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Rocket-Chef Oliver Samwer

Die Startup-Fabrik Rocket Internet hat die Fintech-Branche als Zukunftsfeld noch nicht abgeschrieben. Zwar waren die bisherigen Versuche der Berliner in dem Bereich nicht besonders erfolgreich, doch nun zeigt die aktuelle Einladung zur Hauptversammlung, dass Rocket künftig auch Geschäfte betreiben will, „die nach dem Gesetz über das Kreditwesen oder nach dem Kapitalanlagegesetzbuch erlaubnispflichtig sind“.

Das bedeutet: Rocket möchte sich eine entsprechende Lizenz der BaFin zulegen – also von der Behörde, die die deutsche Finanzbranche überwacht. Am Ende könne sogar eine Vollbanklizenz stehen, berichtet die Welt am Sonntag. Mit einer passenden Zulassung dürfte Rocket dann beispielsweise in Startups investieren, die selbst eine Banklizenz haben oder eigene Ventures aufbauen, die eine solche Lizenz benötigen.

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Auf Anfrage gibt Rocket noch keine Auskunft zu konkreten Projekten. Es heißt lediglich, Ziel der Satzungsänderung sei eine größere Flexibilität „für die Investmenttätigkeiten von Rocket Internet, insbesondere bei FinTech- oder InsurTech-Unternehmen, die entsprechend reguliert sein können“.

Bereits vergangenen Sommer hatte Rocket Internet über einen Umweg versucht, Zugriff auf eine Banklizenz zu bekommen. Damals wurde eine Kooperation mit der börsennotierten Fintech Group bekannt gegeben, die in die Partnerschaft die Banklizenz ihrer Tochter biw AG einbrachte. Man wolle gemeinsam digitale Bankdienstleistungen für den europäischen Markt aufbauen, hieß es von den beiden Unternehmen.

Von der Zusammenarbeit hörte man in der Folge allerdings nicht mehr viel. Eine Rocket-Sprecherin gibt nun auf Nachfrage an, man habe beispielsweise das Startup Zinsgold gemeinsam aufgebaut, die Fintech Group habe sich hier besonders bei der operativen Gestaltung eingebracht. Von Fall zu Fall werde entschieden, wobei man künftig kooperiere. Erhält Rocket seine eigene Lizenz, ist aber offen, inwiefern es den Partner noch braucht.

Die Fintech-Bilanz von Rocket ist bislang nicht überzeugend. So konnte der Konzern zwar seinen Kreditmarktplatz Zencap an den britischen Platzhirsch Funding Circle verkaufen – den dadurch gewonnen Anteil an dem Londoner Unternehmen wertete Rocket vergangenes Jahr aber massiv ab. Auch auf Lendico schrieb Rocket 2016 mehr als 16 Millionen Euro ab; vor etwa einem Jahr hatte das einst von Rocket gestartete Venture Paymill Insolvenz angemeldet.

Diese Startups musste Rocket 2016 abwerten

Bild: DANIEL ROLAND / Getty Images