oliver-samwer-noah-berlin-15-2

Was nun? Rocket-Chef Oliver Samwer 2015 auf der Noah-Konferenz

Ein schwarzer Freitag für Rocket Internet: Die Aktie des Berliner Konzerns hat heute ein neues Rekord-Tief von 19,02 Euro erreicht (Stand: 15:35 Uhr). Der Wert liegt damit Welten entfernt von dem Ausgabepreis von 42,50 Euro beim Börsengang im Herbst 2014 – die Höchstmarke von etwa 60 Euro scheint derzeit unerreichbar.

Schon seit Monaten will es die Rocket-Aktie nicht aus dem Keller schaffen. Leerverkäufe von Hedgefonds oder Vorwürfe, der Inkubator arbeite intransparent, trugen zum Wertverfall bei. Auch die jüngsten Quartalszahlen konnten die Aktionäre nicht überzeugen: Sie zeigten ein langsameres Wachstum und sich weiter häufende Verluste. In den vergangenen Wochen musste Rocket außerdem die Abwanderung einiger wichtiger Manager hinnehmen.

Auf ein schlechtes Börsenjahr 2015 folgt nun ein nahezu katastrophaler Start ins Jahr 2016. Rocket braucht dringend gute Nachrichten von seinen Porfolio-Startups. Setzt der Inkubator dafür nun ganz auf Delivery Hero?

Rocket hält knapp 40 Prozent an dem Lieferdienst-Vermittler. Im Frühjahr 2015 wurde bereits über einen zeitnahen Börsengang seiner Global Take Away Group spekuliert, der allerspätestens 2016 erfolgen sollte. Zu der Gruppe gehört auch die Delivery-Hero-Beteiligung.

Anzeige
Niklas Östberg, CEO des Lieferdienstvermittlers, betont allerdings immer wieder, dass er sich unter keinen Umständen zu einem Börsengang drängen lassen wolle, auch nicht von seinem Hauptanteilseigner. Im Oktober sagte er: „Ich treffe meine Entscheidung gemeinsam mit allen Investoren. Da kann Oliver Samwer Druck machen, wie er möchte.“ Delivery Hero, zuletzt mit drei Milliarden Euro bewertet, will einen IPO für dieses Jahr zumindest prüfen. Man wolle mit einem Börsengang warten, bis man einen klaren Nutzen sehe.

Nun gibt es einen ersten Hinweis, dass die Option Delivery-Hero-IPO schneller gezogen werden könnte. Die Lebensmittelzeitung berichtet, Delivery Hero habe den Etat für die Börsenkommunikation ausgeschrieben. Die Zeitung zitiert eine Quelle aus dem Unternehmensumfeld mit den Worten: „Wir wollen vorbereitet sein, wenn sich ein gutes Zeitfenster öffnet.“

Von Delivery Hero und von Rocket Internet hieß es auf Nachfrage von Gründerszene übereinstimmend, es sei kein solcher Etat ausgeschrieben worden. Die Lebensmittelzeitung zeigte sich auf Nachfrage wiederum ihrer Recherche sicher.

Bei der Kommunikation eines bevorstehenden Börsengangs dürften Rocket und Delivery Hero äußerst vorsichtig vorgehen. Schließlich war Ende 2015 bereits der geplante IPO des Rocket-Startups HelloFresh gescheitert – der eigentlich für die dringend benötigten guten Rocket-Nachrichten sorgen sollte. Der Börsengang des Ventures, das plötzlich mit 2,6 Milliarden Euro bewertet wurde, platzte offenbar wegen überzogener Preisvorstellungen: Rocket-Chef Oliver Samwer soll einen Unternehmenswert von 3,3 Milliarden Euro angestrebt haben. Analysten hielten das für unhaltbar.

Bild: Gründerszene