Das Dilemma ist klar, gerade bei Gründern: Wenn alle Anfangsinvestitionen getätigt sind, könnte das Geschäft laufen. Was jetzt noch fehlt, sind Kunden. Um die zu gewinnen, sind Werbung und PR das Wichtigste. Aber: Dafür ist kein Geld da. Also macht man es selbst, oft mehr schlecht als recht. Kunden bringt es höchstens zufällig. Daher bleiben die Einkünfte niedrig. Daher kein Geld für Werbung… und so weiter und so fort. Gibt es überhaupt einen Ausweg aus dieser Spirale? Es gibt ihn – mit der erforderlichen Klarheit und Konzentration auf das Wesentliche.
Professionalität auf allen Ebenen
Kein Chefarzt würde ein Krankenhaus im eigenen Wohnzimmer eröffnen, weil für andere Räume das Geld fehlt. Kein Handwerker würde komplizierte Aufträge einem Ungelernten anvertrauen, weil er einen Fachmann nicht bezahlen kann. Kein Büroservice würde Korrespondenz von Hand schreiben, weil es für Computer und Drucker nicht mehr gereicht hat. Jedoch: Wenn es um Werbung und PR geht, behelfen sich viele Gründer – und auch viele etablierte Unternehmen! – mit erstaunlich schlechten, erstaunlich unprofessionellen Notlösungen.
Da sitzt beispielsweise ein Ingenieur in meinem Workshop und beklagt sich, dass ihm seine neue Website keine Kunden bringt.
Ich: „Wer hat die gemacht?”
Er: „Na, ich natürlich.”
Ich: „Wie lange würde es dauern, ehe ich Ihre Arbeit so machen kann wie Sie?”
Er (erstaunt): „Jahre!”
Ich: „Und warum glauben Sie, dass Sie ohne Ausbildung und Erfahrung meine Arbeit so wirksam machen können wie ich?”
Wer eine hochwertige Dienstleistung oder ein hochwertiges Produkt anbietet, sollte dieselbe Professionalität auf allen Ebenen zeigen. Dazu gehört das persönliche Auftreten ebenso wie die Website. Wie ist das mit schmalem Budget zu erreichen?
Qualität wertschätzen
Wer selbst anständig bezahlt werden will, sollte auch die Leistung anderer wertschätzen. Zu versuchen, hochwertige Werbung und PR für den Bruchteil des Preises zu bekommen, ist unrealistisch. Niemand geht in ein Schuhgeschäft und sagt: „Ich hätte gerne dieses Paar, das 200 Euro kostet, aber bitte für 30 Euro. Mehr gibt mein Budget nicht her.” Gute Kommunikation ist ihren Preis wert. Besser wenige aber gute Werbung und PR zukaufen und die Kommunikation langfristig und modular aufbauen.
Eigene Ziele klären
Was wollen wir erreichen? Bevor ein Konzept für die Kommunikation überhaupt geplant werden kann, müssen die eigenen Unternehmensziele feststehen. Jegliche Strategie, auch in Werbung und PR, kann nur funktionieren, wenn klar ist, wo sie hinführen soll. Je klarer die Ziele, desto genauer kann auch die Kommunikation auf das ausgerichtet werden, was funktioniert.
Zielgruppen definieren
Wen sprechen wir an? Wer genau weiß, wen er erreichen will und was die Zielgruppen brauchen, findet leichter und kostengünstiger die geeigneten Kommunikationswege.
USP auf den Punkt bringen
Wo sind wir einzigartig? Der USP (Unique Selling Proposition) ist die Summe der Alleinstellungsmerkmale. Ihn präzise auf den Punkt zu bringen, ist eine echte Herausforderung. Aber wer weiß, worin und warum sein Angebot einzigartig ist, tritt auch in der direkten Kommunikation mit potenziellen Kunden überzeugender auf.
Kundennutzen formulieren
Hier wird die Selbstaussage über den USP zur Aussage über den Kunden: Sagen Sie nicht primär, was Sie tun (oder nicht tun). Zeigen Sie dem Kunden bereits im ersten Satz, auf der ersten Seite, in allen Medien ebenso wie im direkten Kontakt, was es ihm bringt.
Auf die eigenen Stärken konzentrieren
Jeder persönliche Kontakt, die Qualität der Leistungen, das Empfehlungsnetzwerk: Werbung und PR sind viel mehr als die klassischen Instrumente. Wer stark im Gespräch und der direkten Akquisition ist, sollte sich darauf ausrichten – statt mit mäßigem Erfolg an aufwändigen Websites zu basteln oder widerwillig und mit Anstrengung Werbetexte zu zimmern. Wer ein Netzwerker ist, sollte sich nicht im Büro eingraben. Wer nicht gerne schreibt, aber gut Kontakte pflegen kann, spricht besser persönlich mit Journalisten statt Pressemappen zu basteln und auszusenden.
Finden Sie heraus, wo Sie besonders gut sind und lassen Sie sich für das andere von Fachleuten beraten. So weit das Budget eben reicht. Finden Sie eine Agentur oder einen Berater, der sich auf Gründer spezialisiert hat und bereit ist mitzuziehen. Wie Sie solche Dienstleister finden – und einiges mehr – habe ich im eBook „Workshop PR” zusammengefasst, das Sie kostenlos herunterladen können.
Über die Autorin:
Dr. Kerstin Hoffmann berät seit vielen Jahren Unternehmen in ihrer gesamten Kommunikation, in klassischer Werbung und PR ebenso wie in Web-2.0-Themen. Sie leitet Workshops und hält Vorträge. Im PR-Doktor bloggt sie täglich über ihr Fachgebiet. Tipps und Expertenwissen veröffentlicht sie monatlich im eBrief Werbung und PR.

Wunderbar auf den Punkt gebracht …
Danke für diesen guten Beitrag!!!
Ich frage mich was dieser Beitrag soll. Wo sind konkrete Tips & Hinweise/Maßnahmen. Das ist doch nur allgemeines blabla um auf sich aufmerksam zu machen und die eigenen Dienste anzupreisen. Hätte da, wenn man schon so ein Forum hier bekommt mehr erwartet was auch direkt in der Praxis umgesetzt werden kann. Schade drum. Wichtiges Thema eigentlich.
Guter Beitrag – aber was ist hiermit:
http://twitter.com/fredwilson/status/1412644459
Gutes Produkt verkauft sich selbst – bzw. ist auch trotz schlechter PR / Werbearbeit erfolgreich. Anderseits lässt sich auch durch gute PR kein schlechtes Produkt verkaufen.
Im Übrigen ist geht für mich die erste Botschaft des Textes unter:
“Professionelle Werbung und PR mit KLEINEM Budget”
40% des Textes wird argumentiert, daß man gute Dienstleistung auch nur für entsprechendes Geld bekommt… Dann kommt die scharfe Kurve:
“Wie ist das mit schmalem Budget zu erreichen?”, gefolgt von eher allgemeinen (richtigen) Punkten, die jedoch für große wie auch für kleine Marketing-Budgets gelten sollten.
Die Überschrift verspricht mehr als der Text hält, wenn am Ende steht “soweit das Budget eben reicht”.
Am Ende des Tages kommt es auch sehr auf die persönlichen Kontakte meines PR Beraters für mein Produkt und meinen Markt an. Der Berater sollte erreichen, daß meine Pressemappe nicht in den Stapel kommt, sondern auch wirklich gelesen wird.
Hier könnte der Artikel darauf eingehen, WORAN ich eine gute PR Beratung erkenne…
Wer als Jungunternehmer einen Businessplan gemacht, sollte spätestens hier über das Thema der Kundengewinnung nachdenken und die dazu notwendigen Investitionen planen.
Mit besten Grüßen,
Alexander E. Schröpfer
Professionelle Hilfe ist Sinnvoll, aber gerade mit sehr kleinem Budget kann man mit Kreativität, Leidenschaft und Arbeit noch einiges erreichen. DIe Gefahr ist immer NICHT den richtigen Partner zu finden, und erstmal zu viel Budget zu verblasen. Gerade bei Start Ups scheint manchmal viel Geld zu verpuffen, was evtl. anders wäre, würden Sie sich selbst noch dahinterklemmen. Aber das Feld ist weit, das Thema sehr Umfangreich und der gesunde Menschenverstand und die KOmmunikation mit anderen für mich das wichtigste bei der Sache :)
Richtige, wenn auch eher allgemeine, Ansätze!
Warum sollte Frau Dr. Hoffmann auch hier alle Tipps und Tricks verraten? Sie will schließlich, das ist sinnvoll und legitim, IHRE USP verkaufen, um auch die kleinen Budgets zu kommen.
Wir machen das vom Grundsatz ähnlich. Mit kleinen Budgets kann man viel erreichen, wenn man eine Agentur hat, die sich mit dem Kunden auch identifiziert UND ihren Job versteht…
Das ist dann wiederum unser USP :)
Oh man, klassische Werbung ist ja so was von tot. Deswegen brauch man nämlich gar nicht mehr die großen Budgets von Gestern. Also nicht verzagen, gute Ideen werden sich (fast) immer rumsprechen.
Danke für die vielen Kommentare. Der Beitrag soll einen ersten Einblick in das Thema geben, ein gewisses Problembewusstsein wecken – und auf das eBook hinweisen, das die einzelnen Punkte ausführlicher behandelt. Darin verrate ich (fast) alle meine Tipps und Tricks. Kostenlos. Tatsächlich habe ich es gerade deswegen geschrieben, damit auch solche, die kleine Budgets haben, möglichst viel selbst machen und da Leistungen zukaufen können, wo es wirklich nötig ist.
Einen sonnigen guten Tag.
Es ist doch alles richtig, was Frau Hoffmann hier schreibt. Für den einen oder anderen mögen dies selbstverständliche Allgemeinplätze sein, bravo, dann sind Sie schon einen erheblichen Schritt weiter. Leider werden von den wenigsten Gründern diese Hausaufgaben wirklich gewissenhaft gemacht. Insofern ist so ein allgemeines Grundlagenpapier von Frau Hoffmann eine schöne Stütze, um zu schauen, wo man überhaupt steht, inwieweit man sich überhaupt schon die richtigen, eigenen Gedanken gemacht hat.
Ich halte nicht sehr viel davon, öffentlich detaillierte Tipps für imaginäre Gründer zu geben ohne die o.g. Basics zu kennen.
Gemessen an der Flut von Ratgebern und sog. Fachbüchern müßte doch der Beraterberuf ausgestorben sein. Das Gegenteil ist doch der Fall.
Übrigens, wäre ja auch zu einfach, es ist natürlich auch nicht damit getan, sich z.B. an einen Marketingberater oder Grafiker zu wenden. Wirklich professionell sind auch diese erst, wenn eben auch deren “Gewerke” (Texter, Fotograf, Illustrator, etc.) alle auf hohem Niveau wirken.
D.h. im Klartext: Es gibt eben auch zu viele Unternehmensberater, die zwar für gutes Geld beraten und auch Dienstleister inpetto haben, aber dann genau den Fehler machen, den wir hier vermeiden wollen. Nämlich an Konzeption, Gestaltung und Umsetzung sparen, indem Sie wiederum selbst Hand anlegen oder “billig” einkaufen.
Frei nach der Weisheit, “die Kette ist so stark, wie ihr schwächstes Glied”, macht es eben mehr Sinn, mit dem Armband anzufangen, als auf die Halskette zu schielen. ;-)
Warum es übrigens keinen Sinn für Existenzgründer macht, Anfragen in die öffentliche Arena der buhlenden Meute zu werfen, können Sie hier lesen: http://blog.diegebrauchsgrafiker.net/2009/03/darfs-ein-bisschen-mehr-sein-teil-2/
Tschüssing vom Elbstrand
Oliver Schuh | agd | die gebrauchsgrafiker