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Schon seit Wochen kursieren in Hamburg Gerüchte über eine Insolvenz des einst gehypten Hardware-Startups Protonet. Noch vor zwei Wochen erklärte eine Unternehmenssprecherin gegenüber Gründerszene: Von einer Insolvenz könne „nicht die Rede sein“, stattdessen hege das Startup mit den Servern für den Heimgebrauch weiter große Pläne. „Für 2017 steht Einiges an.“

Am gestrigen Dienstag hat Protonet-Geschäftsführer Ali Jelveh nun den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens für die Protonet Betriebs-GmbH eingereicht. Man habe die Investoren „hinsichtlich einer weiteren Anschlussfinanzierung nicht mehr überzeugen“ können, schreibt das Startup in einer Mitteilung. Am Wochenende seien die Verhandlungen mit den Geldgebern endgültig geplatzt, heißt es aus dem Unternehmen, das noch immer den Rekord für das höchste Crowdinvesting in Deutschland hält.

„Einen der Lead-Investoren konnten wir leider nicht überzeugen und somit die für uns essenzielle und notwendige nächste Finanzierungsrunde nicht erfolgreich abschließen“, zitiert t3n aus einem Schreiben an die Investoren. „Weil die Betriebs GmbH aber bereits seit Anfang 2016 nicht erfolgreich wirtschaftet, ist es uns ab sofort leider nicht mehr möglich, unseren Betrieb weiter zu tragen.“

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Zum vorläufigen Insolvenzverwalter hat das Amtsgericht Hamburg den Juristen Klaus Pannen bestellt. Wie Jelveh gegenüber t3n erklärt, sei es denkbar, dass sich ein Käufer für die Protonet-Software finde und diese fortführe. Zudem habe die im vergangenen Jahr gegründete US-amerikanische Mutterfirma Protonet Inc. weniger Altlasten als die deutsche GmbH.

Die Bildung der US-Gesellschaft war im Zuge der Expansion in die USA nötig geworden. Anfang 2016 war Protonet in den namhaften Westküsten-Accelerator Y Combinator aufgenommen worden, zudem investierten weitere Geldgeber im Juli 1,6 Millionen US-Dollar. Vom Y Combinator bekam Protonet den üblichen Deal mit 120.000 US-Dollar Funding für sieben Prozent der Anteile. Weil die Bewertung des Unternehmens dadurch auf nur 1,7 Millionen US-Dollar sank, sahen sich viele der Crowd-Geldgeber, die 2012 und 2014 über die deutsche Plattform Seedmatch investiert hatten, hintergangen. Bei der zweiten Kampagne, die 2014 in Rekordzeit drei Millionen Euro einbrachte, war das Unternehmen mit 11,9 Millionen Euro bewertet worden.

Es sei bis zum Schluss nicht möglich gewesen, schwarze Zahlen zu schreiben, erklärt das Unternehmen in der Pressemitteilung. „So sehr wir auch davon überzeugt sind, dass unser Produkt den Unternehmen und Menschen Unabhängigkeit und Flexibilität bringt, hat sich gezeigt, dass der Markt nur schwer zugänglich ist und eine enorme Komplexität mit sich bringt“, lässt sich Jelveh zitieren. „Nach Jahren des Kämpfens und Durchhaltens ist es nun umso enttäuschender – für uns, unsere Kunden und unsere Investoren.“

Einige Protonet-Investoren hatten schon im Dezember dunkle Vorahnungen. Ali Jelveh hatte da in einem Jahresrückblick auf LinkedIn geschrieben: „Es ist okay, wenn etwas nicht funktioniert. Es ist okay zu scheitern.“

Bild: Protonet