Auf der letzten Seite des die Deutschen Gamestage zusammenfassenden Begleithefts lacht einem eine Werbung von einem namhaften Wirtschaftsunternehmen entgegen, in der man die Hände einer alten Dame mit einem rosafarbenen Nintendo DS bestückt sieht. Moment mal! Namhaftes Wirtschaftsunter-nehmen? Rosa DS? Ist man hier im falschen Film, oder was? Weit gefehlt! Allenfalls im falschen Medium. Denn die Computerspiele-Branche boomt nach wie vor. Nicht umsonst werben mittlerweile auch Wirtschaftsunter-nehmen dafür, den Markt der Spiele gut zu kennen und mit einem potenten Netzwerk bearbeiten zu können. In Ergänzung zu Fachbeiträgen und universitären Vorträgen traf sich auch die Venture Lounge zum Business Talk auf den Deutschen Gamestagen und man philosophierte gemeinsam über die Bedürfnisse und Chancen des Markts.

Seit längerem hat die Videospielebranche, den Filmmarkt in seinen Verkaufszahlen überholt. Spätestens seit Aufkommen von Smartphones, wie dem iPhone oder dem G1 mit Android, bieten sich hier auch noch einmal komplett neue Möglichkeiten. Ein Grund für den Erfolg ist der Umstand, dass es funktionierte, völlig neue Käuferschichten zu erschließen. Vor allem Nintendo gelang es mit der Wii und dem DS auch Frauen und Senioren – sonst eher computeruntypische Zielgruppen – zu gewinnen. Auch der App Store von Apple quillt vor neuen Handygames nahezu über, die durch die mobile Nutzung noch einmal völlig neue Nutzer- und Interaktionsszenarios generieren. Es war selten so einfach, mit geringem wirtschaftlichem Aufwand Spiele an den Markt zu bringen, sei es mobil oder stationär.

Zunehmend finden Computerspiele in Form der Game Studies daher auch Eingang in die universitären Kreise, beispielsweise durch das in Potsdam gegründete Zentrum für Computerspieleforschung Digarec. Größere Spielepublisher kooperieren mittlerweile intensiv mit universitären Einrichtungen, indem beispielsweise Eye-Tracking-Methoden zum Einsatz kommen, um herauszufinden, welche Spiele-Inhalte besonders oft oder nur sehr selten betrachtet werden. Das ist ein bisschen wie Suchmaschinenoptimierung beim Computerspiel – was will der Nutzer sehen? Im Potsdamer Digarec drehen sich die Fragestellungen hingegen eher um Nutzungsszenarios und die Philosophie des Spielens. Auf den Deutschen Gamestagen in der Urania in Berlin ist man mit Digarec vertreten und Experten wie auch Liebhaber tauschen sich in Workshops und Vortragsreihen mit einander aus. Grund genug für Gründerszene, dem Trouble einmal auf den Zahn zu fühlen und mit Michael Liebe, einem Kenner der Szene und Founder von Digarec, der Frage nachzugehen: Lässt sich mit Videospielen wirklich effektiv Geld verdienen? Und was für Geschäftsmodelle und Wissenshintergründe werden hierfür erforderlich? Im Interview gibt Michael einen Einblick in die Szene und schätzt das Potenzial des Marktes für kleinere StartUps ein. Interessenten können sonst auch noch bis Donnerstag, den 23. April die Deutschen Gamestage in Berlin besuchen, um sich auszutauschen und zu netzwerken. Zumindest der Titel passt ja: Quo Vadis Computerspiele?

Update: Interessant auch mal zu sehen, was Gründerszenes Chefredakteur noch so mit Videospielen am Hut hat – hier.

Film ab!