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Die Protonet-Gründer Ali Jelveh (links) und Christopher Blum

Im Sommer 2014 brach das Hamburger Hardware-Startup Protonet mit drei Millionen Euro einen Crowdfunding-Rekord, über 1.800 Einzelinvestoren glaubten an das Unternehmen und seine Server für den Heimgebrauch. Dann wurde es still um Protonet – abgesehen von einer turbulenten Hauptversammlung vor einem Jahr, wo die Gründer Ali Jelveh und Christopher Blum eingestehen mussten, die selbst gesetzten Umsatzziele 2014 deutlich verfehlt zu haben. Und seither?

Zahlen für 2015 will das Unternehmen nicht verraten – nur dass es das Jahr gewesen sei, „wo wir es geschafft haben, unser Produkt unabhängig von großem Medienrummel als Lösung für kleine Unternehmen zu positionieren“, sagt Ali Jelveh zu Gründerszene. Offenbar fühlt sich das Startup aber stark genug, nach der Schweiz, Österreich und Großbritannien einen neuen und gewaltigen Auslandsmarkt anzugehen: die USA.

Dabei hilft, dass Protonet seit Anfang Januar am Programm des legendären Accelerators Y Combinator teilnehmen darf. Das Startup ist Teil des Winter-Batchs, der noch bis zum Demo Day Mitte März in Mountain View gecoacht wird. Welche anderen und vor allem wie viele Startups dabei sind, gibt Y Combinator traditionell nicht vor dem Demo Day bekannt. Im Batch davor nahmen 107 Unternehmen teil.

Protonet bekommt – wie die anderen Teilnehmer auch – 120.000 US-Dollar Funding und muss dem Accelerator dafür im Gegenzug sieben Prozent der Anteile überlassen. Seit dem Crowdfunding hat das Startup außerdem eine weitere Million Euro an Angel-Geld aufgenommen. Neben About-You-Gründer Tarek Müller und den Gründern der Agentur Kolle Rebbe gehört nun auch der Schweizer Finanzunternehmer Leo Grünstein zu den Gesellschaftern.

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Wie Ali Jelveh in einem Blogbeitrag beschreibt, sei das Gründerteam vor der Entscheidung gestanden, „ob man das kleine mittelständische Unternehmen bleiben möchte oder ob man weiter ins Risiko geht und nach dem Großen greift – mit der Option zu scheitern“. Für die Entscheidung hätten sie sich „zugegebener Maßen viel zu viel Zeit gelassen“. Im November probierten Jelveh und Blum dann aber ihr Glück – und bewarben sich für den Y Combinator.

Von den ersten Wochen im Accelerator-Programm schwärmt Jelveh im Gespräch mit Gründerszene. „Die wöchentlichen Office Hours mit unseren Partnern sind einzigartig – in 60 Minuten wird in konzentrierter Weise unser Kontext geändert, Metriken besprochen und Strategien entworfen — immer mit einem messbaren Ziel: Growth.“ Eine „krasse Dynamik“ habe sich entwickelt, „gefördert vom Silicon-Valley-Gründergeist und dem ansprechbaren Netzwerk dort“. Meetings mit anderen Erfolgs-Startups könnten Y-Combinator-Teilnehmer „innerhalb von Minuten“ abmachen. „Um wichtige Technologiepartnerschaften abzuschließen, muss man keine 15 Minuten mit dem Auto fahren.“

Jared Friedman, Partner beim Y Combinator, lobt die Hamburger in einer Mitteilung. „Protonet hat das Potenzial, den 25 Milliarden Dollar schweren Enterprise-Content-Management-Markt zu disrupten.“ Das soll nun über den neuen Auslandsmarkt gelingen – und mit einem ganz neuen Produkt. Um was es bei dem Nachfolger der orangefarbenen Boxen Maya, Carla und Carlita sowie der Projektmanagement-Lösung Soul genau geht, will Jelveh ebenfalls noch nicht im Detail verraten. Es handle sich aber um den „Vorstoß in einen ganz neuen Markt“, mit „einer sehr amerikanischen Vorgehensweise“. Das Release-Datum werde im März sein.

Er betont: „Wir bleiben dabei ganz klar Protonet: Es geht um eine Kombination von Hard- und Software. Über die letzten Monate ist ein neuer Technologie-Trend erkennbar geworden, bei dem die Gefahr besteht, dass die Menschen in eine neue digitale Abhängigkeit geraten. Wir denken, jetzt wird es Zeit für eine einfache, unabhängige Alternative.“

Für den US-Markteintritt hat Protonet mit Frank Kettenstock einen erfahrenen Manager an Bord geholt. Ein Team von fünf Leuten soll auch in Zukunft aus dem Valley arbeiten, insgesamt beschäftigt Protonet inzwischen 40 Mitarbeiter.

Bild: Protonet