Rocket-Chef Oliver Samwer auf der Noah-Konferenz in Berlin dieses Jahr

Einen Preis von 50 Euro für eine Aktie von Rocket Internet prognostiziert Lucas Boventer vom Analysehaus Warburg Research. Dieses Ziel werde das Papier in den nächsten zwölf Monaten erreichen – die Empfehlung: Kaufen!

Veröffentlicht hat Boventer die Vorhersage vergangene Woche, als der Kochbox-Versender HelloFresh seinen Börsengang offiziell angekündigte. Danach schoss die Rocket-Aktie kurzzeitig nach oben, die Firmenschmiede hält 56 Prozent an dem Venture. Doch inzwischen notiert das Papier wieder bei um die 23 Euro (Stand: 10 Uhr), nah am Jahrestief und weit entfernt vom Höchstwert, der über 60 Euro betrug. Wir haben den Analysten gefragt, warum das so ist.

Lucas, wie kommst Du auf ein Kursziel von 50 Euro in den nächsten zwölf Monaten?

Für die Bewertung von Rocket Internet haben wir einen relativen Bewertungsansatz verfolgt. Der basiert auf Multiplikatoren von Unternehmen, die mit denen im Rocket-Portfolio vergleichbar und an der Börse notiert sind. Von diesen Vergleichsunternehmen, unter anderem Amazon, Just Eat oder Zalando, sind Prognosen zu ihren Entwicklungen bekannt und zugänglich. Den größten Teil in unserer Bewertung machen die Firmen aus, die die höchsten Umsätze verzeichnen. Die sogenannten Proven Winners.

Das sind Rocket-Startups wie Westwing und Home24, die mindestens 50 Millionen Euro Jahresumsatz schreiben.

Ihre Entwicklung ist sehr relevant für den Aktienkurs. Natürlich haben wir in unserer Bewertung noch die Emerging Stars, Regional Groups, Concepts und strategischen Beteiligungen berücksichtigt. Auch der aktuelle Barbestand, über den Rocket verfügt, ist wichtig. Für das Geschäftsmodell, das Aufbauen von Startups, braucht es liquide Mittel, um schnell wachsen zu können. Durch den Börsengang und neue Kapitalaufnahmen in diesem Jahr ist Rocket gut mit Bargeld ausgestattet.

Warum ist der Kurs jetzt – trotz der Ankündigung des HelloFresh-Börsengangs – eingebrochen?

Wer als Aktionär in Rocket investiert, sollte das als langfristige Investition sehen. Das könnte das Unternehmen auch meinen, wenn es sagt, seine Aktionäre hätten das Geschäftsmodell nicht verstanden. Es wird noch etwas dauern, bis die Startups profitabel werden. Aber Profitabilität ist das wichtigste Kriterium für Anleger.

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Nach der Ankündigung des HelloFresh-Börsengangs wurden Zahlen zur Entwicklung des Unternehmens veröffentlicht. Allerdings ist noch unklar, wann genau HelloFresh überhaupt an die Börse gehen möchte und ob ein Börsengang erfolgreich sein kann. Die Veröffentlichung weiterer Kennzahlen wie die Kunden-Akquisekosten oder die Churn Rate würde die Transparenz erhöhen und Zweifel aus dem Weg räumen. Auch über die hohe Bewertung des Unternehmens, die nach der letzten Finanzierungsrunde bei 2,6 Milliarden Euro liegt.

Der schottische Investmentfonds Baillie Gifford ist an Rocket Internet beteiligt. Im September investierte er dann 75 Millionen Euro in HelloFresh zu der von Dir genannten Bewertung von 2,6 Milliarden Euro. Inwiefern verunsichert so ein Geschachere der Investoren die Anleger?

Ein Unternehmen wie Rocket Internet ist wegen der zahlreichen Beteiligungen sehr schwierig zu verstehen. Finanzierungsrunden gehören bei wachsenden Startups zum Alltag. Inwiefern die aus den Runden entstandenen Bewertungen gerechtfertigt sind, kann ich an dieser Stelle nicht kommentieren. Letztlich betrachten wir die bisherigen Entwicklungen der Rocket-Startups als sehr positiv und sehen langfristig das Potenzial der verschiedenen Geschäftsmodelle.

Lucas, danke für das Gespräch.

Bild: Christina Kyriasoglou/Gründerszene