Reden Tipps Ted Talks

Ein Beitrag von Christopher Kabakis, verantwortlich für Kommunikation und Corporate Services bei der Kreativagentur red onion, die TEDxBerlin, TEDxHamburg und TEDxMünchen sponsert und unterstützt.

Zehn Tipps für inspirierende Präsentationen und Pitches

Ihr kennt es vielleicht noch aus Vorlesungen von Euren Profs, aus Startup-Pitches von Unternehmensgründern oder auch aktuell aus Meetings bei Eurem jetztigen Arbeitgeber: langweilige Präsentationen, Zahlen, Daten, Fakten ohne persönlichen Bezug oder Authentizität, zu viele und extrem textlastige PowerPoint-Slides, die die Struktur im Kopf des Vortragenden ersetzen und die er oder sie schlimmstenfalls auch noch abliest.

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Wie es auch gehen könnte, wie Vorträge unterhaltsam, informativ und sogar inspirierend und begeisternd sein können, kann man an den TED Talks sehen. TED (Technologie, Entertainment & Design) ist ein Ideenkonferenzformat aus Kalifornien, bei dem Vordenker, Unternehmer, Aktivisten und Künstler ihre „idea worth spreading“ in maximal 18 Minuten vorstellen. Seit 2009 gibt es auch unabhängig organisierte TED-Events weltweit, die TEDx genannt werden („x“ steht dabei für „extended“), wie zum Beispiel die TEDxBerlin oder die TEDxHamburg.

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Es folgen zehn Tipps, wir auch ihr lernen könnt, inspirierende Kurzvorträge im TED(x)-Stil zu entwerfen und zu halten. Probiert es einfach einmal aus, bei der Vorbereitung für euren nächsten Vortrag einige der Tipps zu integrieren. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen – wenn ihr versucht, jedes Mal ein oder einige Elemente zu integrieren, werdet ihr Schritt für Schritt den großen inspirierenden TED-Speakern näher kommen.

1. Think Big

Teile eine große Vision oder eine neue Idee. Nimm Dir vor, den besten Vortrag zu halten, den Du je gehalten hast. Achte auf Deinen ersten Satz, überrasche Deine Zuhörer. Beginne zum Beispiel mit einer starken „Warum“-Frage („Die ganze Welt ist mittlerweile digital und vernetzt. Warum sind die Prozesse in unserem Unternehmen eigentlich noch immer analog und linear?“). „Warum“-Fragen sind stärker als „Wie“-Fragen und erzeugen Spannung: Was ist der Grund hinter dem dargestellten Zustand/Umstand, wie könnte es anders sein? Die Zuhörer werden Dir nun weiter zuhören wollen.

2. Zeige dich als Mensch

Erzähle von Deinen Träumen und Leidenschaften, aber auch von Deinen Ängsten, Sorgen, Zweifeln und deinen Fehlschlägen. Teile eine Wahrheit, die aus Deiner persönlichen Erfahrungen stammt. Habe keine Angst, dich verletzbar zu zeigen. Menschen wirklich überzeugen und inspirieren kann man nur, wenn man sich auch als Mensch zeigt, und dazu gehören auch Ängste und Zweifel. Indem Du davon und von Deinen Fehlschlägen erzählst, werden sich die Leute mit Dir und deiner Geschichte identifizieren können.

3. Fokussiere dich auf eine einzige Kernaussage

Frage Dich: Worüber sollen die Zuhörer nach Deinem Vortrag sprechen? Was ist die eine Kernaussage, die eine Botschaft, die hängenbleiben soll? Versuche möglichst nicht, mehrere Erlebnisse unterzubringen, die nach und nach eine Veränderung in Deinem Leben bewirkt haben. Gestalte den Vortrag so, dass er die menschlichen Grundbedürfnisse anspricht: Liebe und Zugehörigkeit, Eigennutz und Begehren, Wachstum und Lernen, sowie Veränderung und Hoffnung.

Um diese Konzepte angemessen zu präsentieren, wähle eine einzige, starke, vereinende Idee. Ein Ereignis, eine Idee ist Bezugspunkt für Deinen gesamten Vortrag im TED-Stil. Du kannst Dich zum Beispiel fragen: Was war der glücklichste, was war der traurigste Moment in meinem Leben, was ist die wichtigste Lektion, die ich daraus gelernt habe? Wenn Du dieses Thema hast, kannst du mit der Entwicklung Deiner Geschichte anfangen.

4. Denke vom Ende her

Was ist Dein letzter Satz? Damit etwas von Deinem Vortrag hängenbleibt, wähle einen Slogan oder ein Schlagwort, das ihn zusammenfasst. Das geht oft am besten mit einem Handlungsaufruf, einem „Call to Action“. Dieser kann als Frage formuliert sein („Was hindert euch daran, X auszuprobieren“) oder sich direkt als Aufforderung an die Zuhörer richten („Ich brauche euch alle bei X“ oder „Fragt euch: Was kann ich tun, um…“). Bei Geschichten wirkt ein Happy End motivierend, während ein Scheitern wichtige Lehren vermitteln kann.

5. Achte auf eine emotionale Verbindung zum Publikum

Ein guter Vortrag spricht in jedem seiner Teile beide Gehirnhälften an. Daten, Zahlen, Fakten, Strategien, Techniken und Ratschläge sprechen die linke Gehirnhälfte an. Handlungen und Geschichten sprechen die rechte, kontextorientierte Hälfte des Gehirns an. Nimm Dir für Deinen Vortrag im TED-Stil vor, die Auffassung Deiner Zuhörer über einen Sachverhalt zu ändern, Ihre Unterstützung für etwas zu erhalten, oder zum Ändern ihres Verhaltens beizutragen. Nimm Sie daher mit auf eine emotionale Reise.

Zitiere Fakten, um Deine Glaubwürdigkeit zu demonstrieren und die skeptische linke Gehirnhälfte zu überzeugen. Kombiniere die Fakten mit emotionalen Geschichten, um die rechte Gehirnhälfte anzusprechen. Setze Zahlen so ein, dass sie einen emotionalen Bezug zum Zuhörer schaffen. Sage zum Beispiel nicht: „Das Marktpotenzial dieser Idee liegt alleine in Deutschland bei 20 Millionen Menschen“, sondern „Schaut euch hier im Raum um. Einer von vier hier wird im Laufe seines Lebens unser Produkt/ unsere Dienstleistung brauchen und Geld dafür ausgeben, damit er nicht ….“ Habe keine Angst davor, das Publikum zum Lachen oder zum Weinen zu bringen.

6. Verwende eine konkrete, einfache Sprache

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Vermeide abstrakte Sprache und sei konkret, verwende Beispiele. Nutze Metaphern und visuelle Wörter. Wenn Du zum Beispiel über den zu hohen Fleischkonsum sprichst und warum Du und andere dennoch nicht Vegetarier geworden sind, sage nicht „Das Thema stellt die Menschheit vor große Herausforderungen“ und „Zu viele Menschen essen noch Fleisch“, sondern mache es persönlich, sprich die Zuhörer direkt an und verwende eine ausdrucksstarke Sprache, zum Beispiel mit „Ich wusste das alles, aber dennoch war ich irgendwie nicht bereit, das Fleischessen ganz aufzugeben. Stellt euch vor: ‚Mein letztes, saftiges Steak’, ‚Meine letzte Kohlroulade von Oma’…“

7. Mache jemand anderen zum Helden deiner Geschichte

Wenn Du dich selbst als der Held Deiner Geschichte präsentierst, werden die Leute schnell das Interesse an Dir und Deiner Message verlieren. Versuche stattdessen einfach, der „Führer“ („the guide“) des Publikums für die Reise durch Deine Geschichte zu sein. Mach jemand anderen zum Helden Deiner Geschichte (einen Mentor, einen Gründer/Unternehmer, Deinen Freund oder Deine Freundin, den Busfahrer, einen Fremden auf der Straße…).

8. Sprich frei

Kleine Notizkarten können beim Vortrag zur Verwendung kommen, freie Rede ist allerdings besser. Deine visuellen Materialien sollten kaum Text haben, damit der Text nicht zu Dir in Konkurrenz tritt. Fotos und Gegenstände zur Illustration sind am Besten, übersichtliche Grafiken sind auch ok. Dreh Dich nie zu einer Leinwand hinter Dir um. Merke Dir die Meilensteine Deines Vortrags so, dass Du ihn frei sprechen kannst und immer wieder zu diesen Meilensteinen zurückkommen kannst. Visualisiere Deine Geschichte vor Deinem inneren Auge.

9. Respektiere das Zeitlimit

Setze Dir ein klares Zeitlimit, falls es kein externes gibt, und halte dich streng daran. Das zwingt Dich dazu, Dich auf das Wesentliche zu konzentrieren, die Dramaturgie Deines Vortrags gut im Blick zu haben.

10. Übe so oft wie möglich

Übe Deinen Vortrag möglichst oft – für Dein Timing, für die Klarheit, für den maximalen Effekt.

Wie gesagt: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Auch die Vortragenden („Speaker“) bei den TED(x)-Konferenzen werden intensiv auf ihren Auftritt vorbereitet, was Vortragsaufbau und Geschichtenerzählen, Präsentationstechniken und visuelle Hilfsmittel angeht. Mit Coaching und viel Übung werden Erstvortragende an ihren TED(x)-Talk herangeführt und auch bei erfahrenen Speakern kann immer noch etwas verbessert werden. Am Ende zählt, dass Du dein Bestes gegeben hast, dann wirst Du stolz auf Dich sein, unabhängig davon, ob auch alles 100-prozentig so geklappt hat, wie Du es Dir vorgenommen hattest.

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Bild: © panthermedia.net / Mohamad Razi Bin Husin