Es überschlugen sich dieser Tage die Meldungen über Weggänge beim Berliner Inkubator-Urgestein Rocket Internet (www.rocket-internet.de) – praktisch dessen gesamte deutsche Führungsriege zog seiner Wege und nimmt dabei eine Menge Knowhow mit. Hauptziel dieses Knowhow-Transfers wurde Project A Ventures (www.project-a.com), ein neuer Inkubator, der – ausgestattet mit viel Kapital von Otto – einiges verspricht. Gründerszene traf Project-A-Gründer Christian Weiss zu einem Gespräch und ging bei verschiedenen Beteiligten auf Spurensuche, um zu ergründen, was an der vermeintlichen Rocket-Erosion dran ist.
Project A Ventures ist potent aufgestellt
Es muss ein stolzes Investment seitens Otto (www.otto.com) sein, das in den neuen Inkubator geflossen ist: Derzeit bringt es Project A Ventures bereits auf 40 Mitarbeiter (!), die sich zu 80 Prozent aus den Reihen von Rocket Internet rekrutieren sollen und wovon allein vier Mitarbeiter nur auf das Recruiting neuer Arbeitskräfte für das Portfolio und Project A selbst abgestellt sind. Zum Vergleich: Rocket Internet brachte es zuletzt auf 130 Mitarbeiter, Team Europe blickt auf ein Team von 28 Tätigen.
Bezogen hat die Firmenbrutstätte einen Neubau, der sich wie Project A selbst noch im Aufbau befindet und im Zentrum Berlins gelegen ist. In Räumen, die noch einem Rohbau gleichen, wird Aufbruchstimmung und Startup-Feeling vermittelt, auch weil es zu einem engen Austausch zwischen Company-Builder und Portfolio kommen soll. Gleich drei Etagen hat Project A dort angemietet und verfolgt damit einen Campus-Ansatz, wie ihn auch andere Inkubatoren wie Rocket Internet oder Team Europe (www.teameurope.net) anpeilen sollen. Zwei weitere Etagen werden wohl an nahestehende Firmen vermietet. Eine potente Kampfansage ist damit bereits gemacht und folgt man den Ausführungen des Team (s.u.) wird dabei viel Wert auf operational Excellence und – Achtung Buzzword! – Nachhaltigkeit gelegt.
Dabei war es – wie Gründerszene nun bestätigen konnte – Otto, das aktiv auf die ehemaligen Rocket-Geschäftsführer zuging und sie mit dem Konzept ansprach. Überhaupt sollen gleich mehrere Interessenten die nun als “A-Team” firmierenden Akteure kontaktiert haben. Otto wurde schließlich als einer von zwei Geldgebern in der engeren Auswahl gewählt, weil dieser laut Project-A-Geschäftsführer Christian Weiss dem Team viele Freiheiten einräumen soll. Insofern ist es für die ehemaligen Rocket-Führungskräfte an und für sich ein Traumszenario: Ausgestattet mit viel Kapital können sie schalten und walten wie sie es möchten und greifen dabei dank ihrer Rocket-Zeit auf ein großes Netzwerk und ausgefeiltes Operations-Knowhow zurück.
Ottos Rolle bei Project A
Die Verbundenheit mit dem Otto-Konzern soll aber dennoch nicht dazu führen, dass es bei Project A nur Exits an Otto selbst geben wird. Im Gespräch mit Christian Weiss versichert dieser gegenüber Gründerszene, dass es um nachhaltige Firmenaufbauten gehen soll, bei denen potenzielle Gründer durch angemessene Equity-Strukturen motiviert werden sollen und stets der attraktivste Exit-Kanal gesucht werde. Eine Devise, die sich sicherlich jeder Company-Builder auf die Fahne schreibt und bei der die Praxis schon auch mal anders aussehen kann. Doch Weiss & Co. vermitteln dieses Image sehr glaubhaft und wiederholten gegenüber Gründerszene auch stets, dass es Project A Ventures um nachhaltige Geschäftsbeziehungen gehe und dass der eigene potenzielle Erfolg auch schon mal reduziert werde, wenn dafür die unternehmerische Fairness gewahrt bleibe. Schönen Gruß in die Saarbrücker Straße.
Überhaupt arbeite Project A sehr autark gegenüber Otto und visiere etwa nicht nur E-Commerce-Themen an. Dass eine Quote von 25 Prozent E-Commerce-orientierten Themen in den nächsten Jahren dennoch realsitisch sei, erklärt sich sicherlich auch aus den Kompetenzen der Project-A-Macher. Bisher versprachen Otto-Eigengewächse wie Mirapodo (www.mirapodo.de), das von Zalando (www.zalando.de) überrollt wurde, eher überschaubare Erfolge und entsprechend schlecht soll Otto auf den Samwer-Clan zu sprechen gewesen sein. Der Gegenschlag mit diesem neuen Ansatz ist insofern nur konsequent und verhilft Otto durch eine teure Talent-Acquisition zu sehr viel Knowhow und guten Kontakten. Positiv überrascht dabei die Freiheit, die Project A Ventures angeblich seitens Otto eingeräumt wird, auf etwas anderes hätten sich die Rocket-Verhältnisse gewöhnten Serial-Entrepreneure wohl aber auch nicht eingelassen.
Vor allem möchte Project A Ventures seine Projekte nicht nur alleine anstoßen, sondern wird neben dem Angebot seiner Infrastruktur für Andere auch mit externen Investoren kooperieren – ein logischer Schritt, ist der Kapitalbedarf für zahlreiche Modelle doch merklich gestiegen. Insbesondere Point Nine Capital (www.pointninecap.com) und DuMont Venture (www.dumontventure.de) seien aufgrund ihrer geistigen Nähe potenzielle Kooperationspartner für zukünftige Deals, doch aus den USA seien ebenfalls Geldgeber interessant, so sie denn Relevanz und Netzwerk mitbringen. Geldgeber, die bei Project A mit investieren wollen, werden sich wohl auf einen finanziellen Rahmen zwischen zwei und fünf Millionen Euro pro Investment einstellen dürfen, was dem gestiegenen Kapitalbedarf langfristig sicher Rechnung trägt, den Kreis potenzieller Investoren in Deutschland aber auch merklich einengt.
Die Visionen von Project A Ventures
Letztlich verhält es sich bei der Trennung von den Samwers wohl etwas ähnlich wie bei der Beendigung einer langfristigen Beziehung: Die Beteiligten laufen sich auf denselben Events über den Weg – man teilt den gleichen Freundeskreis. Das soll das “A-Team” jedoch nicht davon abhalten, sich hehre Ziele zu stecken: Insgesamt vier bis sechs Themen wollen die Berliner pro Jahr umsetzen, wobei sie sich zunächst auf Infrastruktur-Konzepte konzentrieren werden, die im Daily-Business eine Rolle spielen. Konkret wird es sich dabei wohl zum einen um eine Business-Intelligence-Lösung handeln, mit der viele Zahlen erhoben und analysiert werden können. Daneben ist natürlich Online-Marketing das zentrale Thema eines Company-Builders, wo es für Project A Ventures wohl sehr stark in Richtung Real-Time-Bidding gehen wird. Beide Lösungen werden in nächster Zeit wohl die größte Wertsteigerung aufweisen und ein zentrales Asset von Project A Ventures werden – marktreife Produkte nicht ausgeschlossen.
Personell wird jedem der Geschäftsführer in diesem Konstrukt ein dezidierter Fokus zukommen: Thies Sander managt vor allem den umfangreichen Project-A-Fonds, während Uwe Horstmann den Produktbereich verantwortet und eine Venture-Partner-ähnliche Rolle für das Portfolio einnimmt. Christian Weiss wird sich auf die Themen Human Resources und IT konzentrieren, wodurch noch ein Posten für den Bereich Marketing offen bleibt – dass diesen Florian Heinemann einnehmen wird, darf als sicher gelten. Kommentieren wollte Project A dies jedoch nicht.
Project A wird ein relevanter Player werden
Gründerszenes Prognose: Project A Ventures ist sehr gut mit finanziellen Mitteln ausgestattet und konnte erfahrene Experten gewinnen, die sich mit dem Ausrollen von Geschäftsmodellen gut auskennen. Dass es eine Abkehr von Copycat-Modellen gibt, darf auch für Project A Ventures nicht im großen Stile erwartet werden, doch vermittelt das Team den Willen, auf mehr Nachhaltigkeit sowohl in den Geschäftskonzepten als auch im Mitarbeiterumgang zu setzen.
Die bisher umgesetzten Modelle Amerano (www.amerano.de) und Wine in Black gehören noch nicht zu den spannenden Projekten, auf die Gründerszene bei Project A hofft, doch diese werden sicherlich kommen. Gerade der Fokus auf infrastrukturelle Operations-Elemente wie Online-Marketing und Business-Intelligence dürfte den Berlinern eine operational Excellence verschaffen, die anderen in der Szene bisher fehlt und die sich selbst auch monetarisieren lässt.
Project A Ventures ist also durchaus ein Player, auf den in diesem Jahr (und in den nächsten Jahren) gesetzt werden darf. Und immerhin deutet dessen Name ja bereits darauf hin, dass es das Projekt A ist, welches alle Beteiligten immer machen wollten. Dass der Name eigentlich aus der binären Wahl für einen von zwei Geldgebern stammt, verleitet dabei eher zum Schmunzeln.
Die vermeintliche Rocket-Erosion
Natürlich interessiert viele in der Szene insbesondere das Timing: Warum kam es gerade jetzt zu diesem erdrutschartigen Wechsel relevanter Führungskräfte bei Rocket Internet, die sich dann vor allem in Project A Ventures re-manifestierten? Immerhin gingen von 130 Mitarbeitern auf einen Schlag rund 20, wodurch Rocket etwa 15 Prozent seines Teams verlor. Andere Quellen gingen sogar von bis zu 40 Weggängen aus, was durchaus im Bereich des Möglichen liegt, müssten doch allein knapp 30 der Project-A-Köpfe ehemalige Rocket-Mitarbeiter sein.
Das Rocket Internet wahrscheinlich monatlich vier Mal so viele Mitarbeiter einstellt, wie in dieser Welle gekündigt haben, darf als sehr wahrscheinlich gelten, doch schmerzen diese Weggänge, weil es sich dabei vielfach um technische Wissensträger handelte wie Christian Weiss (Recruiting), Andre Alpar, Dominik Wojcik, Benedikt Illner (alle drei Online-Marketing), Uwe Horstmann (Produkt) und wohl nun auch bald Florian Heinemann (Online-Marketing). Gerade Florian Heinemann und Christian Weiss kam in den Rocket-Gefilden bisher stets auch die Aufgabe zu, hinter den Samwers die Scherben aufzukehren, wenn diese sich mitunter recht skrupellos über die ein oder andere Spielregel de Branche hinwegsetzten. Ganz zu schweigen davon, dass die ehemaligen Geschäftsführer nach wie vor über Supporter-Shares an vielen Rocket-Gründungen verfügen und damit eine Gesellschafter-Einsicht haben.
Während Rocket Internet damit beschäftigt ist, weltweit Modelle auszurollen, für die es einen Proof-of-Concept sogar schon in den eigenen Reihen gibt, wird der Company-Builder den Weggang seiner Experten vielleicht noch nicht allzu schmerzlich spüren. Doch spätestens wenn es darum geht, Copycats umzusetzen, für die noch kein KPI-Plan in der Schublade liegt, könnten gerade diese “neuen” Modelle zu einer Herausforderung werden.
Rocket-Knowhow fließt in die Szene ab
Wenn dem Trio um Oliver Samwer also ein Vorwurf gemacht werden kann, dann der, dass sie es anscheinend nicht (mehr) vermögen, ihre Wissensträger im Unternehmen zu halten. Zu groß ist anscheinend die Gier nach Erfolg und Wohlstand geworden, sodass zuletzt womöglich nicht nur der ein oder andere Business-Partner, sondern mitunter auch die (Mitarbeiter-)Qualität auf der Strecke blieb, indem der Company-Builder international einfach ungemein schnell wuchs. Und schließlich schmeckt auch eine Orange irgendwann bitter, quetscht man sie zu sehr aus.
In der Antwort von Christian Weiss, warum gerade jetzt ein solcher Umbruch um sich greift, spiegelt sich hierzu vor allem die eigene Lebensplanung wider: Alle Gründer von Project A sind in einem Alter, das genügend Erfahrung verspricht, um ein Inkubatoren-Projekt dieser Machart anzugehen und auch privat sind die Berliner eng miteinander verbunden und verweisen daher auf ein Maximum an Vertrauen – ein Wert, der bei Rocket Internet sicherlich nicht bei jeder Beziehung gegeben gewesen sein dürfte.
Gerade auch die eigene Unternehmer-Philosophie könnte ein wichtiges Antriebsmoment sein. Immer wieder ist zu hören, dass Weiss und Co. bei Rocket Internet einen Richtungswechsel angeregt haben, dabei aber ungehört blieben. Rocket Internet weist mittlerweile – besonders international – eine solche Skalierung auf, das vielfach nur mittelmäßige Talente rekrutiert werden können, die vorgerfertigte Business-Modelle aus der Samwer-Schublade umsetzen (dürfen). Dass dies für erfahrene Unternehmer mit der Zeit an Reiz verliert, insbesondere wenn es die mitunter skrupellosen Praktiken der Samwers zu verteidigen gilt, liegt auf der Hand. Insbesondere wenn Otto mit einem Haufen Geld winkt, das ohne großartige Restriktionen nach den eigenen Vorstellungen investiert werden kann.
Project A Ventures, deren Gründer wie alle Rocket-Abgänge sehr lobend von den Samwers sprechen, will daher eher auf Klasse statt Masse setzen und Christian Weiss hat etwas Nostalgisches im Blick, wenn er mit ruhiger Stimme sagt, dass dieses Konstrukt schon “sehr nah an seinem Traumberuf dran” ist…


Hi Joel, cooler Artikel! Wir sind bei Team Europe 28 Leute, nicht mehr 15. LG
“Zu groß ist anscheinend die Gier nach Erfolg und Wohlstand geworden” … und schon ist die Grenze vom neutralen Artikel zum Kommentar ueberschritten :o(
“Zu groß ist anscheinend die Gier nach Erfolg und Wohlstand geworden”
>… und schon ist die Grenze vom neutralen Artikel zum Kommentar ueberschritten :o(
Andreas, genau das war auch mein Gedanke… der Satz macht den ansonsten recht interessanten Artikel ziemlich kaputt. Da gab es nämlich noch ganz andere Gründe…
@Kolja: Danke gleichermaßen für die Blumen wie auch für den Hinweis. Ich habe das geändert, aber dann brief dazu doch vielleicht auch Dein Team, eure Assistentin hat mir heute morgen 15 als Zahl genannt. Schön, dass ihr schon größer seid :-).
@Andreas: Andreas, jetzt mal Hand auf’s herz, würdest Du ernsthaft bestreiten wollen, dass die Samwers gierig sind? Ich teile Deine Ansicht nicht, weil unser Artikel ist nicht tendenziös, weil wir Wertungen vornehmen. Mal jenseits der Tatsache, dass uns entsprechende Hinweise während unserer Recherche begegnet sind, liegt das bei den drei Brüdern auf der Hand und da ist es auch Aufgabe eines Textes, so etwas zu thematisieren. Aber wenn Du bei einem 2,5-seitigen Text nur eine Zeile zu beanstanden hast, haben wir ja gute Arbeit geleistet :-).
Hi Joel,
in der Tat ist der Artikel informativ gewesen; mea culpa, daß ich nicht darauf hingewiesen habe. Severint hat es besser als ich ausgedrückt.
Jeder Akteur der Berliner StartUp- oder Online-Szene hat (das Recht auf) seine Meinung zu den Samwers … aber auch zu Christian Weiss, zu Florian, zu Andre … und auch zu Inkubatoren … und zu CopyCats … etc.
Aber ich wäre Euch für eine deutlichere Trennung zwischen neutraler Information und subjektiver Meinung sehr verbunden.
Schöner Artikel Joel, das hat man lange Zeit bei Gründerszene vermisst. Du hasts einfach drauf.
Was Project A selbst angeht sollten Zweifel durchaus angebracht sein. Ob man (erfolgreich? profitable?) Firmen wie am Fließband produzieren kann ist die eine Frage.
Interessant wird es doch sein, ob die Zielrichtungen von Otto und Projekt A übereinstimmen.
Was will Otto? Eine Gelddruckmaschine, die Firmen gründet und verkauft, wobei Otto durch Shares partizipiert?
Oder eine Innovationsschmiede, die für Otto innovativen E-Commerce klarmacht und Zukunftsfelder erschließt, die später in den Konzern integriert werden können. Denn dann muss man überlegen, ob die “Samwer-Methode” für Otto funktioniert.
Nach all dem Hin und Her der letzten Wochen, wo Spekulationen aus allen Richtungen zu Project A kamen, ist der Artikel für mich jetzt mal eine recht gute Zusammenfassung und gibt nen guten Einblick – auch wenn wir immer noch nicht wissen, was genau für “special projects” auf uns zu kommen.
@Joel: gute Debatte im DLF: http://www.ustream.tv/recorded/20306741 Haste dich wacker geschlagen neben der Anzugfraktion!
sehr informativ – Danke!
Thumbs Up! Schöner Artikel. Auch und gerade wegen der vorgenommenen Wertung. Die ist ganz klar neidlos!
Beim Lesen habe ich erst gedacht (ja, ich gebe die Hoffnung nicht auf), Nora hätte beim Schreibdoktor eine Kompetenzinjektion bekommen.
@Andreas: Wir werden das beherzigen, wo es sinnvoll ist, danke.
@Investor und Insider: Danke Dir. Und Du hast Recht: “Was sind Ottos Interessen?” ist eigentlich eine der zentralen Fragen. Mein Verdacht wäre, dass sie vor allem Know-How in ihr Unternehmen via Brain-Drain ziehen wollen. Das passt ja auch ganz gut damit zusammen, dass Project A zunächst auf operational Excellence via Tools setzen will. Dann natürlich auch potente Exits usw. und vielleicht ging es ja auch etwas darum, den Samwers eins auszuwischen…
@Jonas: Danke, gegen einen Radiomann, einen Politiker und eine Wissenschaftlerin ist es schon hart zu Wort zu kommen ;-).
Schöner Artikel Joel!
Trotzdem möchte ich die Frage in den Raum werfen, ob grade nicht ein zu großer Hype um die Jungs und ihre Fähigkeiten gemacht wird.
Sicherlich haben Sie bei Rocket einiges geleistet, aber sie waren definitiv keine Unternehmer, sondern angestellt. Trotz Supporter-Shares waren sie und bleiben sie im Kopf eher risikoaversive Angestellte (auch wenn sie das eine oder andere Startup gebaut haben, auch da sind sie immer mit begrenzten persönlichen Risiko reingegangen => ein völlig anderes Mindset als zB Olli). Das zweite ist ihr Track Record: da müssen wir gar nicht drüber reden, Olli ist einfach eine andere Liga. Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Plus Rockets Dickschiffe werden meist von den Smawers persönlich aufgebaut. Ich habe keinen Weiss oder Sander bei Groupon gesehen, sondern eher bei den kleineren Beteiligungen.
Und deswegen bezweifele ich, dass die Jungs trotz Insights zu Rocket, genauso erfolgreich wie Olli sein werden. Sie haben ein anderes Skill-Set und Ollis Stärke lässt sich nicht mit Geld kaufen.
Wenn sie wirklich knallharte Gründer wären, hätten sie schon viel früher AUS EIGENEN STÜCKEN Rocket verlassen. Aber haben sie eben nicht, weil sie keine echten Gründer sind. Sie wurden direkt abgeworben von Otto, d.h. die Initiative kam von Otto und eben NICHT von Ihnen. Wenn Otto nicht gekommen wäre, würden sie immer noch bei Rocket sitzen und E-Mail mit Blut unterschreiben ;-) Von daher bin ich ganz entspannt. Ich glaube nicht, dass mit viel Geld und Rockets Ex-Team sich Ollis Erfolge wiederholen lassen.
Weiter denke ich, dass das ein Nachspiel haben wird, denn systematisch viele Mitarbeiter eines Konkurrenten zur gezielten Mitbewerberbehinderung abzuwerben ist aus juristischer Sicht nicht ganz sauber. Und das ist hier offensichtlich passiert, schaut doch mal Ottos Trauerspiel Mirapodo an, am besten auf Alexa gleich mit Zalando vergleichen (da sind Welten dazwischen).
@2837: Das sind ein paar gute Überlegungen, die das Bild auf eine Art auch ganz gut treffen. Ich habe in gewisser Weise ähnlich gedacht, zumal ich Christians Gimigames auch nicht unbedingt überzeugend fand. Aber ich glaube die Jungs wollen nicht größer als oder genauso wie Rocket sein. Sie machen etwas anderes und werden womöglich nicht mit allen Sachen fliegen.
Aber was ich mir gut vorstellen kann, ist dass sie dadurch ganz gut funktionieren, dass jeder einen Fokus hat, der zu ihm passt. Speziell an Florians Skills glaube ich und Marketing wird ein zentrales Thema werden. Naja, mal schauen.
Was Sie da beschreiben, hat mit Venture Capital nichts zu tun, eher mit Adventure Capital. Hier bekommen ein paar grüne Jungs eine Menge von Otto hinterhergeworfen, um damit zu spielen. In wenigen Jahren – ich schätze 2 – wird davon nichts mehr übrig sein und Otto wird erkennen, dass die Jungs nur die Nachhaltigkeit ihres eigene Reichtums in Sinn hatten, nicht aber das ihrer investee companies und damit das der Investoren. Was übrig bleibt ist einen weitere gescheiterte VC-Gesellschaft samt klammen Portfolio und ein Haufen Dreck auf dem Begriff “Venture Capital”.
Ich würde erwarten, dass alle Beteiligten so professionell sind, dass sie – trotz der Gründung von project a – noch befreundet bleiben. Der gemeinsame Weg war einfach zu lang.
Und jede Führungskraft hat Kündigungsfristen. Ich gehe davon aus, dass RI schon seit langem über die Gründung von pa informiert ist.
Mich beeindruckt, dass Otto so kühn und so weitsichtig agiert. Das ist eine echte Managementleistung!
Ich gehe eigentlich davon aus, dass dieses Modell Schule machen wird. Ein Bertelsmann, Springer, WAZ, Madsack etc. – sie alle stehen unter massivem Druck, ihre Tanker in eine neue digitale Zukunft zu steuern. Die meisten machen das halbherzig und bauen einen fragwürdigen Kramladen auf, der eine übergeordnete gänzlich Strategie vermissen lässt. Von daher mein Respekt vor Otto. Schwäche erkannt und durch Anheuern des (welt?)besten Teams begegnet…
Ob das Team um C.Weiß den Biss und die Härte eines Oliver Samwers hat (und bei den im Vergleich überschaubareren Ambitionen vor allem braucht), sei dahin gestellt. Ich habe F. Heinemann und C. Weiß als sehr menschlich wahrgenommen – wäre schade, wenn sich das ändert.
der titel CEO von toptarif, GF von dies und jenem klingt nett, ist aber eine leere phrase angesichts der tatsache, dass die 3 burschen angestellte und eng geführte söldner von samwer waren.
im team gibt es keinen einzigen unabhängigen unternehmer.
christian weiss war noch nie mit einem eigenen projekt erfolgreich, sei es gimmigames oder projekt49.
und nun stellen sich die 3 als engel dar, die auf nachhaltigkeit und fairness achten?
von gier getrieben wie ihre 3 vor-chefs und von noch mehr otto-geld gekauft haben sie die seiten gewechselt. nicht aus eigenantrieb, nicht aus moral.
bis vor wochen waren sie JAHRELANG die willigen vollstrecker und billigen söldner von jeder noch so skrupellosen und korrupten geschaäfstpraxis der samwers!
nun folgen sie schlichtweg dem ruf nach noch mehr geld – nichts weiter. dabei zu PR zwecken als plötzlich geläuterte anti-samwers mit sauberer weste… durchschaubarer geht es nun wirklich nicht.
nachdem die herren schein-ceos nun zu viert ihren mut zusammen genommen haben um zum ersten mal etwas eigenes zu stämmen, wünschen wir ihnen viel erfolg und eine sauberere weste (bitte viel PR-chlor verwenden um die letzten jahre vergessen zu machen)
Man kann doch mit Recht sagen, dass Otto der Inkubator hinter project-a ist, oder?
@Heinz: Eine besonders hohe Meinung scheintst du ja von (ex-)Rocket-Mitarbeitern nicht zu haben, insbesondere diesen hier… oder kennst du sie einfach nicht?!? Die Namen stehen doch, zumindest teilweise, eigentlich schon für “einiges” an Fachwissen.
@JMCQ87: Viele Handwerkerexperten machen noch keinen Star-Architekten. Auch wenn die Handwerker beim Stararchitekten jahrelang angeheuert waren.
Titel wie CEO von toptarif oder Geschäftsführer oder gar Gründungsgeschäftsführer (um einen Hauch Unternehmertum in einen Phantasietitel zu packen) klingen fantastisch, aber faktisch waren sie Angestellte von CEO Samwer. Alle 3-4 wurden eng geführt bzw waren fachhandwerker für spezifische gebiete. keiner von ihnen hat je unabhängig und selbstbestimmt bislang etwas auf die beine gestellt.
christian weiss scheiterte seit 12 jahren mit eigengründungen. waren es nun project49.de oder gimmigames. dann ging er immer zurück zu oli: als freiberuflicher angestellter auf rechnung wie er gerne behauptete. wieder dieser schein von selbständigkeit und unternehmer…
das wichtigste aber: sie waren jahrelang willige vollstrecker und söldner von samwers skupellosen abzockmethoden!
jetzt, wo sie aus gier nach noch mehr geld dem lockruf von ottos geld gefolgt sind, stellen sie sich für ihr eigen-marketing mit nachhaltigkeit und fairness plötzlich als saubermänner dar. lachhafte und durchschaubare PR! die geläuterten söldner der schmutzpraktiken distanzieren sich plötzlich von ihrer bisherigen kultur. “Olis war es! Wir hatten mit ihm nichts zu tun und haben von alle dem nichts gewusst!” irgendwie erinnert mich das an die gründung der BRD/DDR: aus den nazis waren über nacht lupenreine BRD-Demokraten geworden – nachhaltig und fair.
Es spricht auch bände, dass sie vor Joel nur positiv über samwer reden. Wie ist das zu verstehen?
Hinter vorgehaltener Hand und in Hintergrundgesprächen mit Journalisten schlagen sie einen ganz anderen Ton an, aber dann bitte nicht zitieren, keinen namen nennen, herr Journalist
Warum gerade jetzt alle gehen bei Rocket? Die Tatsache, dass vor ein paar Wochen Briefe an die Groupon und Rocket Manager raus gegangen sind mit niedriger Groupon Aktienanzahl wird ein Grund sein. Die Verwässerung war krasser als es ihnen je kommuniziert wurde.
Hehe. Ich sehe schon, Projekt A / Oryx wird’s erstmal schwer haben in der “Öffentlichkeit” ;) – Ich warte lieber ab, mit meinem Urteil. Derzeit ist für mich in Berlin ohnehin Springstar das interessanteste und nicht Projekt A, Rocket oder Team Europe!
Vor allem beim Thema Christian Weiß scheiden sich die Geister, was die Meinung über seine Leistung, Eigeninitiative und Führungsqualitäten angehen…
Fakt ist doch nunmal, dass es eine organisierte Kündigungswelle gab und die Ressourcen von Rocket für die Gründung genutzt worden sind.
Natürlich ist Rocket und auch ein Oliver Samwer nicht ohne Fehler. Aber die Methode des Abgangs finde ich sehr fragwürdig. Aktuell ändert sich bei Rocket sehr viel – auch zum Guten. Man darf nicht vergessen, dass auch Rocket gerade viele sehr gute Mitarbeiter rekrutiert und neue Strukturen etabliert. Nur wird das – jedenfalls bisher – nicht so öffentlichkeitswirksam gemacht wie bei Project A Ventures.
@JD: zumal Christian Weiss das sehr unsauber gespielt hat, wenn man Rocket-Insidern glaubt. Die Leute hintentrum abgeworben/ Monetelang vorbereitet und in internen Mails als HR vearantwortlicher so gataen, als wüsste er von nichts. Verständlich, dass Olli das gar nicht lustig fand, als es heraus kam. Und nicht besonders Smart.
Ich überlege ja immer wieder nach Berlin zurückzukommen und im IT-Bereich anzuheuern. Aber die Szene wirkt schon immer so erschreckend unseriös. Die Gehaelter und Arbeitsbedingungen sind bestimmt ein Witz, wenn man vorher in der Industrie gearbeitet hat. Warum sollte es bei Project A anders sein? Alles Protagonisten aus denselben miefigen Business-Schulen, die nur ein Ziel kennen: Moeglichst schnell ganz viel Geld verdienen.
Wäre es möglich, konzeptionell zwischen “Firmen-Gründungs-’Fabriken’ ” und klassischem Venture zu unterscheiden ? Samwers lesen etwas in der Zeitung und lassen es von Untergebenen dann (an lokale Gegebenheiten angepasst) aufbauen.
In USA sitzen hingegen Leute mit dicken Scheck-Brieftaschen in studentischen Vorträgen oder wo auch immer und schieben Kohle rüber und die Studenten realisieren ihre eigene (oder von Kollegen abgemusterte…) Idee.
Wenn man also eine eigene Idee hat, geht man vermutlich eher nicht zu den Samwers weil man vielleicht eher keine 25% wie Zuckerberg behalten darf.
Interessanter wären m.E. also nicht nur die großen “Flagschiffe” sondern und eben auch die normalen Gründer die ihre Idee finanziert haben wollen.
Eure Firmenliste per Tag-Cloud (mit Anzahl hinter den Tags) wie z.B. “Onlineshop:Brillen – Mass-Customization – Individualanfertigungen” wäre dann auch mal interessant. Wenn man sieht, das es schon 10 Brillen-Online-Shops aber noch kein Brillen/Körper-Maß-Ausmessungs-Infrastruktur für diese ganzen Online-Shops gibt, wäre sowas ja vielleicht mal interessanter.
Spannende Kommentare hier:
-stimme zu dass Oryx versucht, sich als best of both worlds darzustellen, nach dem Motto “ja, wir sind für Zalando, Groupon etc. verantwortlich, hatten aber mit den zweifelhaften Geschäftspraktiken nichts zu tun…”. Tatsächlich ist ja der Job eines Rocket GF, auch mal die sprichwörtliche Drecksarbeit zu machen…
-der Trackrecord der Oryx Jungs haut einen wirklich nicht von den Socken, aber Florian Heinemann geniesst zweifellos einen sehr guten Ruf
-wenn das stimmt, dass sie von Otto “abgeworben” wurden, dann wäre das wirklich schwach, denn das würde die Story “wir sind Unternehmer und wollen ein besseres, gerechtes Rocket machen” in einem anderen Licht erscheinen lassen
-@Martin: dachte mir auch schon, dass das irgendwas mit Groupon zu tun haben muss, und dass sich da für manch einen der geplante Millionen-Payout nicht so realisiert hat wie geplant oder versprochen. Die Vor- und Nachteile von Rocket sind ja gerade den Beteiligten seit Jahren bekannt, warum sonst also der plötzliche Exit?
Es ist schon interessant, dass beim Thema Kompetenz immer nur die GF genannt werden. Diejenigen die wissen wer dort gegangen ist, wissen dass es sich vor allem
um Technik Kompetenz handelt, Leute die in der Lage waren/sind moderne, skalierende und gute IT Infrastrktur aufzubauen und diese auch im Höchsttempo auszurollen … Internet Startups sind alle IT getrieben, wenn dieses Rückrat nicht stimmt können noch so viele Marketing Leute da sein ;-) Und by the way: ein GF plant weder Kampagnen noch programmiert er – ergo sollte der ein oder andere Kommentaror eine Firma nicht nur anhand der Leitung beurteilen ;-)
Die 130 Mitarbeiter bei Rocket: ist damit nur Deutschland gemeint oder global? Erscheint mir eher niedrig die Zahl…