Noch ein weiter Weg bis nach Stanford

Das Erfolgsgeheimnis des Silicon Valley besteht in der Kombination von drei Kräften: Wissen, Geld und Infrastruktur. Für den Nachschub von Know-how, Ideen und jungen Leuten mit der nötigen Ausbildung sorgt in Kalifornien vor allem die Standford University. Hier in Deutschland hapert es noch an allen drei Voraussetzungen für eine ähnliche Dynamik auf dem Gründersektor. Doch deutsche Universitäten arbeiten daran, bei ihren Studenten mehr Lust am unternehmerischen Denken zu wecken. Im Auftrag des Wirtschaftsministeriums hat der Stifterverband für die Deutsche Wirtschaft untersucht, wie Hochschulen die Gründung von Unternehmen unterstützen und welche Hochschulen bei diesen Bemühungen an der Spitze stehen.

Dieser sogenannte Gründungsradar hat jetzt zum zweiten Mal untersucht, wie sich in der deutschen Hochschullandschaft das Thema Gründungen entwickelt. Insgesamt haben die befragten Unis für das Jahr 2013 immerhin 1.766 Gründungen gemeldet. Das ist noch sehr übersichtlich. Doch im Jahr zuvor waren es nur 1.145 gewesen. Die Förderung mit Kapital stieg um 28 Prozent auf 63 Millionen Euro.

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Gewinner bei den großen Hochschulen ist die Technische Universität München. „Institutionelle Verankerung, Sensibilisierung, Unterstützung, Beratung und konkrete Aktivitäten sind allesamt vorbildlich entwickelt“, heißt es im Bericht. Im Jahr 2012 hatte noch die Hochschule München/SCE vorne gelegen. Der Vorjahressieger bei den mittelgroßen Hochschulen liegt in diesem Jahr erneut an der Spitze: die Leuphana Universität Lüneburg. Ebenfalls unverändert ganz oben bei den kleinen Hochschulen steht die HHL Leipzig.

Die weitaus meisten Gründungen bestehen aus Teams mit mindestens zwei Gründern. Überwiegend sind es Teams mit durchschnittlich drei Personen. Ein Drittel der Startups nutzen aktuelle Forschungsergebnisse ihrer jeweiligen Hochschule, 10 Prozent basieren auf Schutzrechten wie Patenten. Die Wirtschaftswissenschaften stehen im Zentrum bei den Gründungsförderungen. „An neun von zehn Hochschulen findet Gründungssensibilisierung unter Einbindung der Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften statt. Die Natur- und Technikwissenschaften werden nur in weniger als der Hälfte der Hochschulen in das Angebot gründungsrelevanter Veranstaltungen einbezogen“, heißt es im Bericht.

Fast alle Befragten sehen ihre Gründung als Innovation oder Marktneuheit an. Zwei von fünf Startups haben ein Patent oder Gebrauchsmuster angemeldet. Insgesamt scheint das Klima an den Hochschulen zu stimmen. Vier von fünf Gründern sprechen von einer positiven Stimmung für Startups und von guten Beratungs- und Unterstützungsangeboten. Auch die Professoren werden für ihren Support gelobt.

Die Hälfte der neu geründeten Firmen finanziert sich aus Eigenkapital. Weitere Finanzquellen sind Wagniskapital, Fördermittel des Bundes und Förderdarlehen. Allerdings helfen laut Bericht noch zu wenige Hochschulen bei der Suche nach Investoren und Business Angels.

Das Fazit des Gründungsradars fällt insgesamt positiv aus: „Hochschulen engagieren sich zunehmend in der Gründungsförderung. Die im Gründungsradar gemessenen Leistungen haben sich gegenüber dem Vorjahr teilweise deutlich verbessert. Das wachsende öffentliche Interesse an dem Thema und die Impulse der öffentlichen Förderprogramme zeigen Wirkung.“ Doch es gibt auch Kritik: Die institutionelle Verankerung des Themas an Hochschulen sei noch zu gering. „Gründungsförderung und die Transferaktivitäten insgesamt müssen eine größere Sichtbarkeit an den Hochschulen und für ihre Partner bekommen.“ Bis Stanford ist es eben noch ein weiter Weg.

Das Ranking der Hochschulen in der Übersicht:

Große Hochschulen

  1. Technische Universität München
  2. Hochschule München
  3. Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
  4. Technische Universität Berlin
  5. Universität Potsdam

Mittelgroße Hochschulen

  1. Leuphana Universität Lüneburg
  2. Europa-Universität Viadrina
  3. Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg
  4. Technische Universität Kaiserslautern
  5. Technische Universität Bergakademie Freiberg

Kleine Hochschulen

  1. HHL Leipzig Graduate School of Management
  2. WHU – Otto Beisheim School of Management
  3. Private Hochschule Göttingen
  4. Fachhochschule Mainz
  5. Fachhochschule Potsdam
Foto: jmm-hamburg / Some rights reserved; Grafik: Gründungsradar/Wirtschaftsministerium