Will einiges besser machen bei der Höhle der Löwen: DS-Produkte-Chef Ralf Dümmel

„Ich bin raus.“ Mehr fiel Vox-Löwin Lencke Steiner in der zweiten Staffel der Höhle der Löwen meist nicht ein, wenn es um die Investments ging. Nun ist die Unternehmerin und Politikerin ganz raus. Gerade erst hat auch Vural Öger nach der Insolvenz zweier seiner Unternehmen den Löwen-Dienst quittiert.

Neben Judith WilliamsJochen Schweizer und Frank Thelen tritt ab Staffel drei nun Ralf Dümmel in die Investorenriege der Startupshow ein. Dümmel ist Chef des Konsumgüterhändlers DS Produkte aus Stapelfeld bei Hamburg. Noch nie von ihm gehört? Das ist kaum verwunderlich, selbst das Internet schweigt sich über den 1966 geborenen Handelsfachmann weitestgehend aus.

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Dümmel versteht sich als echter Vollblut-Unternehmer: Seine Karriere startete er in den 80er-Jahren bei DS Produkte als Verkaufsassistent des Gründers Dieter Schwarz. Über die Zeit übernahm er im Haus immer mehr Verantwortung, ist seit dem Jahr 2000 geschäftsführender Gesellschafter. Der Vater von drei Kindern lebt in Hamburg, „ist großer Fußballfan und liebt gutes Essen“, heißt es auf der Unternehmensseite. Im Mail-Interview verrät Dümmel, wie er zum DHDL-Investor geworden ist, was er zu bieten hat und wo die Show noch besser werden muss.

Ralf, bislang hast Du Dich eher bedeckt gehalten – nun trittst Du in einer TV-Show auf. Wie bist Du zur Höhle der Löwen gekommen?

Unser Managementteam hat sich bereits seit Sendestart mit diesem Format auseinander gesetzt. Zufällig wurde dann die Produktionsfirma Sony Entertainment durch einen Kontakt aus unserem Netzwerk auf DS Produkte aufmerksam gemacht und hat uns kontaktiert. Schon nach dem ersten Gespräch war für beide Seiten klar, dass ich mit meinem Know-how und Netzwerk die Löwenrunde perfekt ergänze und DS Produkte das Leistungsspektrum für die Startups abrundet.

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Was qualifiziert Dich als DHDL-Investor?

28 Jahre Erfahrung im Handel, dezidiertes Wissen über europäische Märkte und Vertriebsstrukturen, gepaart mit der Handelspower, die ich mit DS Produkte in die Show bringe. Unsere Investment-Cases bekommen neben dem benötigten Kapital ein Gesamtpaket bestehend aus einem weltweiten Vertriebsnetzwerk und einer eigenen Produktentwicklung, inklusive Qualitätssicherung. Das Marken- und Patent-Know-how nicht zu vergessen.

Hast Du schon vorher in Startups investiert?

Wir investieren unentwegt in innovative Ideen und Produkte. Unsere Innovationsfreudigkeit ist ein wichtiger Faktor unseres Erfolges. So sind zum Beispiel Tritop und Wassermaxx zwei der 4.000 Produkte, die wir im Haus entwickelt und am Markt etabliert haben. Unsere Entwicklungsteams arbeiten grundsätzlich wie kleine Startup-Einheiten an neuen Ideen, bis aus ihnen fertige Produkte werden.

Wie viel Kapital hast Du zur Verfügung für die Investments?

Ralf Dümmel

Wenn gute Konzepte präsentiert werden, an die wir glauben und bei denen wir das Wachstumspotential sehen, dann werden wir ausreichend Kapitel einbringen, um diese zu finanzieren. An der Finanzierungskraft wird die Investition nicht scheitern. Das gilt natürlich auch außerhalb der Höhle.

Was willst Du besser machen als Lencke Steiner, die Du in der Jury ersetzt?

Ich trete nicht an, um etwas explizit anders zu machen. Ich werde die Investitions-Entscheidung immer an das Potential der Teams mit ihren Ideen knüpfen und nicht an vorhergegangene Investoren.

Welchen den bisherigen Löwen findest Du am kompetentesten?

Alle Löwen haben meiner Meinung nach bisher ihre sehr unterschiedlichen Kompetenzen unter Beweis gestellt und einen tollen Job gemacht. Der Erfolg dieser Show und die wachsende öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema Startups ist ein deutlicher Beweis dafür. Ich freue mich sehr darauf, die Löwen persönlich kennen zu lernen.

Oft haben die Löwen einiges versprochen, dann aber nicht immer so viel geliefert…

Kein Löwe kennt die pitchenden Startups vorher, sie sehen das Produkt bei der Aufzeichnung zum ersten Mal. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Löwen wirklich meinen, was sie beim Dreh sagen! Danach erst erfolgt die Überprüfung. Dass dann in der Prüfung der Deals Unwegbarkeiten auftreten können, ist ja nichts Ungewöhnliches und auch nicht unüblich.

Bislang sind zwei Drittel der Deals im Nachhinein geplatzt.

Die Gründe, warum Deals dann nicht zu Stande gekommen sind, haben sicherlich für die Löwen, als auch für die Startups selbst Hand und Fuß. Das gilt ab der nächsten Staffel auch für mich und DS Produkte. Auch wir haben erst nach dem Dreh, die Möglichkeit gemeinsam mit den Gründern die Deals zu überprüfen.

Wie kann das in der Show zukünftig besser gemacht werden?

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Ich finde, dass die Sendung ein großer Erfolg für den deutschen Unternehmergeist ist. Was wir tun können, um die Höhle der Löwen noch spannender zu machen, ist auf jeden Fall den Produkten im Nachhinein eine größere und vor allem nachhaltigere Aufmerksamkeit und Präsenz im Markt zu bieten.

Bei Dir und Deiner Firma DS Produkte geht es um Handel. Was fasziniert Dich so daran?

Obwohl ich seit 28 Jahren im Business bin, fasziniert es mich täglich aufs Neue, wie Produkte am Markt und bei uns im Haus entstehen. Ich freue mich, ihnen bei der Entwicklung zu zu sehen und sie zügig einer breiten Masse zugänglich zu machen. Es treibt mich immer wieder in die Welt hinaus, um Ideen zu sammeln und andere Märkte zu entdecken und diese dann wiederum im heimischen Markt zu etablieren.

Wirst Du Dir da mit Judith Williams nicht manchmal in die Quere kommen?

Judith Williams ist sehr stark im Kosmetik- und Beauty-Segment aufgestellt. Wir sehen unsere Stärken im Konsumgüter-Bereich. Daher ergänzen wir uns sehr gut.

Wonach schaust Du bei den Gründern und den Geschäftsideen?

Ich investiere vor vor allem in Menschen, nicht in Zahlen. Wenn das perfekte Team dann auch noch die perfekte Produktidee mit Potential mitbringt, dann bin ich nicht mehr zu halten.

Was würdest Du ihnen also für die Vorbereitung empfehlen?

Macht Eure Hausaufgaben! Setzt Euch mit dem Marktumfeld auseinander und analysiert den Wettbewerb. Zeigt kurz und knackig, welche USPs Eure Produkt- oder Startupidee hat und vor allem: Habt keine Angst! Aus eigener Lebenserfahrung weiß ich gut, dass harte Arbeit, Fleiß, für die Ziele kämpfen und der Mut, groß zu denken einfach dazu gehören.


Von 35 zugesagten Deals in den ersten beiden Staffeln sind die folgenden 21 geplatzt:

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Die Scoo.me-Gründer Christoph Becker (links) und Magnus Schmidt entschieden sich nach der Sendung nach eigenen Angaben für ein „attraktiveres Alternativ-Investment“ als das, welches Lencke Steiner geboten hatte. Sie wollte für 100.000 Euro 30 Prozent an dem Elektro-Roller-Startup haben. Stattdessen investierte Business Angel Hubert Barth. Das Geld ermögliche es dem Unternehmen, nun neben dem Startmarkt München auch in Köln aktiv zu werden, so Gründer Magnus Schmidt gegenüber Gründerszene. (Bild: Vox)

Bilder: Ralf Dümmel