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Hat gut lachen: der ResearchGate-Gründer Ijad Madisch

Es ist eine bemerkenswerte Summe und die Investorenriege kann sich sehen lassen: ResearchGate holte sich bereits vor gut einem Jahr 52,6 Millionen US-Dollar an frischem Kapital, wie das Berliner Forschernetzwerk nun bekannt gibt. Das Geld sei vom britischen Wellcome Trust, Goldman Sachs Investment Partners und der Four Rivers Group mit Beteiligung von Ashton Kutcher, Groupe Arnault, Xavier Niel und den bestehenden Investoren Bill Gates, Tenaya Capital, Benchmark und Founders Fund gekommen.

Gegründet wurde ResearchGate im Jahr 2008 von den Ärzten Ijad Madisch und Sören Hofmayer zusammen mit dem Informatiker Horst Fickenscher. Über zwölf Millionen Wissenschaftler nutzen das Netzwerk weltweit, heißt es vom Unternehmen.

Seit der Investitionsrunde im November 2015 habe ResearchGate mit dem Verkauf von Anzeigen für wissenschaftliche Produkte und Dienstleistungen sowie Stellenanzeigen gezeigt, wie das Netzwerk Geld verdienen will.

Die Investitionsrunde habe auch zur Entwicklung einer neuen Funktion namens „Projects“ beigetragen, mit der Wissenschaftler über ihre aktuelle Arbeit berichten und Forschungsdaten teilen können. Seit ihrem Start im März 2016 hätten Wissenschaftler mehr als eine halbe Million neuer Projekte angelegt, so das Unternehmen.

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Rund eine halbe Million Updates würden pro Tag geteilt, monatlich gebe es mehr als 2,5 Millionen wissenschaftliche Publikationen. Worüber sich CEO Madisch stets besonders stolz zeigt: Unter den auf dem Netzwerk veröffentlichten Informationen befinden sich auch solche, die traditionell nicht geteilt werden, aber große Bedeutung in der wissenschaftlichen Gemeinschaft haben – wie etwa Code oder negative Ergebnisse.

Wir haben mit ResearchGate-Gründer Ijad Madisch darüber gesprochen …

… warum die Finanzierungsrunde erst jetzt bekannt gegeben wurde:

Madisch sagt, er sehe Finanzierungsrunden nur als „Nebenprodukt eines erfolgreichen Startups“. Bei früheren Runden habe er das noch anders gesehen, der Einstieg von Matt Cohler (Benchmark) oder Bill Gates habe tatsächlich auch bei der Wahrnehmung geholfen. Bei der Suche nach neuen Talenten spielten die neuen Millionen währenddessen keine Rolle mehr, sein Unternehmen habe „keine Probleme, Bewerber anzuziehen“.

… was er mit dem Kapital erreichen will – und ob er bereits an einer neuen Finanzierungsrunde arbeite, die Faustregel bei Startup-Investitionen ist ja bekanntlich, dass das Geld 18 Monate lang halten muss:

Ziel sei es, „mit der Finanzierungsrunde den Break-even zu erreichen“. Geld verdient Researchgate mit Werbung und einer Jobbörse. Bald könnten auch Veranstaltungen für die Forschergemeinde hinzu kommen. Mit der Monetarisierungsstrategie solle dann die „finanzielle Unabhängigkeit erreicht werden“.

… ob die Finanzierungsrunde eine Downround gewesen sei, wie vereinzelt in der Szene gemunkelt wurde:

„Definitiv nicht.“

… wie viele Mitarbeiter ResearchGate hat:

300 Leute arbeiten für das Unternehmen derzeit, allesamt in Berlin. Zur vorhergegangenen Runde waren es rund 120 gewesen. Seitdem wurde das Büro am Berliner Nordbahnhof erweitert, 2018 werde Researchgate auch Fläche in einem angrenzenden Neubau hinzubekommen.

… ob Berlin der einzige Standort bleiben soll:

Derzeit werde über die Eröffnung einer weiteren Niederlassung nachgedacht. Wo genau das neue Büro sein wird, steht laut Madisch noch nicht fest. „Wir sind ein internationales Unternehmen, und da macht uns die Zeitdifferenz vor allem beim Vertrieb natürlich zu schaffen.“

… ob seine Entscheidung, 2010 aus dem Valley wieder nach Berlin zu kommen, die richtige war:

„Sie war richtig, aber ich würde das nicht jedem raten“, sagt Madisch. An Berlin schätzt er vor allem die Loyalität der Leute. In den USA bestünde stärker die Gefahr, dass gute Leute schnell abgeworben werden. Unter anderem habe sein Netzwerk von den VZ-Netzwerken profitiert, da in frühen Phasen von dort Mitarbeiter kamen, die sich mit der Materie eines sozialen Netzwerks auskannten.

… was Bill Gates als Investor „bringt“:

Vor allem sein Team bringe eine Menge, erklärt Madisch. Auch wenn er mit dem Microsoft-Gründer – anders als mit Facebook-Ikone Matt Cohler – nicht fast jeden Tag maile, so helfe nicht zuletzt die Nähe zur Bill & Melinda Gates Stiftung, relevante Köpfe in der Forschergemeinde zu treffen.

… was ResearchGate als nächstes vorhat:

Vor allem das zuletzt gestartete Feature „Projects“ solle ausgebaut werden. Madischs Ziel sei es vor allem, mehr Negativdaten zu sammeln. Im traditionellen Veröffentlichungsmodell wird nur über Erfolge gesprochen. Gerade das Wissen über Fehlschläge könnte aber viel Doppelarbeit einsparen.

Bild: Researchgate