Run-a-Shop-Gründer Marius Schulze

Ein Beitrag von Martin Gardt, Redakteur bei Online Marketing Rockstars.

„Jedes Jahr fünfstellig zu wachsen, das schaffen ja nicht einmal Apple und Google“, sagt Marius Schulze. Er hat das Run a Shop gemeinsam mit Friedrich Neuman 2012 gegründet. Das Unternehmen betreibt in 20 Ländern Preissuchmaschinen und ein weltweites Netzwerk aus Publishern, die Preisvergleiche als Werbewidget auf ihrer Seite einbauen können. Run a Shop vergoldet den Traffic, den es von den Publishern und den eigenen Preisvergleichsseiten zu den Online-Shops schleust – auf Provisionsbasis.

Schulze sieht Run a Shop trotzdem weniger als klassisches Affiliate-Netzwerk à la Affilinet, Zanox und Co., sondern vergleicht es mit Trafficbrokern. „Wir kontrollieren den Traffic dabei größtenteils selbst“, erklärt er. Anders als klassische Affiliate-Netzwerke suche sich Run a Shop die Trafficbringer (Publisher) sehr genau aus und minimiere so das Risiko für Shopbetreiber, für minderwertige Nutzer zu zahlen, die klicken, aber nicht kaufen.

Partner und Konkurrent zugleich

In den ersten zwei Jahren haben die Gründer das Unternehmen zu 70.000 Prozent Wachstum geführt – sie haben ja auch bei Null angefangen. Dazu kamen zu Beginn wahrscheinlich hohe Traffic-Akquisitionskosten (etwa per Google Adwords), mittlerweile läuft das Geschäft aber sehr anständig, schon 2013 lag das Jahresergebnis bei über 1,5 Millionen Euro. Hohe Traffic-Zahlen schafft Run a Shop heute, weil es weltweit agiert und eigene Publishing-Angebote im Programm hat. Das Unternehmen ist in über 20 Ländern aktiv und betreibt Produktsuchmaschinen wie Sale-fire.com und Soldeshop.fr. Die Angebote werden offenbar zentral von der Suchmaschine Reduto bespielt. Die deutsche Version dieser Seite ist wohl erst seit Dezember 2015 online, erreichte aber in diesem Monat laut Analyse-Tool Similar Web schon 120.000 Visits – im Januar 2016 waren es schon über 620.000.
Die Entwicklung der Visits von Reduto.de (Quelle: Similar Web)

Die Entwicklung der Visits von Reduto.de (Quelle: Similar Web)

Woher kommt der Traffic? „Wie bei allen größeren Anbietern in diesem Bereich ist die wichtigste Trafficquelle Google“, sagt Schulze. „Komplettiert wird dieser Mix durch Social-, E-Mail- und App-Traffic.“ Run a Shop kauft zumindest bei Google auch Traffic ein. Diesen schickt das Unternehmen dann zu seinen Preissuchmaschinen und verdient dann durch die Affiliate-Provisionen. Weil sich das Startup mit den Preisportalen direkt an den Endkunden wendet, begreift Gründer Schulze sein Projekt aber weniger als Affiliate-Netzwerk, sondern eher als Konkurrent zu anderen Plattformen, die den Kunden auf der Customer Journey begegnen.

„Zu allererst ist natürlich Google Shopping zu nennen, aber auch jeder andere Akteur am Markt, der dem Endkunden E-Commerce-Inventar zugänglich macht“, erklärt Schulze. „Sei es direkt wie beispielsweise Ebay, Amazon, Otto oder indirekt wie Idealo, Ladenzeile oder Billiger.“ Gleichzeitig sind Anbieter wie Ebay, Amazon, Rakuten (japanischer Onlineshop) und Billiger Partner von Run a Shop. Insgesamt versorge man mehrere tausend Shops mit Traffic.

Publishing-Netzwerke für zusätzlichen Traffic

Auf der anderen Seite stehen Blog- und Webseitenbetreiber, die Teil des „Publisher Networks“ sind. Wer Inhalte erstellt und mit Run a Shop Anzeigen auf der eigenen Seite schalten möchte, muss sich allerdings bewerben. „In wohl keinem Bereich gilt das Pareto-Prinzip mehr als im Affiliate-Marketing“ sagt Marius Schulze. „Das heißt, dass wenige Partner den Großteil des Umsatzes bringen.“ Deshalb arbeite sein Unternehmen nur mit wenigen Publishern zusammen, von denen Run a Shop pro Monat 100.000 Klicks auf die Affiliate-Links erwartet.

Insgesamt liegt der Traffic, der von den Publishern kommt aber wohl unter dem von eigenen Run-a-Shop-Webseiten: „Wir kontrollieren den Großteil des Netzwerk-Traffics selbst und bauen den Anteil über Partner stetig aus“, erklärt Schulze. Von anderen Monetarisierungsmöglichkeiten für Publisher wollen sich sein Geschäftspartner Friedrich Neuman und er über die unkomplizierte Einbindung und Nutzung abgrenzen.

Die verschiedenen Widgets für die Publishing-Partner von Run a Shop. (Quelle: Run a Shop)

Die verschiedenen Widgets für die Publishing-Partner von Run a Shop. (Quelle: Run a Shop)

Spezialisierte Publisher (etwa Thema Wohnen, Mode, Spielzeug etc.) können die Anzeigen von Run a Shop über die API des Startups auf der eigenen Seite einbinden – ohne besondere Programmierkenntnisse. Diese können nach Thema, Keyword oder Rabatt ausgewählt werden. Wer also einen Wohnblog betreibt, kann die Kategorie „Wohnen“ wählen und zeigt seinen Lesern dann verschiedene Möbelstücke, oder er entscheidet sich für die Keyword-Variante. Hier erkennt der Run-a-Shop-Algorithmus, um welches Thema es im Artikel geht und zeigt automatisiert passende Produkte.

Man kann sich vorstellen, wie gut das in bestimmten Artikelformen funktioniert. Wenn ein Wohnblogger beispielsweise fünf Sofas vorstellt und diese dann in einem Preisvergleichs-Widget unter dem Artikel auftauchen, dürfte die einfache Weiterleitung zu verschiedenen Shops viele Nutzer zum Klick verleiten.

Hunderttausende Euro pro Mitarbeiter

Die typische Run-a-Shop-Anzeige ähnelt typischen Preisvergleichen. So muss sich der Publisher nicht um einzelne Kampagnen und Anbieter kümmern, sondern schickt seine Besucher einfach bei Kaufinteresse zum günstigsten Angebot. Aber wieviel kassieren Publisher? „Hier eine pauschale Aussage zu treffen, ist nicht möglich“, meint Gründer Marius Schulze. „Hauptsächlich wird der CPC im wesentlichen durch die Faktoren Markt, Kategorie, Produkt, Conversionrate und Saisonalität bestimmt. Die Schwankungsbreite ist immens und kann von wenigen Cents bis hin zu drei bis vier Euro rangieren.“

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Run a Shop hat dabei großes Interesse, dass die Nutzer nicht nur bei den Shops landen, sondern auch kaufen. „Unser Geschäftsmodell ist rein erfolgsbasiert“, sagt Schulze. Das Unternehmen erhalte eine Kommission, die unterschiedlich hoch sei. „Manche Händler zahlen einen CPC, messen die Conversion und bestimmen die Auszahlung anhand der gelieferten Trafficqualität, andere zahlen einen fixen CPO.“

Der Umsatz von Run a Shop soll im letzten Jahr bei mehreren Hunderttausend Euro pro Mitarbeiter gelegen haben. Derzeit arbeiten über 20 Mitarbeiter für das Berliner Unternehmen, insgesamt dürfte der Umsatz also deutlich siebenstellig sein. Nach dem rasanten Wachstum bis 2014 gab es seitdem keine groß verkündeten Zahlen mehr. Trotzdem scheint auch das letzte Jahr nicht allzu schlecht gelaufen zu sein. Im Gründerszene-Ranking der am schnellsten wachsenden Startups in Deutschland landete Run a Shop auf Platz 29. Ein Problem für das Unternehmen scheint noch der mobile Markt zu sein. Deshalb sei eines der großen Ziele, 2016 die Reichweite auf Smartphones zu steigern.

Mit den Gewinnen von Run a Shop neue Projekte anschieben

Die beiden Gründer haben ihr Unternehmen ohne fremdes Kapital aufgebaut und investieren die Umsätze nicht nur in das eine Unternehmen, sondern bauen mehrere Startups mit auf. Im Portfolio ihres Company Builders Makers  stehen Perdoo, Bidderplace, Brandnew.io und weitere, die sich unterschiedlichen Bereichen des digitalen Marketings widmen. Sie wollen mit dem Inkubator Gründer mit Investments und Know-how versorgen und so helfen, ihr Business aufzubauen.

Run a Shop ist also nicht das einzige Projekt von Marius Schulze und Friedrich Neumann, derzeit aber auf jeden Fall Umsatzbringer Nummer 1. Momentan scheint das Unternehmen vor allem in den USA und Großbritannien Traffic zu den Shops zu schieben – wohl auch ein Grund, warum Run a Shop in Deutschland  ein bisschen unter dem Radar fliegt.

 Dieser Artikel erschien zuerst bei Online Marketing Rockstars.

Bild: Max Threlfall