In den Postfächern der Vaamo-Anleger landete vor einigen Tage eine Mail – mit einem Betreff, der aufhorchen ließ. „Zum aktuellen Geschehen an den Finanzmärkten“, stand dort geschrieben. In der Mail erklärte das Fintech, dass die angelegten Gelder aufgrund der Wachstumsschwächen in China und einem niedrigen Ölpreis zurzeit schlecht abschneiden. Minus 11,9 Prozent verzeichne zum Beispiel das Portfolio mit einem „höheren Risiko“ in den vergangenen zwei Monaten.

Das Startup nimmt die Sorgen seiner Anleger auf: „Wir können sehr gut verstehen, dass der eine oder andere nicht gerade glücklich ist mit seiner aktuellen Performanceentwicklung“, schreibt Vaamo. Man hätte sich auch einen anderen Start in sein zweites Jahr gewünscht. Die Parole an die Anleger: Behaltet das langfristige Bild im Auge.

Mit der Mail gibt Vaamo einen interessanten Einblick zur schwierigen Lage der sogenannten Roboadviser: So nennt man Unternehmen, die das Geld der Anleger automatisiert anlegen. Auch wenn die unruhigen Märkte kein hausgemachtes Problem der Startups sind, zeigt sich nun, ob die Anleger ihnen wirklich vertrauen.

Nur ein Anleger hat sein Geld abgezogen

Diesen Beweis hält Oliver Vins von Vaamo für erbracht: „Ich bin ehrlich gesagt happy“, sagt der Gründer im Gespräch. Trotz der Krise hätte fast kein Anleger sein Geld abgezogen. So würde der aktuelle Fall doch zeigen: Seine Kunden hätten verstanden, dass ihr Geld in den Kapitalmarkt fließt. „Als Roboadviser setzen wir ja darauf, dass das Anlegen einfach funktioniert und Spaß macht – der Kunde muss aber trotzdem verstehen, dass man kurzfristig auch verlieren kann“, sagt Vins. Die langfristige Perspektive zähle.

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Unter dem Blog-Beitrag von Vaamo gibt es tatsächliche mehrere positive Kommentare. Sie loben den offensiven Umgang mit der Krise. Nur ein Nutzer schreibt, er sei ausgestiegen.

Mit dieser Krise an den Aktienmärkten offenbart sich eine wichtige Voraussetzung für die Kunden: Die Roboadviser sind vor allem für langfristige Investments geeignet. Bei der Anmeldung müssen die Anleger auch angeben, wie lange sie anlegen wollen und welches Risiko sie eingehen. Dementsprechend stellen die Startups eine Mischung beispielsweise aus Aktienfonds und Wertpapieren zusammen.

Dirk Eilinghoff vom Online-Verbrauchermagazin Finanztip rät in dieser Situation, nicht hektisch zu verkaufen oder ein anderes Risikoprofil zu wählen. „Wenn die Risikoeinstufung am Anfang richtig war – man also wirklich noch zehn bis 15 Jahre Zeit hat – sollte man konsequenterweise in dem gewählten Portfolio bleiben.“ Ein zyklisches Verhalten sei einer der größten Fehler von Privatanlegern.

Test für das Risikomodell

Nicht nur Vaamo zieht ein positives Fazit im Umgang mit der Krise. So sagen die Gründer von Scalable Capital: „Auch wenn es paradox klingen mag: Etwas Besseres hätte uns zum Start nicht passieren können.“ Auf diesem Wege könnten sie direkt die Wirksamkeit ihrer Verfahren „live demonstrieren“. Bereits im Herbst habe das Startup die Aktienquote „drastisch reduziert“.

Und Cashboard sieht ebenfalls seinen Vorteil in der Krise. „Gerade die alternativen Anlagen, zum Beispiel in Immobilien via Crowdfunding oder P2P-Lending, bringen nicht nur Diversifikation, sondern korrelieren nicht mit dem Aktienmarkt und bringen auch in schwachen Börsenphasen stabile Renditen“, sagt Robert Henker, Gründer des Berliner Fintech.

Mittlerweile haben sich die Märkte wieder etwas stabilisiert. Für Anleger kann dies ein guter Zeitpunkt zum Einstieg sein: „Auf jeden Fall ist eine Phase nach Rückschlägen ein besserer Zeitpunkt einzusteigen als eine Phase neuer Höchststände – wie wir sie etwa im vergangenen Frühjahr hatten“, sagt Eilinghoff von Finanztip.

Das Verbrauchermagazin hat die verschiedenen Roboadviser kürzlich erst getestet.

Bild: Getty Images/Giulia Fiori Photography