Rocket-Chef Oliver Samwer, hier bei der Hauptversammlung im Juni

Finanzierungsrunden, Börsengang, Kapitalerhöhungen – und jetzt womöglich noch ein Beteiligungsfonds. Bei Oliver Samwer und Rocket Internet stand Geld schon immer im Vordergrund. Mehrstellige Millionenbeträge? Alles kein Ding. Höhepunkt: der Börsengang, der 1,4 Milliarden Euro in die Kassen spülte.

Nun arbeitet der Rocket-Boss Gerüchten zufolge an seinem nächsten Coup. Unter dem Arbeitstitel Rocket Internet Growth Fund, so hat es die Wirtschaftswoche in ihrer jüngsten Ausgabe aufgeschrieben, will Samwer eine Milliarde Euro einsammeln. Das Geld soll dem Vernehmen nach – natürlich – in digitale Geschäftsmodelle investiert werden, genaue Details sind nicht bekannt. Offiziell will sich Rocket Internet zu den Gerüchten gegenüber Gründerszene nicht äußern.

Geld aufzutreiben – das schaffte Rocket-Boss Samwer bislang wie kein anderer. Es ist Teil des Rocket-Geschäftsmodells, ohne Kapital kein schnelles Wachstum. Nur: Kapitalerhöhungen über die Rocket-Aktie sind derzeit keine Option. Mit 29,40 Euro stand der Kurs des Papiers am Donnerstag nicht nur deutlich unter dem Ausgabepreis beim IPO von 42,50 Euro. Es ist auch ein historischer Tiefststand. Und nur noch die Hälfte des einstigen Höchstwerts von knapp 58 Euro.

Anzeige
Die Anleger hatten schnellere Ergebnisse erwartet. Oder wenigstens (be-)greifbare Erfolge. Das Wachstum an immer neuen Bewertungsrekorden fest zu machen, war ihnen wohl eine allzu künstliche Kenngröße, so viel zeigte sich auch auf der Hauptversammlung im Juni. Dass Rocket Internet schon im Dreivierteljahr nach der Erstnotiz weitere 1,1 Milliarden abfragte, quittieren die Anleger an der Börse nun mit Vertrauensentzug.

Was Rocket derzeit zum einen fehlt, ist ein Zugpferd, ein massenverträglicher Nachfolger für die Erfolgsgeschichte Zalando. Klar ist, dass die Börsengänge der Essens-Lieferdienste Delivery Hero und Hellofresh oder des Möbelshops Home24, wann immer sie kömmen mögen, keinesfalls Selbstläufer werden. Der IPO des Möbel-Shoppingclubs Westwing wurde offenbar erst einmal abgeblasen. Dabei braucht Rocket die Börsengänge, um sich auf finanzieller Seite und auch gegenüber den Investoren etwas Luft zu verschaffen.

Zum anderen fehlt es mehr denn je an Transparenz. Und an einer erkennbaren Strategie. Wer sich einen genauen Überblick der Rocket-Beteiligungen verschaffen will, muss schon sehr akkribisch arbeiten. Die großen IPO-Kandidaten mag man ja noch im Blick haben. Allerdings hat allein die Einbringung der Aktivitäten der Samwer-Brüder vor dem Börsengang zahllose Beteiligungen in das Rocket-Universum gespült. Hinzu kommen eine ganze Reihe an Übernahmen kleinerer Startups seitdem. Die Wellness-Plattform Somuchmore oder der Lieferdienst Foodora (einst Volo) etwa. Und mit einem neuen Beteiligungsfonds könnte sich das Rocket-Portfolio noch unübersichtlicher werden.

Spätestens dann wäre Rocket Internet nicht mehr die auf bewiesene Wachstumsmodelle fokussierte Firmenfabrik, die Samwer beim Börsengang vor knapp einem Jahr verkaufte. Sondern ein gigantisches Dach für digitale Unternehmen aller Couleur – teils im eigenen Besitz, teils über Minderheitsbeteiligungen, wie selbst bei Delivery Hero. Eben doch jener digitale Gemischtwarenladen, in den Milliarden fließen – der aber so schnell keine Gewinne abwerfen wird, sondern erst einmal Schulden anhäuft.

Geld auf die Konten zu bekommen, ist die große Stärke des Oliver Samwer, weil die Investoren glauben, dass er es auch für sie tun kann. Es ist ein Vertrauensbeweis, nun warten alle immer ungeduldiger darauf, dass Samwer und Rocket Internet abliefern.

Bild: Gründerszene