Nicht nur in Südostasien, auch in der arabischen Welt gewinnt Rocket Internet (www.rocket-internet.de) mit seiner E-Commerce-Offensive Land und besetzt einen Markt nach dem anderen. Die Büros in Istanbul und Dubai sollen es zusammen bereits auf mehr als 300 Mitarbeiter (!) in acht Portfoliounternehmen bringen. Was verbirgt sich hinter Firmen wie Namshi oder Zidaya und wie rekrutiert der Berliner Inkubator so schnell die benötigten Legionen an “AAA-Guys”?

Stellt euch vor es wäre Rollout und keiner schaut hin

Ohne viel Pressearbeit wird auch in MENA (Middle East and North Africa) und der Türkei an weiteren Rocket-Ventures gebastelt – Zeit für einen Überblick: Mit Zentralen in Dubai und Istanbul überzieht der Berliner Company-Builder seit September 2011 nun auch die arabische Welt mit seinen E-Commerce-Shops. An beiden Standorten will es Rocket Internet zusammen auf mehr als 300 Mitarbeiter bringen. Im Zuge des Managementabgangs Anfang des Jahres berichtete Deutsche Startups bereits über einige von Rockets Aktivitäten in MENA und der Türkei, vor kurzem startete nun auch der arabische Amazon-Klon Mizado (www.mizado.com).

Nach dem Motto “Die WHU ist nicht genug” scheinen Oliver Samwer und seine Gefolgschaft dabei nun auch Businessschools weltweit leer zu fischen – mit enormem Selbstbewusstsein. Rocket Internet meint es mit seinen globalen E-Commerce-Bestrebungen wohl wirklich ernst und attakiert die ganz großen Onlineplayer. Am Horizont dämmert die Frage: Schlägt Execution wirklich Innovation?

Namshi und Zidaya bearbeiten “Fashion”

Wie das arabische Boulevardmagazin Ahlan! berichtet, ist der Zalando-Klon Namshi (www.namshi.com) schon seit Oktober vergangenen Jahres aktiv und vertreibt wie sein Vorbild Schuhe und Kleidung im Gebiet des GCC (Gulf Cooperation Council). Der GCC ist als Staatenbund organisiert und schließt die sechs Staaten der arabischen Halbinsel, Kuwait, Bahrain, Saudi-Arabien, Katar, Vereinigte Arabische Emirate und Oman zu einem Wirtschaftsraum zusammen. Mit knapp 40 Millionen Einwohnern und einem durchschnittlichen Brutto-Inlands-Produkt (BIP) von mehr als 20.000 US-Dollar erscheint dieser Markt somit durchaus attraktiv.

Seit Mitte März versendet Namshi seine Produkte auch nach Ägypten – seit wenigen Tagen ist zudem die arabische Version der Website online (mit gespiegeltem Shopdesign, das Schriftbild verläuft von rechts nach links). Das vierköpfige Gründerteam besteht aus Louis Lebbos,  Muhammed Mekki, Annas Abedin und Hosam Arab – einer Riege aus Harvard-/WHU-/McKinsey-Alumni. Seit Februar hat nun auch das Büro in Istanbul nachgezogen und bearbeitet mit Zidaya (www.zidaya.com) den türkischen Markt. Auch hier werden im Zalando-üblichen Stil und Fashion- und Schuh-Artikel versendet

Evimister ersetzt Home24

Frei übersetzt bedeutet Evimister (www.evimister.com), der Name der türkischen Website, soviel wie “zu Hause” und spannt somit nicht nur grafisch, sondern auch inhaltlich den Bogen zum deutschen Vorbild Home24 (www.home24.de), welches in der Vergangenheit zunächst unter dem Dach von FP Commerce (www.fp-commerce.com) als Möbelprofi firmierte und schließlich in Home24 umbenannt wurde.

Der Gemischtwarenladen für Haushaltsbedarf hat in der Türkei bisher größtenteils Elektronik im Angebot – vom Staubsauger bis zur Fritöse. Da der Shop zu Evimister im November 2011 sein Geschäft aufnahm, scheint Rocket Internet die Türkei schon seit gut einem halben Jahr mit entsprechenden Projekten zu bearbeiten.

Mizado attackiert Amazon

Als die Website des südostasiatischen Amazon-Klons Lazada auf einmal auf das Look-alike Mizado verlinkte, war klar, dass die Samwers auch diesen Markt nicht auslassen würden. Bisher ist Mizado laut Website nur in den Vereinigten Arabischen Emiraten aktiv, jedoch setzt der Shop mit Aramex auf den selben Logistikdienstleister wie der ältere Bruder Namshi. Einem Rollout in die weiteren Golfstaaten sollte somit nichts im Weg stehen.

Sporena vertreibt Sportartikel

Seit September wirbt Sporena (www.sporena.com) auf Facebook für Sportartikel und scheint somit das älteste Projekt des türkischen Rocket-Büros zu sein. Sporena bedient ein ähnliches Sortiment wie der südamerikanische Outdoorstore Kanui (www.kanui.com.br). Dessen wirtschaftlicher Erfolg lässt sich schwer abschätzen, bei 250.000 Facebook-Fans (zum Vergleich: Zalando feierte vor kurzem seinen 150.000 Fan) scheint das Angebot jedoch zumindest kundenseitig gut angenommen zu werden.

Westwing und Bamarang in der Türkei

Auch die beiden Shoppingclubs Westwing (Möbel und Einrichtung) und Bamarang (Designartikel) wachsen um den Globus und machen auch vor der Türkei nicht halt. Westwing wurde im September durch den Investor Point Nine Capital finanziert und ist seitdem auf Wachstumskurs, um sich langfristig gegen das Vorbild One Kings Lane (www.onekingslane.com) durchsetzen zu können. Auch der Design-Shoppingclub Bamarang muss Gas geben: Im Februar diesen Jahres schluckte das US-Original Fab.com den deutschen Wettbewerber Casacanda um Fuß in Europa zu fassen.

Was verbirgt sich hinter Eliseri?

Bisher noch ungeklärt ist Herkunft und Verbleib von Eliseri. Über das Jobnetzwerk Linkedin präsentiert sich ‘Rocket Internet Turkey and MENA’ mit insgesamt acht Portfoliounternehmen, darunter Eliseri. Die Domain, www.eliseri.com jedoch ist leer und sogar noch zu haben. Handelt es sich hier um einen Schreibfehler, einen verworfenen Projektnamen oder wurde doch von einer Umsetzung abgesehen?

Update: Dank eines Leserkommentars konnte die wahre Identität von Eliseri geklärt werden: Der Marktplatz für handgemachte Produkte heißt in Wirklichkeit Eleseri.com (www.eleseri.com) und ähnelt der Berliner Plattform Dawanda. Auf Linkedin beschreibt sich das Unternehmen als “online marketplace for handmade and vintage goods. Eleseri connects buyers and sellers, offering small and independent business owners a platform on which to sell their products, and buyers a place to find unique handmade products available only in very limited quantities”. Das Startup ist seit Ende Januar online und scheint der weltweit erste Dawanda-Klon des Berliner Inkubators Rocket Internet zu sein.

Pikant: Mit wenigen Prozenten sind die Samwer-Brüder über den EFF selbst an Dawanda beteiligt und schicken nun einen Konkurrenten ins Rennen – Platzt Dawanda hierbei die selbstgefilzte Hutschnur?

Exkurs: Die “Berkeley Recruiting Session”

Schon immer war die WHU – Otto Beisheim School of Management in Vallendar einer der beliebtesten Recruiting-Pools der Samwer-Brüder Marc, Oliver und Alexander. Je internationaler jedoch die Aktivitäten rund um Rocket Internet werden, desto höher auch der Bedarf an jungen hungrigen (vornehmlich männlichen) Machern – ein Bedarf, viel größer als ihn deutsche Universitäten je bedienen könnten.

Im Folgenden findet sich die Ankündigung einer Recruiting-Session an der University of California, Berkeley, welche das Selbstbewusstsein zeigt, mit dem Rocket Internet seine so genannten “AAA-Guys” rekrutiert:

“Rocket Internet Turkey & MENA (managed by Cal Alums, Husain Misherghi and Hisham Zarka!) is coming to Cal this Thursday for an informal session. Rocket Internet is perhaps one of the largest technology incubators in the world (with HQ in Berlin), currently launching a number of internet businesses worldwide. The Turkey/MENA team, for instance, is building what is hoped to become the Amazon.com of the Middle East.

There are two offices in Turkey and MENA. They are trying to build a top caliber team – with management already full of Alumni from Stanford, HBS, Wharton, McKinsey, Google, and BCG.

They are looking for top people with exceptionally strong academic & work backgrounds to join them. Primarily looking for people interested in relocating to the Middle East but counterparts are hiring for South East Asia, South America, India, and Europe also.

Minimum GPA: 3.6
All majors welcome
Arabic, Turkish, Farsi, or Urdu fluency is a plus”

Laut Informationen aus Universitätskreisen bietet Rocket Internet seinen Business-Neulingen angeblich bis zu 60.000 Euro Einstiegsgehalt, plus eine marginale Anteilsbeteiligung im Promillbereich – und das für Bachelorabsolventen.

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