Wheelmap Social Business

Bis vor einigen Jahren war ich noch ein leidenschaftlicher Raucher. Und wie vermutlich jeder Raucher habe ich mir regelmäßig zu Preiserhöhungen oder akutem Gesundheitsbewusstsein die Frage gestellt: Wie wäre es, wenn ich die täglichen fünf Euro für Kippen sparen würde? Was könnte ich damit machen? Es ist immer wieder erhellend sich vor Augen zu halten, was man mit diesen scheinbar kleinen Schritten in der Summe erreicht. Bei meinem Zigarettenkonsum waren es zirka 150 Euro im Monat, 1.825 Euro im Jahr! Wenn ich das Geld in eine Rentenversicherung gepackt hätte, käme mir mit 65 einen monatliche Rente von 1.270 Euro oder eine einmalige Auszahlung von 275.000 Euro zu. 

Wie viel könnten wir verändern, wenn wir zehn Prozent unserer Kapazität für die Verbesserung sozialer oder ökologischer Missstände einsetzten? Mit dem Hebel den wir haben, unserem Intellekt, unseren Fähigkeiten, unseren Mitteln – um Menschen ohne Chance eine Chance zu geben, Tiere vor dem Aussterben zu schützen, lebensnotwendige Ressourcen vor Ausbeutung oder Verödung zu bewahren?

Zehn Prozent für die dritte Welt. Das hätte den Hebel eines Vielfachen. Eine Leistungseinheit unseres Maßstabs hat in armen Ländern die Wirkung von zehn Leistungseinheiten und mehr. Ein Programmcode von einem Tag Arbeit kann Tausenden Menschen das Leben retten oder aus der Almosenempfängerrolle in die Selbstverdienerposition bringen.

Zehn Prozent für das Gemeinwohl. Eine Stunde Patenschaft für Außenseiter kann diesen den Weg zurück in die Gesellschaft ebnen und uns allen hohe Gemeinkosten sparen, ja, sogar Steuereinnahmen bringen.

Zehn Prozent für unsere Erde. Themen wie Ökoeffizienz, die Entkopplung von Ressourcenverbrauch und Ressourcenertrag und Ökoeffektivität, der Erhalt der Ressourcen in einem fortwährenden Nutzungskreislauf, sind großartige Spielplätze für kreative Köpfe. Eine findige Formel kann uns vor Tausenden Tonnen Müll bewahren, ein intelligent konzipiertes Produkt vor übervollen Schränken, Kellern und knappen Ressourcen.

Es gibt so vieles, das wir positiv verändern können und über das es Spaß macht nachzudenken. Gerade die Mitglieder der Gründerszene verbinden die besten Talente und Fähigkeiten, um die Welt positiv voran zu bringen. Und die soziale Rendite bringt erfahrungsgemäß deutlich mehr als der vergleichbare monetäre Ertrag.

Hier ein paar beispielhafte Social-Business-Ideen, die mit einem kleinen Einsatz des Einzelnen große Wirkung erzielen. Versteht sie als Inspiration, als Beteiligungsoption oder als Anstoß, selbst etwas auf die Beine zu stellen. Zehn Prozent eurer Kapazität kann aus Sicht der Welt Berge verrücken!

Vom Arbeiterkind.de zum Akademiker

Ehrenamtliche Mentoren von Arbeiterkind.de beraten Schüler und Studierende aus Nicht-Akademiker Familien auf Weg zum Studium und währenddessen. In Deutschland studieren deutlich mehr Akademikerkinder (71 Prozent) als Nicht-Akademikerkinder (24 Prozent), obwohl doppelt so viele einen Hochschulabschluss haben. In vielen Fällen hat das familiäre Hintergründe, aus Mangel an Kenntnis empfehlen viele Eltern lieber etwas Handfestes. Hinzu kommt, dass sie ihren Kindern auf dem Weg kaum die oftmals erforderliche Hilfestellung leisten können.

Hier helfen die Mentoren von Arbeiterkind.de. Sie haben oftmals einen ähnlichem Hintergrund und entsprechende Erfahrungen gesammelt. Mittlerweile ist aus Arbeiterkind.de eine eigene, große Familie geworden. Wer sich ihr anschließen möchte: www.arbeiterkind.de.

Ähnliche Ansätze verfolgen auch Initiativen wie www.die-komplizen.org oder www.rockyourlife.de.

Wellcome – frischgebackene Eltern bekommen Hilfe von nebenan

Für viele Mütter und Familien ist die Zeit direkt nach der Geburt ein ganz besonderer Stresstest. Wellcome organisiert „praktische Hilfe für Familien nach der Geburt“ mit ehrenamtlichen Mitarbeitern aber auf einem sehr hohen, professionellen Niveau. Sie schließen damit ein Lücke in der staatlichen Unterstützung und bringen den Gedanken der Nachbarschaftshilfe wieder in Spiel.

Wer Erfahrung hat oder es gerade selbst erfährt, wende sich an www.wellcome-online.de.

Wheelmap – Crowdsourcender Stadtplan für Rollstuhlfahrer

Allein in Deutschland fragen sich 1,6 Millionen Rollstuhlfahrer täglich, wie sie an ihren Zielort kommen, in welche Restaurants, Cafés oder Kinos sie gehen können. Bei Wheelmap (www.wheelmap.org) kann jeder Orte von jedermann mit einem Ampelsystem bewerten und kommentiert werden. Ins Leben gerufen wurde die Idee von Sozialhelden.de, besonders vorangetrieben wird sie von dem Rollstuhlfahrer Raul Krauthausen.

Eine schöne Anekdote dazu am Rande: Auf einer Social-Business-Konferenz stellt Raul Krauthaus die Idee vor, leider vor kleinem Publikum, denn parallel sprach Google-CEO Eric Schmidt. Rauls Zuhörer waren vor allem Google-Mitarbeiter, die Eric Schmidts Vortrag schon kannten. Sie waren von der Idee so begeistert, dass sie für Wheelmap einen Werbespot organisierten und ihn drei Wochen auf den Google-Kanälen und im Fernsehen schalteten. Das brachte auf einen Schlag über 200.000 neue Eintragungen auf die Karte.

 

Weitere interessante Startups werden nächste Woche in Teil zwei der Reihe vorgestellt.

Bild:  SOZIALHELDEN e.V.