„Wir waren immer heilfroh, wenn ein Kunde anrief“

Die Geschichte über den Aufstieg des Düsseldorfer Betriebswirts Robert Gentz zum Boss des E-Commerce-Wunders Zalando beginnt am Strand von Guatemala. Dort ist Gentz Anfang 2007 im Urlaub und liest in der Zeitung über den Verkauf von StudiVZ an den Holtzbrinck-Verlag, für die gigantische Summe von 85 Millionen Euro. „Das fand ich faszinierend“, erinnert sich Gentz später. Eine Frage treibt ihn um: „Wie kann eine Website so wertvoll sein? Was ist das Wertvolle daran?“

Der Deal lässt Gentz nicht los, er möchte selbst ein Internetunternehmen gründen. Die Voraussetzungen dafür könnten kaum besser sein: Gentz, damals gerade 23 Jahre alt, hat schon ein Diplomstudium an der WHU hinter sich, Praktika bei Boston Consulting und Morgan Stanley. Und er hat eine Vorliebe für Lateinamerika, die er mit seinem Studienkollegen David Schneider teilt. Wenige Monate später gründen die beiden im mexikanischen Monterrey, wo Gentz zuvor für ein Semester studiert hatte, ihr erstes Startup: Unibicate, ein soziales Netzwerk für Hochschulen in Mexiko, Argentinien und Chile.

Als gut vernetzte WHU-Absolventen fällt es ihnen nicht schwer, Investoren zu finden. Auch bei Oliver Samwer klopfen die beiden an – doch der bügelt sie mit einem Wort ab: „Schwachsinn!“ Er sollte recht behalten: Programmierer für Unibicate sind schwer zu finden, das Geld der Investoren wird knapp – Anfang 2008 brechen Robert Gentz und David Schneider das Projekt ab. Zu diesem Zeitpunkt haben die beiden sich acht Monate lang kein Gehalt gezahlt, wie Gentz Jahre später dem Buchautor Hagen Seidel erzählt.

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Die gescheiterten Gründer sind sogar so pleite, dass das Geld nicht einmal für ein Flugticket zurück nach Europa reicht. Noch einmal wenden sie sich an Oliver Samwer – diesmal mit Erfolg, Samwer zahlt ihnen die Rückflugtickets. Als Gegenleistung müssen die Heimkehrer für einige Monate bei seinem Tarifportal tarifas24 in Madrid anheuern.

Kurze Zeit später sind Gentz und Schneider schon wieder auf der Suche nach der nächsten Idee. Von ihrem Scheitern lassen sie sich nicht irritieren – im Gegenteil, sie glauben daraus gelernt zu haben. „Danach war ganz klar, dass wir kein soziales Netzwerk oder etwas Ähnliches mehr versuchen würden“, erzählt Gentz. Das Modell sei „kaum planbar und schwer skalierbar“ gewesen.

Zurück in Deutschland starten sie ihren zweiten Versuch: ein Online-Schuhhandel nach dem Vorbild des US-Startups Zappos, das später von Amazon übernommen werden wird. Diesmal investiert ein Samwer: Alexander, der jüngste der drei Brüder, beteiligt sich zum Start mit 50.000 Euro und stellt ihnen für einige Stunden Programmierer von Rocket Internet in Berlin zur Verfügung.

Mit einem Onlineshop für Flipflops testen sie ihr Modell. Gentz kümmerte sich hauptsächlich um das Online-Marketing – doch auch die Kundenbetreuung gehört anfangs zu seinem Job. „Wir waren immer heilfroh, wenn mal ein Kunde anrief“, erinnert er sich, „dann konnten wir ihn fragen, was gut funktioniert an der Seite und was nicht.“ Im Herbst 2008 ziehen sie ins erste eigene Büro in der Berliner Torstraße, Zalando wird offiziell gegründet. Die Erfolgsgeschichte beginnt.

G Tipp – Lesenswert bei Gründerszene Alles über Zalando – eine Chronik

Heute, fünfeinhalb Jahre später, ist Robert Gentz gemeinsam mit David Schneider und Rubin Ritter, der 2010 dazustieß, immer noch Geschäftsführer. Doch das Unternehmen hat mit dem Startup von 2008 nur noch wenig gemein: Mehr als 5000 Mitarbeiter sollen mittlerweile für Zalando arbeiten, 2013 setzte der Kleiderhändler 1,8 Milliarden Euro um, ein Plus um mehr als 50 Prozent. Finanzexperten gehen davon aus, dass ein Börsengang Ende 2014, spätestens Anfang 2015 ansteht.

Ist ein Startup-Gründer auch der richtige Chef für die Leitung eines Börsenkonzerns? Robert Gentz ist davon überzeugt. „Früher haben wir alles selbst gemacht und wissen immer noch, wie der Prozess funktioniert.“ Das, so glaubt Gentz, ist ein unschlagbarer Vorteil „im Vergleich zu Geschäftsführern großer Konzerne, die von außen in die Unternehmensleitung kommen.“

Veranstaltungstipp

Bei der HEUREKA Konferenz (präsentiert von Gründerszene) wird Robert Gentz zum ersten Mal auf einer Bühne zu erleben sein und von Gründerszene Herausgeber Joel Kaczmarek interviewt werden.
Bild: Zalando