Polen Zusammenarbeit

Polnische IT-Landschaft

Nicht umsonst ist Polen 2013 das offizielle Partnerland der CeBIT gewesen. Polen ist seit vielen Jahren einer der bedeutendsten Handelspartner Deutschlands und eine schnell wachsende innovative Wirtschaftsnation. Zwischen 2003 und 2011 verzeichnete das Land einen durchschnittlichen Anstieg des BIP von 4,5 Prozent, im Krisenjahr 2009 war es das einzige Land der Europäischen Union mit einem positiven Wirtschaftswachstum. Nach den neuesten Prognosen der polnischen Finanzinstitute ist auch 2013 eine Steigerung des BIP von einem bis drei Prozent zu erwarten.

Zu dem Wirtschaftswachstum trägt die IT-Branche nicht unerheblich bei. Der Wert des polnischen IKT-Marktes wird von der Germany Trade & Invest 2012 auf zirka 29 Milliarden Euro geschätzt und gehört damit zu den 20 größten Absatzmärkten der Welt.

Eine der wichtigsten Ressourcen des Standorts Polen bilden hervorragend ausgebildete und hoch motivierte Mitarbeiter. Die Studentenzahl im Bereich Informatik beläuft sich auf zirka 88.000, jährlich verlassen rund 40.000 IKT-Absolventen die Hochschulen. Polnische Programmierer stellen ihre Fähigkeiten regelmäßig mit herausragenden Ergebnissen unter Beweis, durch Teilnahme an namhaften Wettbewerben wie: Google Code Jam (2012: erster Platz), Microsoft Imagine Cup (2012: zweiter und dritter Platz, 2011: erster und zweiter Platz), Hack4Europe und andere.

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Die Attraktivität des polnischen IT- und IKT-Marktes ist bereits von den Großen der Branche wie Google, Microsoft, HP, IBM, Intel, Oracle oder SAP erkannt worden, welche nahe der großen akademischen Zentren wie Warschau, Krakau, Breslau, Posen, Lodz und anderen fast 80 eigene Forschungs- und Entwicklungszentren aufgebaut haben. T-Mobile nutzt die Affinität der Polen zu technologischen Innovationen, um hier innerhalb der EU den maßgeblichen Testmarkt für das mobile Bezahlen mithilfe von Smartphones zu kreieren.

In Polen werden LCD Bildschirme für Marken wie LG, Sharp, Funai, Acer, NEC, Dell (www.dell.com), Apple und Viewsonic hergestellt. Schließlich ist es das polnische Unternehmen CD Projekt RED, welches den preisgekrönten und weltweit bekannten Bestseller unter den Computerspielen „The Witcher“ herausgegeben hat. Für deutsche Startups oder auch Investoren liegt es nahe, Kooperationsmöglichkeiten mit dem Nachbarn im Osten einzugehen, um das technische und kreative Potenzial zu nutzen.

Zusammenarbeit: Kennenlernen und Abstecken der Ziele

Eine Gelegenheit für die Kontaktaufnahme zu den polnischen Unternehmen bieten Messen, das Internet oder ein persönlicher Besuch in Polen. Über die anstehenden deutsch-polnischen Veranstaltungen informiert unter anderem die Webseite der Abteilung für Handel und Investitionen der polnischen Botschaft ausführlich.

Für die Besprechung der Zusammenarbeit bietet ein persönliches Treffen die besten Bedingungen, auch unter dem Gesichtspunkt der Informationsgewinnung über den potenziellen Geschäftspartner. In Polen wird der persönliche Kontakt sehr geschätzt – Telefon, Skype-Talk oder Telekonferenzen können das persönliche Treffen nicht ersetzen.

Die Kooperationspartner sollen sich klar über das beabsichtigte Vertragsprodukt und den Preis werden. Sollen  Software hergestellt, Vorprodukte oder Fertigprodukte gekauft oder Lizenzverträge abgeschlossen werden? Welche rechtliche Form der Zusammenarbeit bietet die meisten Vorteile? Welche steuerlichen Aspekte sind zu berücksichtigen? Am sichersten ist den Parteien gedient, wenn sie sich der Hilfe eines Rechtsanwalts oder/und Steuerberaters bedienen. Es kommt leider häufig vor, dass Unternehmer mündliche Absprachen für ausreichend halten, was in den meisten Fällen schnurstracks zu Interpretationsschwierigkeiten bei der Vertragsabwicklung führt. Fragen der Gewährleistung, der Haftung, des anwendbaren Rechts oder Gerichtsstands sollen im Voraus der Auftragsausführung schriftlich festgehalten werden.

Intensivierung der Kooperation

Wenn die erste Zusammenarbeit für beide Seiten zufriedenstellend funktioniert, kann darüber nachgedacht werden, die rechtlichen Bedingungen für die Zukunft durch einen Kooperationsvertrag auszugestalten, der die Bedingungen für eine langfristige Zusammenarbeit festhält.

Sofern klar ist, dass eine oder mehrere Personen nach klaren Weisungen gegen ein Entgelt für ein Unternehmen im anderen Land arbeiten soll, können die Partner einen Arbeitsvertrag abschließen, insbesondere derart, dass der Arbeitnehmer die Arbeit von seinem Wohnort (in Polen) aus leistet. Die Zusammenarbeit erfolgt dann auf Entfernung. Der Arbeitgeber kann den Arbeitnehmer rechtlich binden und seine Arbeitskraft exklusiv nutzen. Da der Arbeitnehmer an Weisungen des Arbeitgebers gebunden ist, legt der Arbeitgeber die Anforderungen an das Arbeitsergebnis fest.

Bei dem Abschluss eines grenzüberschreitenden Arbeitsvertrages tun sich verschiedene rechtliche Fragen auf. In Bezug auf die Kündigungsschutzregeln wird beispielsweise das deutsche Recht als arbeitnehmerfreundlicher angesehen. Daneben stellen sich Fragen der Sozialversicherung, der Rente, der Arbeitslosenversicherung ebenso wie die der Steuern. Um bei diesen Fragen auf der sicheren Seite zu sein, bietet es sich auch hier an, den Rat eines Rechtsanwalts oder Steuerberaters einzuholen.

Schließlich ist ein Unternehmenserwerb zu erwägen, wenn der Partner mehr als fünf Arbeitnehmer beschäftigt, sein Betrieb eine komplexere Struktur aufweist, wie zum Beispiel Computerausstattung, einen erheblichen Kundenstamm, insbesondere aber auch Lizenzen besitzt. Der Unternehmenserwerb ist in der Regel ein mehrstufiger Prozess. Das zu kaufende Zielunternehmen, welches regelmäßig in Form einer Gesellschaft arbeitet, wird durch den potenziellen Erwerber einer ganzheitlichen Prüfung unterzogen, um die Struktur und ihre Belastbarkeit zu verifizieren (due dilligence).

Eine Vorabprüfung der gesellschaftsrechtlichen, rechtlichen und steuerlichen Verhältnisse des Zielunternehmens schützt den Erwerber vor Überraschungen. Dieses Stadium soll im Idealfall bereits von erfahrenen Rechtsanwälten, Steuerberatern oder Wirtschaftsprüfern begleitet werden.

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In der Regel sind die zu übernehmenden Unternehmen nicht willig, alle Informationen über ihren Betrieb preiszugeben, insbesondere dann nicht, wenn Patente, technologisches Know-how und andere Geschäftsgeheimnisse betroffen sein könnten. Daher werden die Partner eine Vertraulichkeitsvereinbarung unterschreiben, welche die Belange des Interessenten an Zugang zu Informationen mit denen des Zielunternehmens an der Geheimhaltung zum Ausgleich bringt.

Der Unternehmenserwerb ist ein Prozess, bei dem es nicht lediglich auf die Zahlen in den Bilanzen und die Firmenstruktur des Zielunternehmens ankommt. Eine große Rolle spielen die zu übernehmenden Arbeitnehmer, die sich mit der neuen Führung umso schneller anfreunden, je mehr und besser sie über die anstehenden Änderungen informiert werden.

Sofern die ganzheitliche Prüfung des Zielunternehmens zur Zufriedenheit des Erwerbsinteressenten verläuft, wird regelmäßig die Kaufentscheidung gefällt, wobei sich die Partner über den Kaufpreis und alle weiteren rechtlichen Fragen einigen müssen. Soll eine polnische Gesellschaft erworben werden, wird die Anteilsübertragung insofern dem polnischen Recht unterliegen. Einzelheiten des Erwerbs sollen auf jeden Fall mit einem Rechtsanwalt abgesprochen werden, der bereits bei den Verhandlungen anwesend sein oder der diese führen soll.

Bild:  steffen hellwig  / pixelio.de