Sie schafften eine echte Erfolgsgeschichte: die Runtastic-Gründer Christian Kaar, Alfred Luger, Florian Gschwandtner und René Giretzlehner (v.l.n.r.)

Florian Gschwandtner lebt Fitness. Das sieht man ihm auch an. Sein Runtastic-Profil ist öffentlich. Der CEO und Frontmann der österreichischen App-Schmiede hat verstanden, dass man sich mit dem eigenen Produkt identifizieren muss – und wie authentische Öffentlichkeitsarbeit funktioniert.

Auch innerhalb seines Unternehmens hat er sich etwas besonderes ausgedacht: den DONI – Day Of New Ideas. Jeden ersten Donnerstag im Monat kommen alle zusammen, es werden Ideen präsentiert, alles auf Englisch. Und Bier wird auch getrunken, wie der Runtastic-Chef dem Wirtschaftsblatt verriet. Dieser Innovationstag halte die Mannschaft zusammen.

G Tipp – Lesenswert bei Gründerszene Adidas kauft Runtastic für 220 Millionen Euro

Die Erfolgsgeschichte von Runtastic, das heute ein ganzes Sortiment an Fitness-Apps anbietet, begann vor sechs Jahren: Die Gründer Florian Gschwandtner, Christian Kaar, Alfred Luger und René Giretzlehner lernen sich beim Studium „Mobile Computing“ an der FH Hagenberg kennen. Wir haben zusammengefasst, was danach passierte:

Oktober 2009: Die vier gründen im österreichischen Linz das Startup Runtastic. Zielgruppe: technologieaffine Läufer, die ihre Trainingsroutine mittels App verfolgen wollen. Anfangs hatten die Gründer den Plan, in Städten wie Wien fixe Laufstrecken zu installieren, entlang derer die Läufer mit Mikrochips ihre Trainingsdaten aufzeichnen konnten. Von dieser Idee kamen Gschwandtner & Co. aber bald ab – schon aufgrund der notwendigen Genehmigungsflut. Um Runtastic zu finanzieren, entwickeln die Jungunternehmer im Tagesgeschäft Businessanwendungen für Dritte, parallel dazu bastelten sie an ihrem neuartigen Produkt für hightech-affine Fitnessfans.

Anfang 2010: Erste Investoren bekunden ihr Interesse, aber das Unternehmen sieht sich schon gut aufgestellt. Um für Auftraggeber klare Verhältnisse zu schaffen, wird die Entwicklerfirma „All About Apps“ von Runtastic getrennt.

Januar 2011: Die Business Angels Bernhard Lehner, Alexander Igelsböck und Stefan Kalteis steigen bei dem Linzer Jungunternehmen ein.

Mitte 2011: Das junge Unternehmen erreicht einen wichtigen Meilenstein und ist nach eigenen Angaben „Cash-flow positiv”.

Oktober 2011: Als weiterer Investor kommt Michael Grabner hinzu, ehemaliger Geschäftsführer der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck.

Anzeige
Ende 2011: Runtastic hat einen ersten Mitarbeiter im Silicon Valley. „Wir sind auch in ständigen Gesprächen mit Google und Apple und pflegen, würde ich sagen, einen guten Kontakt“, sagt Gschwandtner damals. Um diesen noch zu intensivieren, will der Runtastic-Chef selbst für einige Monate in die USA gehen. Anfang 2012 wird das Büro in San Francisco offiziell eröffnet.

März 2012: Nach der Smartphone-App kommt nun die eigene Hardware, die das Unternehmen im eigenen Online-Shop und über den Fachhandel vertreibt. Für die Zielgruppe ohne Smartphone gibt es eine GPS-Uhr; daneben bietet Runtastic noch einen Empfänger und ein Armband. In der Entwicklung der Hardware stecken zwei Jahre Nutzerfeedback, verrät Gschwandtner.

Mai 2012: Auch der bekannte österreichische Business Angel Johann „Hansi“ Hansmann engagiert sich bei der Fitness-App-Schmiede.

Herbst 2012: War Runtastic bislang ein reiner Outdoor-Anbieter, gibt es nun auch Apps für den Indoor-Bereich.

Oktober 2013: Der Medienkonzern Axel Springer übernimmt 50,1 Prozent der Anteile an Runtastic. Unternehmensbewertung: 22 Millionen Euro. Die Gründer bleiben Gesellschafter und Geschäftsführer. Auch Hansi Hansmann bleibt als Mitgesellschafter an Bord. Die Altinvestoren Lehner und Igelsböck vom Wiener Inkubator i5invest sowie Stefan Kalteis und Michael Grabner verkaufen ihre Anteile. „Wir machen weiter unser eigenes Produkt,“ sagt Gschwandtner im Gespräch mit Gründerszene.

Januar 2014: Wir fragen Florian Gschwandtner, was er 2014 lernen will. Er sagt: „Eine Woche lang keine E-Mails checken und mal schauen, ob sich die Welt doch noch weiter dreht.“

Oktober 2014: Das österreichische Unternehmen ist nach eigenen Angaben auf 100 Mitarbeiter aus 20 Nationen angewachsen.

Januar 2015: Runtastic meldet mehr als 100 Millionen App-Downloads. Fortan soll Runtastic verstärkt in den USA, Asien und Brasilien wachsen, erklärt Marketing-Chef Johannes Knoll.

August 2015: Adidas übernimmt Runtastic – für stattliche 220 Millionen Euro. Das bedeutet bei 70 Millionen registrierten Nutzern etwas mehr als drei Euro pro Nutzer. Insgesamt 140 Millionen mal wurden die Runtastic-Apps nach eigenen Angaben heruntergeladen. Mit den Apps und dem 130-köpfigen Team des österreichischen Jungunternehmens will der Sportartikelhersteller sein eigenes Angebot ausweiten. Aber auch an der Marke und dem jungen, modernen Image dürfte das bayerische Großunternehmen interessiert sein. Die Gründer sollen innerhalb der Adidas-Gruppe weiterhin die Geschäfte von Runtastic leiten.

Bild: Runtastic