Madsen-Mygdal zum Beispiel, der ein erstes Seed-Investment bei Podio (damals noch Hoist) platziert hat und seitdem als Chairman involviert ist.

Kasper Hulthin kam zu uns, als wir noch im Keller im Stealth-Mode waren und an dem Geschäftsmodell gebastelt haben – also noch bevor wir gelauncht waren. Dann kam Tommy Ahlers als CEO dazu: Tommy hatte sein Startup ZYB erst kürzlich erfolgreichen an Vodafone verkauft, und in dieser Zeit haufenweise Erfahrungen gesammelt, auch mit wachsenden Teams. Zusammen haben wir es geschafft, ein paar der erstklassigsten Talente aus ganz Europa zu Podio zu holen. Das ist meiner Meinung nach die Grundlage des Rekrutierungsprozesses: Wenn du mit Leuten arbeitest, die deine Vision teilen, wird diese dadurch verstärkt – und kann sich durch das, was man gemeinsam schafft, weiterentwickeln. Heute sind in unseren Offices in Kopenhagen und San Francisco bereits elf verschiedene Nationen vertreten.

Viele Gründungsideen sind nicht gänzlich neu. Was ist euer USP und was macht ihr anders als alle anderen? 

Die meisten Kollaborationslösungen wurden von Entwicklern für Entwickler gemacht. Diese basieren häufig auf „Command and Control“ Strukturen und mistrauen den Leuten, die sie benutzen. Das führt zu einer Menge Engpässen, da die Endnutzer keine Kontrolle über die Tools haben, mit denen sie ihre Arbeit erledigen müssen. Podio ist da anders, denn wir geben dem Nutzer die volle Kontrolle. Jeder kann eine Arbeits-App auf Podio bauen und das Feedback, das wir bisher erhalten haben, ist fantastisch – und zeigt, dass die Leute wirklich „in charge“ sein wollen, was die Arbeit mit Workspaces angeht. Jemand hat Podio mal als die „Consumerization of Business Process Management“ bezeichnet, und das kommt dem Ganzen wohl schon recht nahe.

Zum Business: Wie funktioniert euer Geschäftsmodell? Und wie groß ist das Marktpotential? 

Wir verfolgen ein klassisches Freemium-Modell, das heißt die Nutzer können alles ausprobieren, bevor sie sich irgendwie verpflichten. Für die ersten zehn Mitarbeiter ist Podio völlig kostenfrei, danach berechnen wir für jeden weiteren Mitarbeiter eine entsprechende Gebühr. Mit Erfolg, denn viele Kunden wechseln zu der Bezahlversion von Podio, nachdem sie das Produkt erst einmal kennengelernt haben. Generell bekommt der Markt rund um „Social-Software“ in Unternehmen jetzt endlich auch immer mehr Aufmerksamkeit seitens der Medien.

Ideen umzusetzen kostet Geld. Wie finanziert ihr euch? 

Wir haben eine Serie A Finanzierung in Höhe von vier Millionen US-Dollar vom skandinavischen VC Sunstone Capital erhalten und generieren durch die steigende Anzahl an zahlenden Kunden natürlich auch Umsätze.

Gibt es etwas, das euch noch fehlt? Ein Mitarbeiter, ein Investor oder ein Büro?

Wir sind immer auf der Suche nach Talenten, und haben zur Zeit offene Stellen in den Bereichen Marketing, Kommunikation und Development. Schaut doch einfach hier vorbei oder sendet uns eine Nachricht.

Gibt es ein großes Vorbild für euch? 

Ich glaube jeder Business-Bereich hat seine eigenen Vorbilder. Natürlich sticht Apple im Produktdesign hervor und Douglas Engelbart und Tim Berners Lee hatten einen großen Einfluss auf unser Leben – von Interaktion über Hyperlinks bis hin zum World Wide Web.

Stellt euch vor, ihr könntet ein Lunch gewinnen. Wen würdet ihr aus der deutschen Startup-Szene gerne mit an den Tisch holen?

Lars Hinrichs wäre definitiv auf der Liste. Und es wäre sicher auch sehr spannend, mit den SAP–Gründern zusammen zu sitzen und Geschichten aus den frühen Jahren zu hören.

Wo steht ihr heute in einem Jahr? 

Heute in einem Jahr führt Podio noch weitaus mehr Workflows und Arbeitsprozesse aus – und natürlich hat sich bis dahin auch unsere Benutzerbasis und Kundenanzahl immens vergrößert.

Jon, vielen Dank für das Gespräch.