Zalando und die Kehrseite des Erfolgs

Zalando-Gründer Robert Gentz steht nicht gern in der Öffentlichkeit: Noch nie hat er auf einer Konferenz gesprochen, Interviews mit Journalisten sagt er meistens ab. „Es war immer meine persönliche Meinung, dass ich besser das tue, was ich tun will, anstatt, dass ich nur über das spreche, was ich gerne tun möchte“, sagte Gentz am Dienstag auf der Heureka-Konferenz, bei seinem ersten Auftritt vor einem großem Publikum.

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Interviewt wurde Gentz von Gründerszene-Herausgeber Joel Kaczmarek. Dessen erste Frage drehte sich natürlich um #Sklavando, jenem Hashtag, unter dem die Undercover-bei-Zalando-Reportage von RTL im Netz die Runde machte. Wie Gentz die Dokumentation über die Zustände in der Zalando-Logistikhalle in Erfurt gesehen habe? „Es ist ein komisches Gefühl, einen langen Report über das eigene Unternehmen anzuschauen“, sagte Gentz. Und: „Es ist auch ein komisches Gefühl, dass das Bild, das in diesem Bericht von deiner Firma gezeichnet wird, deinem eigenen Bild komplett widerspricht.“

Zalando hat bereits Änderungen bei den Arbeitsbedingungen angekündigt. „Aber die Art, wie ein Logistikzentrum nun einmal funktioniert, werden wir nicht ändern“, betonte Gentz. Denn: „Logistik ist ein harter Job und es wird immer ein harter Job sein.“

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Zalando sei regelrecht ausgeguckt worden für einen solchen Bericht, war sich Gentz sicher – das liege daran, dass das Unternehmen derzeit so schnell wachse. „Wenn ein Unternehmen groß und erfolgreich ist, ist die Kehrseite des Erfolgs, dass die Medien die schlechten Seiten herausfinden wollen“, so der Gründer. „Plötzlich bekommt man viel mehr Aufmerksamkeit von den Medien, weil die Leute verstehen wollen, wie das Unternehmen funktioniert. Wenn man darauf nicht reagiert, denken sich die Leute ihre eigenen Geschichten aus.“

Könnte natürlich dann auch heißen: Robert Gentz muss in Zukunft noch häufiger auf Konferenzen sprechen oder mehr Interviews geben.

Dazu gehört dann auch, dass man auf unangenehme Fragen antworten muss. Auf der Heureka war das die Frage nach einem möglichen IPO von Zalando. Gentz hätte darauf am liebsten gar nicht geantwortet: „Nächste Frage, bitte!“.

Eine Antwort gab es dann doch, aber die blieb – wie zu erwarten – vage: „Der ist eine Option für uns, aber es gibt keine konkreten Pläne.“ Und: „Bisher wurde noch keine Entscheidung getroffen.“

Bild: Michael Berger, Gründerszene