rocket internet

Die Rocket-Führungsriege: COO Johannes Bruder, CEO Oliver Samwer, CFO Peter Kimpel und Group Managing Director Alexander Kudlich (von links)

Es sind nur noch wenige Tage bis zur ersten Hauptversammlung des börsennotierten Konzerns Rocket Internet. Am Dienstag kommen die Shareholder der Firmenfabrik nach Berlin-Charlottenburg, um sich über die Fortschritte bei der Eroberung des globalen Internets unterrichten zu lassen. Was sich im Vorfeld bei Rocket tut – hier im Überblick:

Oliver Samwer erklärt das Internet

In einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa gab CEO Oliver Samwer am Donnerstag Nachhilfeunterricht in Sachen Online-Handel. Samwer wurde zum Beispiel gefragt, ob jahrelange Verluste wirklich nötig seien, um am Ende Gewinn machen zu können. Seine Antwort: „Ja, das ist notwendig, um im Internet zu gewinnen.“ Das traditionelle deutsche Konzept, schnell profitabel sein zu wollen, funktioniere hier nicht, „dann brauchen wir uns gar nicht mit dem Silicon Valley oder China anlegen oder überhaupt erst eine Milliarden-Firma bauen“, so Samwer.

Anzeige
Er warb außerdem um Sympathien, indem er sein Unternehmen erneut in eine Reihe mit deutschen Traditionsfirmen stellte. Beim Thema Internationalisierung seien „Unternehmen wie Würth, BMW oder Siemens“ sein Vorbild: „Die sind in vielen Ländern aktiv. Das liegt doch ein bisschen in der deutschen Seele, dass wir so exportorientiert sind. 30 Länder, 60 Länder, 110 Länder – was macht das denn für einen Unterschied?“

Wie schon vergangene Woche bei seinem Auftritt auf der Berliner Noah-Konferenz wies Samwer zudem auf die Arbeiter-Mentalität seines Konzerns hin. Er glaube, „der Erfolgsfaktor von Rocket ist, dass wir alle operative Ameisen sind, nicht strategische Vögel“, so Samwer. „Ein Wort wie ‘Vision’ passt nicht so recht zu uns. Die Vision entsteht daraus, dass wir versuchen, Unternehmen aufzubauen. Ich mache mir nicht so viele Gedanken darüber, was wir im Jahr 2021 machen werden.“

Interessanterweise schloss sich der Rocket-CEO in dem Interview nicht der Ansicht an, wonach es in Deutschland an startupfreundlicher Politik mangele. „Ich muss schon sagen, dass die Unterstützung der Politik viel besser ist, als viele meinen und es viel mehr Unterstützung gibt als noch Ende der 90er oder 2000“, so Samwer.

Ralph Dommermuth zieht sich aus dem Aufsichtsrat zurück

Wie aus der Einladung für die Hauptversammlung hervorgeht, wird United-Internet-Boss Ralph Dommermuth dem Aufsichtsrat von Rocket Internet nicht weiter angehören. Für ihn soll sein Finanzvorstand Norbert Lang ins Gremium gewählt werden. United Internet war im Sommer 2014 für 435 Millionen Euro bei Rocket eingestiegen.

Außerdem enden am Dienstag die Amtszeiten der Aufsichtsratsmitglieder Erhard Schipporeit (früher Eon-Finanzvorstand) und Philip Yea (Ex-Chef der Beteiligungsgesellschaft 3i). Für sie sollen der bis 2014 amtierende Scout24-Boss Martin Enderle sowie der Wirtschaftsprüfer Joachim Schindler nachrücken.

Rocket und Roland planen statt „Super-Inkubator“ nun „Corporate Digital Excubator“

Im Dezember kündigte der neue Roland-Berger-Chef Charles-Edouard Bouée mit großen Worten an, einen „Super-Inkubator für große Unternehmen“ schaffen zu wollen – gemeinsam mit Rocket Internet. Doch dann war fast ein halbes Jahr nichts mehr von dem Plan zu hören, auch auf Gründerszene-Nachfrage blieben die Beteiligten Ende Mai sehr vage.

Anzeige
Bouée erklärte nun dem Manager Magazin, dass sich der Plan gewandelt habe: Man arbeite inzwischen gemeinsam mit Rocket Internet an einem „Corporate Digital Excubator“. Unter dem kryptischen Label verbirgt sich laut dem Magazin eine Plattform, die Unternehmen von der Gründung bis zum Exit begleiten soll. Denn den Berger-Beratern sei im Gespräch mit Kunden klar geworden, dass eine Beschränkung auf das Inkubationsgeschäft zu eng sei. Mehr Details zu dem Projekt sind bislang nicht bekannt.

Dass die bisherigen Ergebnisse der Rocket-Kooperation enttäuschend sind, räumt Bouée ebenfalls ein. Er sei wohl vielleicht zu optimistisch gewesen – aber selbst Pionieren wie Steve Jobs sei das bisweilen passiert.

Bild: Rocket Internet