Die Idee liegt auf der Hand. Im Musikbereich funktioniert das Streaming-Modell schon sehr gut, Dienste wie Deezer, Spotify oder Apple Music machen es vor. Die Erfinder von Readly haben das Konzept auf Zeitschriften übertragen. Der Kunde zahlt 9,99 Euro im Monat und hat vollen Zugriff auf 1.243 internationale und deutsche Magazine. Das klingt verlockend. Wir haben den Dienst ausprobiert und getestet, ob er sich wirklich lohnt.

Zum Start muss sich der neue Kunde einen Account auf der Website von Readly einrichten und Zahlungsdaten hinterlegen. Akzeptiert werden Lastschrift oder Kreditkarte. Die ersten beiden Wochen sind gratis, danach wird automatisch abgebucht. Im Katalog von Readly findet sich ein breites Angebot an Magazinen, so sind auch Zeitschriften aus den USA, Großbritannien, Frankreich oder Thailand dabei. Im Original-Layout. Der Nutzer kann sich entscheiden, welche Magazine ihm angezeigt werden sollen und seine Interessen eingrenzen. Oder er findet mit der Suchfunktion bestimmte Zeitschriften.

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Für den Offline-Betrieb kann man sich Magazine herunterladen. Das ist vor allem praktisch für Flugreisen oder die tägliche Fahrt mit der U-Bahn, in der es kein Netz gibt. Außerdem kann man interessante Magazine als Favoriten kennzeichnen oder Lesezeichen anlegen. Ausgaben, die man konsumiert hat, finden sich in der Liste „Kürzlich gelesen“. Das ist sehr praktisch.

Ob es wirklich sinnvoll ist, sich für ein Abonnement bei Readly zu entscheiden, hängt von den Lesevorlieben des Kunden ab. Es gibt natürlich nicht alle Magazine, aber in meinem Fall ist die Entscheidung klar: Eine gedruckte Ausgabe der englischen Musikzeitschrift Mojo, die ich sehr gerne lese, kostet im Bahnhofsbuchhandel um die 15 Euro. Bei Readly ist sie im Abo enthalten. Natürlich ohne die CD, die dem Heft beiliegt. Dazu gibt es im Bereich Musik zum Beispiel noch Q, Uncut, Electronic Sound und die deutsche Spex. Aus den USA kommen Billboard und Rolling Stone. Wer dann noch gerne in Hifi-Zeitschriften wie Audio und Stereoplay oder in Computermagazinen blättert, wird bei Readly sehr gut versorgt. Wenn ich all diese Magazine kaufen würde, müsste ich weit über 100 Euro im Monat auf den Tisch legen.

Auffällig viele Angebote gibt es im Bereich Klatsch und Tratsch. Die volle Ladung bunter Blätter ist hier versammelt, sogar das Goldene Blatt. Auch eine bunte Auswahl an Nischenthemen findet sich. Wie wäre es denn mal mit Trucks oder Puppen & Spielzeug? Auch schön natürlich Halali für den ambitionierten Hobbyjäger oder Cavallo für die Pferdefreundin. Dagegen fehlen ein paar ganz große Namen. Zum Beispiel der New Yorker oder der Spiegel. Aber die Macher von Readly verhandeln bereits mit weiteren Partnern. Vielleicht kommt das ja noch. Kreuzworträtsel lassen sich übrigens auch ausfüllen und abspeichern, wenn man nicht ganz fertig wird.

Lesen konnten Kunden lange Zeit nur mobil. Apps gibt es fürs iPhone und iPad, Android, Windows 8.1, Windows Phone und Kindle Fire. Eine Browser-Variante ist seit heute am Start. Auf dem iPad lässt sich richtig entspannt durch die Seiten blättern. Das macht Spaß und verleitet dazu, ähnlich wie beim TV-Serien schauen, immer weiter zu machen. Es gibt auch eine Fußleiste mit Miniversionen der Seiten, die es erlaubt, schnell auf bestimmte Seiten zu springen. Im Browser funktioniert das ebenfalls sehr gut. Um auf dem iPhone zu lesen, braucht man allerdings sehr gute Augen. Aber die Zoomfunktion hilft, sollte es mal nicht anders gehen. Längere Lese-Sessions sind trotzdem sehr anstrengend. Man kann Artikel, die besonders gut gefallen haben, in Netzwerken seinen Freunden vorschlagen. Lesen können sie allerdings nur, wenn sie auch einen Readly-Account haben.

So sieht Readly auf einem Tablet aus:

Readly wurde 2012 gegründet, sitzt in Schweden, hat heute auch in Deutschland, Großbritannien und in den USA Büros und will die weltweit führende Plattform für digitales Lesen von Magazinen werden. Den beteiligten Verlagen versprechen die Macher, dass sie ihre Leser besser kennenlernen, weil Readly ihnen Zugriff auf die Nutzungsdaten bietet. Das ist für Zeitschriftenmacher schon interessant: Was wird eigentlich wirklich gelesen und wo blättern Leser weiter? Laut Readly wird die Mehrheit des Umsatzes an Partnerverlage ausgeschüttet. Der Dienst ist für Verlage von Beginn an kostenlos. Ob es sich für die Verlage wirklich rechnet, ist nicht ganz klar. Sie versprechen sich über den digitalen Kanal eine neue Leserschaft. Mein Abo des Mojo-Magazins habe ich jedenfalls gekündigt, seit ich Kunde von Readly bin.

Fazit: Die beste Methode, um festzustellen, ob man Readly wirklich braucht, ist, sich 14 Tage gratis anzuschauen, welche Magazine angeboten werden. Wenn die Auswahl passt, lohnt sich der Dienst auf alle Fälle. Technisch läuft die App auf iPhone und iPad sehr verlässlich und flüssig. Auch die Browserversion funktioniert gut. Die etwas unelegante Anbindung an soziale Netzwerke fühlt sich in heutigen Zeiten etwas klaustrophobisch an. Und es stellt sich die grundsätzliche Frage, wie lange das Konzept Zeitschrift noch überleben kann. Vielleicht wird es bereits in wenigen Jahren von interaktiven und multimedialen Magazinen abgelöst, deren Inhalte komplett mit einem Klick in allen Netzwerken oder Messengern verteilt werden können.

Bild: Readly/Kollage Gründerszene