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Die Safe-Macher: Marius Blaesing (links) und Christian Wiens

Safe vergleicht sich mit Uber

Versicherungsvertreter zählen laut Studie des GfK Vereins zu den unbeliebtesten Berufsgruppen in Deutschland – lediglich Politiker schnitten in der Umfrage noch schlechter ab. Zudem befindet sich die Branche im digitalen Wandel. Die App Safe knüpft hier an und bietet eine One-Stop-Lösung für den Versicherungsbereich, indem sie etwa Versicherungsunterlagen in die App überträgt und Sparpotenziale erkennt. Die Macher, Marius Blaesing (Peakdrive-Gründer) und Christian Wiens (Gourmeo- und PlanForward-Gründer), könnten mit ihrer App viele Versicherungsvertreter obsolet machen – und stoßen entsprechend auf Gegenwehr. Wiens im Kurzinterview über Vertreter, Regulierungen und den Vergleich zu Uber.

Hallo Christian, was macht Safe genau?

Normalerweise lagern Versicherungen in Aktenordnern. Mit der App lassen sich diese und auch zukünftige Schreiben leicht übertragen und verwalten, da wir eine Anbindung an die Versicherer haben. Safe ist eine Art Schaltzentrale: Man kann unter anderem Schäden melden oder Tarife wechseln und braucht keinen Vertreter mehr.

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Die Versicherungskompetenz wird euch ja derzeit von vielen Vermittlern abgesprochen.

Wir haben genauso eine Makler-Lizenz wie auch andere Vermittler. Wir sind rechtlich gleichgestellt und haben genauso viel Erfahrung. Das Problem ist einzig der Konkurrenzgedanke, weil wir die derzeit etwa 300.000 Vermittler in Deutschland verdrängen könnten. Wir können mit unserer App alles abbilden und bieten gleichzeitig einen Kundenservice. Vielen ist gar nicht bewusst, wie weitreichend die App ist und verstehen nicht, dass es eine One-Stop-Lösung für Kunden ist. Wir können genau das, was auch ein Makler kann – und sogar besser und kundenfreundlicher.

Du sprichst vom potenziellen Stellenabbau von hunderttausenden Arbeitsplätzen. Ist eine Koexistenz möglich?

Eine Koexistenz wird definitiv da sein. Es wird zwar Rationalisierungen geben, aber die gab es auch schon die letzten Jahre. Man muss sich aber auch fragen: Sind das Leute, die man wirklich braucht, weil sie einem Kunden wirklich etwas bringen? Es würde wohl keinem Bürger wirklich Leid tun, wenn es weniger Versicherungsvertreter gäbe.

Wie gehen die Versicherungskonzerne mit diesem Thema um?

Sie kontaktieren uns und sind sehr an der Lösung interessiert. Gleichzeitig haben sie interne Probleme, da sie offline viele Vertreter haben. Die Digitalisierung verdrängt natürlich Arbeitskräfte. Gleichzeitig gibt es natürlich auch ältere Kunden, die offline bedient werden müssen.

Du selbst siehst Parallen zu Uber. Wegen des Widerstands der Lobby oder wegen des disruptiven Ansatzes?

Das hängt natürlich zusammen. Wir erhalten regelmäßig Nachrichten von Maklern – von sachlich bis unter der Gürtellinie. Die App ist in verschiedenen Foren und Gruppen derzeit Gesprächsthema Nummer eins. Das sind aber erst die Anfänge, wir sind noch nicht lange an die Öffentlichkeit getreten. Es wird auch nicht einhundertprozentig gleich zu Uber verlaufen – die Themen Marktverdrängung, Technology-enabled, Service und Lobby sind ähnlich. Beispielsweise sind Berliner Taxifahrer nicht gerade die freundlichsten und genauso ist es in der Versicherungsbranche: Die Versicherungsvermittler punkten durch Verkauf – aber nicht durch Service. Sie haben sich ihr Grab quasi selbst geschaufelt.

Der Taxi-Markt ist streng reguliert. Wie sieht es da in der Versicherungsbranche aus?

Wir haben nicht mit Verboten zu kämpfen, wobei es wohl auch Klagen geben wird. Wir haben deshalb viel mit Rechtsanwälten zusammengearbeitet. Beispielsweise kann bei uns alles über die App gemacht werden, ohne Unterschrift, ohne einen Stift in die Hand zu nehmen. Wir bewegen uns da sicher an der Grenze zwischen Grün- und Grauzone. Der Gesetzgeber hat in den letzten Jahren aber Vieles auf die Digitalwirtschaft ausgerichtet, daher ist unser Ansatz zu hundert Prozent sauber.

Du hast also also keine Angst, dass euer Startup in den nächsten Monaten auf Grund einer wechselnden Gesetzeslage verboten werden könnte?

Nein, das denke ich nicht. Aber wir werden auf massiven Widerstand stoßen.

Christian, danke für das Gespräch.

Bild: Safe