Private gesetzliche Krankenversicherung

Die Vor- und Nachteile des Unternehmertums

Wer gesund, selbstständig ist oder über 4.350 Euro pro Monat beziehungsweise 52.200 Euro pro Jahr als Angestellter verdient, für denjenigen lohnt sich das Weiterlesen.

Viele junge Unternehmer haben bereits in einem sozialversicherungspflichtigen Angestelltenverhältnis gearbeitet, bevor sich auf das Abenteuer eigenes Unternehmen eingelassen haben. Als Arbeitnehmer ist man den Unterschied von Brutto und Netto gewöhnt. Nun hat der Unternehmer ein Problem. Er bekommt nur das Brutto. Für viele ist das auch das Verlockendste am Unternehmertum. Doch der Schein kann trügen. Die Pflichten des Arbeitgebers muss der Gründer nun selbst stemmen. Das heißt konkret: Krankenversicherung, Steuern und Rentenbeiträge müssen selbst gezahlt werden.

Daraus ergeben sich sowohl Vor- als auch Nachteile. Die meisten Gründer sind von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht befreit. Dafür muss jedoch privat vorgesorgt werden, wenn man im Alter nicht auf Sozialleistungen hoffen möchte.

Beim Thema Krankenversicherung stellt sich dem Unternehmer die Frage: Gesetzlich (GKV) oder privat (PKV)? Insbesondere in den letzten fünf Jahren wurde viel über dieses Thema diskutiert. Vor Allem über die Nachteile der privaten Krankenversicherung gab es viele Halbwahrheiten. Daher nachfolgend eine kleine Entscheidungshilfe für dieses in der Tat sehr komplexe Thema.

Alter, Gesundheit und Familienplanung entscheiden

Aufgrund der demografischen Entwicklung werden in Zukunft weniger junge Menschen in die gesetzliche Krankenversicherung einzahlen. Junge Menschen gehen seltener zum Arzt als ältere Menschen. Dieses Problem wird dafür sorgen, dass die Beiträge zur GKV weiter kontinuierlich steigen werden. Wenn man sich die Entwicklung der GKV mal an den Höchstbeiträgen anschaut, gibt das einen kleinen Ausblick, wo die Reise hingehen wird.

So lag 1973 der Höchstbeitrag bei 81,14 Euro monatlich und liegt 2012 bei 592,88 Euro monatlich. Das entspricht einer durchschnittlichen Steigerung von 5,72 Prozent pro Jahr in 40 Jahren. Bei einer gut kalkulierten PKV besteht eine Steigerung von 1,7 bis 3,6 Prozent pro Jahr. Jedoch ist bei der GKV leider immer wieder der Leistungskatalog angepasst worden. Alternative Heilbehandlungen oder eine hochwertige Zahnversorgung sind heute nur noch durch eigene Zuzahlungen möglich.

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In der PKV hingegen wird wie in einem Baukastenprinzip jeder Baustein gebucht und kostet entsprechend. Daher kann man je nach finanzieller Lage und entsprechender Gesundheit Bausteine beliebig hinzubuchen oder weglassen. Bei der GKV sind die Leistungen bei allen Kassen zu 95 Prozent fix. Die Bezahlung ist auch grundsätzlich unterschiedlich. Bei der PKV wird ein fester Tarif durch die Bausteine bestimmt, wodurch man einen rechtlichen Anspruch auf die Leistungen erhält. Bei der GKV läuft das über Vorauszahlungen, die sich nach Gewinn des Unternehmers richten.

Durch die Einkommensteuerbescheide werden die 14,9 beziehungsweise 15,5 Prozent (mindestens 231,77 Euro beziehungsweise 347,66 Euro) immer auf den Gewinn gerechnet. Diese Umstände machen die PKV vor allem für junge (das gilt bis zirka 40 Jahre) und gesunde Menschen sehr attraktiv, da man für 250 Euro schon einen guten PKV-Tarif bekommt, der leistungstechnisch sehr viel besser aufgestellt ist als ein gesetzlicher.

Jedoch gibt es auch einen Haken: Die jährliche Beitragssteigerung muss privat gegenfinanziert werden. Bei einem soliden und gut kalkulierten Konzept ist das ohne Weiteres möglich, jedoch ist dafür ein Profi nötig, der solche Dinge auch umsetzen kann.

Das zweite Problem sind die Kinder. Jedes Kind muss einzeln versichert werden. Eine Faustformel besagt, dass ab dem dritten Kind die GKV günstiger ist. Dies gilt es zu berücksichtigen. Kinderreiche Paare sollten sich daher durchrechnen lassen, wo die Kinder am besten versichert werden sollten.

Fazit

Wer jung, gesund ist und nicht mehr als zwei Kinder möchte, für den ist die private Krankenversicherung interessant. Wer schon einige mittlere bis schwere Erkrankungen hatte und/oder viele Kinder möchte, der sollte besser auf die GKV setzen.

Eines ist sicher: Alles wird teurer und jeder muss sich allein darauf vorbereiten. Deutschland entwickelt sich immer mehr nach amerikanischem Vorbild. Das Credo dort: „Wohlhabende Leben länger.“

Bild: Rainer Sturm  / pixelio.de