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Lieferflotte aufbauen, Fahrer bezahlen und Software entwickeln – das Geschäft mit Lieferungen am selben Tag ist kompliziert und teuer. Die Startups, die sich auf dem Markt behaupten wollen, müssen außerdem gegen mächtige Konzerne antreten.

Gegen diese Konkurrenz rüsten sich deutsche Liefer-Startups mit strategischer Unterstützung. Bei Tiramizoo hat vor kurzem unter anderem Daimler seinen Anteil erhöht, außerdem ist der Ölriese Shell mit einer unbekannten Investmentsumme eingestiegen. Der Paketdienst DPD ist ebenfalls an Bord. Knapp 60 Prozent des Münchner Startups gehört nun Konzernen. Wie nun vor einigen Tagen bekannt wurde, hat außerdem das Frankfurter Startup Liefery die Mehrheit an den Paketzusteller Hermes verkauft.

Doch warum wächst in Deutschland kein VC-finanzierter Player heran? In dem US-amerikanischen Online-Lebensmittel-Lieferservice Instacart stecken beispielsweise mehr als eine halbe Milliarde Dollar Wagniskapital von bekannten Risikokapitalgebern wie Sequoia und Kleiner Perkins.

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„In dem Markt gibt es einfach zu viel Druck von außen“, sagt ein Frühphasen-Investor, der sich beide Unternehmen angeschaut hat und ungenannt bleiben will. Mit Amazon, UPS oder Google würde es kapitalstarke Player geben, die das Marktsegment in Deutschland entern könnten. Ein anderer Brancheninsider sagt: „Es sind Summen nötig, die VCs in Deutschland nicht investieren würden.“ Mehrere hundert Millionen Euro seien nicht einfach verfügbar.

Zugang zu den Händlern

Das Geschäft ist teuer. „Je kurzfristiger die Ware beim Kunden sein soll, umso höher sind natürlich die Kosten für die entsprechende Lieferung“, sagt Logistik-Experte Christian Milster vom E-Commerce-Verband BEVH. Ein Faktor: Die Ware müsse entweder vor vorn herein näher am Endkunden gelagert oder noch schneller zu ihm transportiert werden. Entscheidend sei, wer die Mehrkosten trage: „Übernimmt der Händler oder werden sie an den Kunden weitergegeben?“

Zu ihren aktuellen Umsätzen und dem Kapitalbedarf geben sich das 2010 gegründete Tiramizoo und das Mitte 2014 gestartete Liefery schweigsam. Laut Bundesanzeiger belief sich bei Liefery 2015 der Jahresfehlbetrag auf etwa 3,4 Millionen Euro, bei Tiramizoo waren es etwa 980.000 Euro. Seitdem sind die Unternehmen stark gewachsen – und könnten dafür weiter viel Kapital verbrannt haben.

Aber nicht nur das Geld ist in diesem Markt entscheidend. Das Münchner Startup Tiramizoo sieht einen Vorteil bei seinen strategischen Partnern: „Es scheint sich abzuzeichnen, dass ein Startup im Bereich Same Day Delivery und Tourenoptimierung beispielweise von einem großen Paketdienstleister profitiert“, so Geschäftsführer Thomas Bluth gegenüber Gründerszene. Die Paketdienstleister hätten die Lieferungen, die man in Zukunft mit dem Same-Day-Delivery-Service kombinieren könne. Außerdem haben sie bestehende Kundenbeziehungen in den Handel.

Für Konzerne gibt es ebenfalls gute Gründe, sich bei den Startups einzukaufen: „Sie haben einen großen Bedarf, sich Innovationen reinzutanken“, so ein Branchenkenner.

Amazon hat gezeigt, dass es geht

Dass sich Same Day Delivery auch in Deutschland etabliert, da sind sich die Experten sicher. „Kunden setzen mittlerweile die taggleiche Lieferung voraus“, sagt Logistik-Experte Milster. „Große Player bieten diesen Service häufig entweder kostenfrei oder günstig an und haben ihn damit massentauglich gemacht.“ Als Erfolgsbeispiel in der Branche gilt der Service Amazon Prime Now – mit einer Lieferung innerhalb von ein bis zwei Stunden.

Da will Liefery in Deutschland mithalten. Das Startup gibt an, mittlerweile in 60 Städten aktiv zu sein und zurzeit 500.000 Sendungen monatlich zu liefern – das wären mehr als 270 Sendungen pro Tag und Stadt. „Wir wachsen mit über 20 Prozent pro Monat“, sagt Mitgründer Franz-Josef Miller. „Abhängig von der Wachstumsgeschwindigkeit planen wir ab 2018 profitabel zu sein.“ Tiramizoo hält sich zu den Zahlen eher bedeckt. Von Geschäftsführer Bluth heißt es nur: „Wir sind noch nicht profitabel, so wie alle anderen im Bereich Same Day Delivery.“

Ein Indiz dafür, wie herausfordernd der Markt ist, zeigt sich in dem Strategieschwenk von Tiramizoo: Das Startup will künftig weniger Fahrer beschäftigen und vor allem zum Software-Anbieter für Lösungen im Bereich Same Day Delivery werden. Ein Schritt in ein weniger riskantes Geschäft, das außerdem stärker skalierbar ist als eine Fahrerflotte.

Bild: Liefery