Linx-Gründerin Amy Andersen

Linx-Gründerin Amy Andersen

Rauschende Party

Die Sonne ist schon untergegangen im Silicon Valley, doch auf der Terrasse des Rosewood Sands Hill Hotels in Menlo Park ist es lauschig warm. Das liegt zu diesem Zeitpunkt noch weniger an der Stimmung als an den Heizpilzen, die um die mit Korbmöbeln ausstaffierten Sitzecken arrangiert sind. Es ist 19 Uhr, früh für einen Donnerstagabend im Rosewood. In der verspiegelten Bar sitzen eine Handvoll Männer in Poloshirts und Sakkos und auffällig viele Frauen. Die meisten Blicke erntet ein offensichtlich facegeliftetes Damen-Trio mit dicker Schminke, toupierten Mähnen, knappen Cocktailkleidern und Absatzstiefeln.

Wenn man im Silicon Valley fragt, wo sich die Szene abends trifft, fällt fast immer der Name Rosewood Hotel – jenes 5-Sterne-Luxus-Etablissement an der legendären Sand Hill Road, wo die größten Venture-Capital-Firmen ihren Sitz haben. Es gibt viele Gerüchte um den Donnerstagabend im Rosewood, der von dem Hotel offiziell nicht beworben wird. Frauen kämen in Scharen dorthin, um reiche Investoren kennen zu lernen, heißt es. Insbesondere ältere Frauen, um sich jüngere Männer zu angeln, donnerstags bei der „Cougar Night“. „Cougar“ heißt übersetzt „Silberlöwin“ und ist nicht gerade ein schmeichelhafter Ausdruck für Frauen, die keine 20 mehr sind.

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Angefangen hat alles im Jahr 2009 mit Amy Andersen und ihrem Dating-Service Linx. Für ihr Netzwerk-Event „Link & Drink“ wählte sie das Rosewood Hotel. Sie wollte Männer und Frauen aus ihrer Datenbank und deren Freunde – die meisten arbeiten in der Technologie-Branche –  donnerstags zu einem lockeren Treffen in exklusivem Ambiente zusammenbringen. Das war kurz nach der Eröffnung des Hotels. Schnell wurde der Abend zum Selbstläufer, „Link and Drink“ gab es dort schon seit fünf Jahren nicht mehr.

Das Hotel gibt sich zu der rauschenden Party bedeckt. „Wir freuen uns, dass Restaurant, Bar und Lounge an fast jedem Abend gut besucht sind und wir dort im Schnitt 100 bis 150 Gäste haben“, lässt es auf Anfrage mitteilen – für den Donnerstag eine ordentliche Untertreibung. Bei den Gästen handle es sich um Geschäftsreisende und Ortsansässige, die sich zum Frühstück, Abendessen oder After-work-Drinks mit Freunden und Kollegen träfen.

Die zur Hotel-Bar gehörige Terrasse mit Palmen und brennenden Fackeln gibt den Blick auf die Santa Cruz Mountains frei. In einer Sitzecke öffnet eine Gruppe junger Männer und Frauen eine Flasche Champagner nach der anderen. Ein paar Meter weiter feiert ein anderes Grüppchen Geburtstag. Eine der Frauen ist Innendesignerin und Facility Managerin bei Yahoo, zuständig für die Firmengebäude im Westen der USA, wie sie sagt. An der Bar stehen zwei etwas verloren wirkende Männer in ihren 30ern. Sie kommen aus North Carolina, der eine arbeitet in der Hotelbranche, sie sind zum ersten Mal hier.

Auf der Damentoilette hat sich mittlerweile eine Schlange gebildet. „Cougar Night? Ich weiß nicht. Die meisten Leute kommen hierher, weil es sonst nicht viele Ausgeh-Möglichkeiten gibt im Valley“, sagt eine Frau mittleren Alters. Auch in der Lounge und auf der Terrasse steigen Geräuschpegel und Temperatur. Die meisten der Männer, die sich zuvor noch alleine in den Sitzgruppen langweilten, haben inzwischen Gesprächspartnerinnen gefunden.

„Ich muss erst wieder reinkommen“ – hier geht’s weiter.

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