An die 3.000 Artikel wurden 2014 auf Gründerszene veröffentlicht – News, Analysen, Features, Ortstermine, Kommentare, Fachbeiträge oder Interviews. Was hinter den Kulissen passierte, damit diese Artikel überhaupt zustande kamen, was Gründerszene-Redakteure während ihrer Arbeit Kurioses, Ärgerliches, Bemerkenswertes erlebten – das rekapitulieren sie zum Jahresende in einer Serie. Diesmal erzählt Hannah Loeffler, seit Januar 2014 Redakteurin bei Gründerszene.

Meine Reporter-Highlights 2014

(besser gesagt: einige meiner Highlights 2014)

1. „Das ist doch keine Story!“ I daut it! Anfang Juli bekam ich zum ersten Mal das legendäre Urlaubsvideo von Seriengründer Magnus Resch („Wohoooo! I daut it“) von einem Freund zugeschickt. Ich lachte kurz, zeigte das Video meinen Kollegen und damit war die Sache vergessen – vorerst zumindest. Denn das Video verbreitete sich so rasant, wie wir es nie für möglich gehalten hätten. Zu unserem Erstaunen griffen Radiosender, bekannte Schauspieler und massenweise Privatpersonen auf Youtube den Satz „I daut it!“ auf. Ein Kollege forderte mich auf, darüber einen Artikel zu schreiben – schließlich sei Magnus Resch bekannt in der Berliner Gründerszene. Ich weigerte mich zunächst: „Das ist doch keine Story!“, protestierte ich. Den Text schrieb ich dann trotzdem, weil schließlich sämtliche Redaktionskollegen dafür waren. Viele Freunde sprachen mich auf den Artikel an, er wurde tausendfach gelesen. Als ich mich noch im November eine alte Schulfreundin bei Facebook anschrieb und fragte: „Kennst du etwa den I-Daut-It-Typen?“, da wusste ich, dass es doch ein Story war.

2. Das Oli-Samwer-Phänomen. Immer wieder wird in den Kommentaren auf Gründerszene gemeckert: „Ihr schreibt zu viel über Rocket“, oder: „Berichtet doch nicht immer nur über Oliver Samwer!“ Gemoser hin oder her – gelesen werden die Texte immer von sehr vielen, das Interesse an Samwer ist offenbar ungebrochen. Ich habe den Rocket-CEO, der nur sehr selten öffentlich auftritt, zum ersten Mal auf der diesjährigen IdeaLab!-Konferenz an der WHU live gehört. Samwers Aussagen waren pointiert, direkt und rücksichtslos. Er brachte den ganzen Saal zum Lachen, die Zuhörer hingen an seinen Lippen. Plötzlich verstand ich, wie der Rocket-CEO Investoren in seinen Bann zieht und die besten Mitarbeiter für sich gewinnt.

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3. Ruby Knight. Wer kennt ihn nicht? Ruby Knight (zu deutsch: Rubin Ritter), den Helden der Finanzen von Zalando? Für unsere englische Schwesterseite VentureVillage musste mein Porträt von Zalando-Gründer Robert Gentz schnell übersetzt werden. Der externe Übersetzer nahm es mit der wörtlichen Übersetzung sehr genau und machte aus dem Namen des dritten Geschäftsführers, Rubin Ritter, kurzerhand Ruby Knight. Ich hatte den englischen Text nicht mehr gelesen – bis ich eine Mail vom Zalando-Pressesprecher bekam. Offenbar hat sich das ganze Team über den Fehler, der dann natürlich sofort korrigiert wurde, schlapp gelacht.

4. Delia Fischer als Bildschirm-Hintergrund. Es klingt wie ein Klischee, aber immer wieder stelle ich fest, dass Frauen in der Gründerszene weniger Selbstbewusstsein haben als Männer. Deswegen suchen sie nach Vorbildern, Orientierungspunkten und verbinden sich in Netzwerken, um Zusammenhalt zu schaffen. Eine junge Gründerin erzählte mir kürzlich, dass ein Foto von Westwing-Gründerin Delia Fischer den Bildschirmhintergrund auf ihrem Computer ziert. „Das motiviert mich, weil ich es auch einmal so weit bringen will wie sie!“, sagte sie. Ich habe auch deswegen 2014 viel über Gründerinnen und ihre Startups berichtet, weil ich überzeugt bin, dass man so andere Frauen inspiriert und ermutigt.

5. Die neuen Youtube-Stars. Bis vor wenigen Wochen habe ich nur selten Youtube-Videos angeschaut. Dann fing ich an, mich für einen Artikel mit der Szene zu beschäftigen. Stundenlang guckte ich Videos von Stars wie Daruum, Bibi oder Y-Titty. Im November war ich zum Pressetag von Studio71, dem Youtube-Netzwerk von ProSiebenSat.1, eingeladen. Vor Ort hatte ich ein Interview mit dem Gaming-Star Sarazar. Der 30-Jährige wollte vor dem Gespräch erst noch eine rauchen gehen. Wir standen im Innenhof vor dem Büroeingang und quatschten – als plötzlich ein Junge, schätzungsweise 15 Jahre alt, strahlend auf Sarazar zurannte. Er konnte sein Glück kaum fassen! Sarazar! Unglaublich! Der Junge war mit seinem Vater hunderte Kilometer gefahren, um ihn zu treffen. Den Tränen nahe vor Freude ließ er sich mit dem Gamer ablichten. Die TV-Stars sollten sich tatsächlich in Acht nehmen – der Hype um die Youtube-Stars ist nicht zu unterschätzen.

Bild: © panthermedia.net / Wolfgang Filser