An die 3.000 Artikel wurden 2014 auf Gründerszene veröffentlicht – News, Analysen, Features, Ortstermine, Kommentare, Fachbeiträge oder Interviews. Was hinter den Kulissen passierte, damit diese Artikel überhaupt zustande kamen, was Gründerszene-Redakteure während ihrer Arbeit Kurioses, Ärgerliches, Bemerkenswertes erlebten – das rekapitulieren sie zum Jahresende in einer Serie. Diesmal erzählt Lydia Skrabania, seit März Volontärin bei Gründerszene.

Meine Reporter-Highlights 2014

1. Die Geschäftsidee mit dem Klo. Startups, das sind junge Tech-Unternehmen mit hochinnovativen Geschäftsideen. Dachte ich an meinem ersten Tag bei Gründerszene. Mein erster, offizieller Gründerszene-Artikel drehte sich dann um eben solch ein junges Tech-Unternehmen, dessen hochinnovative Geschäftsidee die Vermietung privater Toiletten ist – via Smartphone-App natürlich. Der Name des US-Startups? Airpnp. Wofür die zwei Ps dabei stehen, dürfte klar sein. Nachdem sich der „Entrepeeneur“ erleichtert hat, kann er noch seine „pee experience“ und die Weichheit des vom Vermieter zur Verfügung gestellten Toilettenpapiers bewerten. Merke: In der Welt der Startups gibt es fast nichts, das es nicht gibt. Und das Schöne daran: Man nimmt sich dort nicht zu ernst.

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2. Expertin wider Willen. Ende März verkündete die Commerzbank den Launch ihres hauseigenen FinTech-Inkubators. Damit fing es wohl irgendwie an. Beim Verfassen des Artikels dazu hatte ich keine Vorstellung davon, wie groß das Thema im Jahr 2014 noch werden würde – und wie viele Interviews mit FinTech-Gründern ich noch führen würde. Nacheinander sprossen sie empor: Geldanlage-Startups, Kreditmarktplätze, Mobile-Payment-Dienste, Zins-Plattformen. Und ich wurde zur Expertin ernannt. Auf meinen Einwand hin, meine Expertise im Bereich FinTech sei ja gar nicht so ausgereift, hieß es: „Perfekt, dann bist du genau die Richtige dafür – und stellst die richtigen Fragen.“ Als nächstes werde ich Expertin für Quantentheorie.

3. Die liebe Technik. Prima Sache, wenn man während eines Interviews nicht hektisch mitkritzeln muss, sondern auf den Gesprächspartner eingehen, Fragen stellen und nachhaken kann. Weil man sich darauf verlässt, dass die Technik das schon für einen macht. Früher benutzte man zu diesem Zwecke ein Diktiergerät, heute ist so etwas längst kalter Kaffee. Jedes Mobiltelefon kann aufnehmen. Dumm nur, wenn die Technik gleich zu Beginn streikt – man aber so vertieft in das Gespräch ist, dass man den Patzer erst mitbekommt, wenn das Interview beendet ist. Mir so passiert bei einem 45-minütigen Gesprächstermin. Gut, dass mein Gegenüber so begeistert von seinem Startup war, dass er gerne einfach noch einmal 45 Minuten lang mit mir darüber sprechen wollte.

4. Das Ego- und das PR-Problem. Viele Gründer glauben fest an sich und ihr Startup. Das ist toll. Dann macht ein Interview richtig Spaß. Unangenehm wird es allerdings, wenn man zwei Seiten Interview fertig abgetippt und seinem Gesprächspartner noch einmal zur Freigabe gegeben hat – und fünf Seiten leeres PR-Gequatsche zurückbekommt, auf denen fast nichts mehr an das eigentliche Gespräch erinnert, der Text jedoch um ausschweifende Selbstbeweihräucherungen ergänzt wurde. Und um Formulierungen wie: „Unsere Ingenieure bringen durch ausgefeilte, noch nie dagewesene Technologie einen Automatisierungsprozess in Gange, der nicht nur den Endverbraucher glücklich macht, sondern auch jeden Unternehmer.“ Nein, ein Journalist ist kein PR-Sprachrohr.

5. Kommentare. Seit mehr als einem halben Jahr habe ich die Ehre, allwöchentlich das Format „Leserkommentare“ zusammenzustellen und durchkämme dazu freitags die Gründerszene-Artikel. Teilweise kommentiert die Leserschaft witzig, teilweise ignorant, teilweise intelligent. Und wie überall, wo öffentlich Meinung kundgetan werden darf, befinden sich auch unter den Gründerszene-Kommentatoren einige Trolle. Das muss wohl so sein. Erfrischend wird es aber immer dann, wenn sich aus haltlosem Gemecker eine intelligente und konstruktive Debatte entspinnt.

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