Im GSW-Hochhaus in der Kreuzberger Charlottenstraße soll der Rocket-Tower entstehen – allerdings später als geplant

Als die Nachricht am 1. April 2015 bekannt wurde, hielten viele das zunächst für einen Aprilscherz: Rocket Internet will ein neues Hauptquartier beziehen, den sogenannten Rocket-Tower. Angemietet wurde dafür ein Großteil des Gebäudeensembles um das GSW-Hochhaus in der Kreuzberger Charlottenstraße. Auf mehr als 22.000 Quadratmetern und 35 Etagen sollten Mitarbeiter aus Rockets Zentralbereichen sowie aus Portfolio-Unternehmen unterkommen, hieß es damals von der Berliner Firmenfabrik. Und: Geplant sei, mit dem Umzug nach „umfangreichen Umbaumaßnahmen“ Anfang 2016 zu beginnen.

Die gute Nachricht: Rocket liegt nach eigener Aussage im Zeitplan. Sechs Etagen seien bereits bezugsfertig und im Dezember an Rocket übergeben worden, bestätigt ein Sprecher gegenüber Gründerszene. Die schlechte Nachricht: Die Rocket-Mitarbeiter können noch nicht einziehen. Denn der Inkubator hat die Flächen untervermietet. Wie aus einer internen Mail, die Gründerszene vorliegt, hervorgeht, hat Rocket die Flächen ab Januar 2016 an einen anderen Mieter weitergegeben, weil dieser bereit sei, eine „erheblich höhere Miete“ zu zahlen.

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Weiter heißt es in der Mail: „Die ökonomische Vernunft zwingt uns dazu, positiv auf dieses Angebot zu reagieren. Deswegen werden wir den geplanten Umzug von der Johannisstraße in den Rocket-Tower bis Juli/August 2016 verschieben.“ Trotz der neuen Untermieter hätten alle Rocket-Ventures weiterhin Platz in dem Tower. Aber eben erst, wenn die Umbauten der weiteren Flächen abgeschlossen sind.

Rocket bestätigt offiziell, dass die fertigen Flächen weitervermietet wurden. Wer die Stockwerke gemietet hat, will das Unternehmen nicht verraten. „Mit unseren Umzugsplänen liegen wir gegenwärtig im Plan“ heißt es offiziell. In der Mail klingt das anders.

Der Umzugsstress ist nicht das einzige Problemfeld, mit dem sich Rocket aktuell auseinandersetzen muss: Der Inkubator verliert mehr und mehr Führungskräfte. Wie die Nachrichtenagentur Reuters erfuhr, wird die Leiterin der Rechtsabteilung, Franziska Leonhardt, den Company Builder Ende Januar verlassen. Zudem werde Vize-Finanzchef Uwe Gleitz in Kürze ausscheiden. Gleitz und Leonhardt waren auch Mitglieder des ersten Aufsichtsrats der Rocket Internet AG, der den Börsengang im Oktober 2014 vorbereitet hatte. In Unternehmenskreisen heißt es, das Ausscheiden sei in beiden Fällen persönlich bedingt.

Im vergangenen Jahr hatten bereits PR-Chef Andreas Winiarski und HR-Chefin Vera Termühlen das Unternehmen verlassen. Im Streit um den geplatzten HelloFresh-Börsengang hatte Ende 2015 außerdem Kinnevik-Chef Lorenzo Grabau die Leitung des Rocket-Aufsichtsrates abgegeben.

Der Aktienkurs spiegelt die Probleme bei Rocket übrigens wider: Am Dienstag stand das Papier bei rund 23 Euro. Zur Erinnerung: Der Ausgabepreis lag einst bei 42,50 Euro.

Bild: Rocket Internet