Samwer-Brüder, Alexander Samwer, Marc Samwer, Oliver Samwer

Sie dürfen zu den aktivsten Investoren Schrägstrich Gründern in der deutschen Webszene gezählt werden und gleichzeitig ranken sich bald ebenso viele Negativ-Mythen um sie wie erfolgreiche Exits auf ihrer Habenseite verzeichnet sind: Alexander, Marc und Oliver Samwer haben an mehr Internet-StartUps in Deutschland partizipiert als sonst ein Unternehmer. Ein Artikel im Manager Magazin greift die Geschichte der drei Brüder noch einmal kontrovers auf und heizt Diskussionen an – Grund genug für Gründerszene, den Werdegang der drei Brüder noch einmal stichpunktartig nach zu vollziehen.

Die Anfangszeit – Von Alando über Jamba bis heute

  • Alando, 1999: Zusammen mit Jörg Rheinboldt, Max Finger und Karel Dörner gründen die Samwers das Online-Auktionshaus Alando, nachdem sie zuvor in den USA waren und sich verschiedene Internet-Modelle anschauten. Nach gerade mal rund sechs Monaten verkaufte das Gründerteam Alando an das Unternehmen, das sie selbst kopiert hatten: eBay übernahm Alando für stolze 50 Millionen D-Mark – der erste Exit der Samwers war geboren. Im Nachhinein bereute zumindest Oliver Samwer diesen Schritt, sei das Unternehmen doch angesichts des massiven Wachstums des Konzepts zu früh verkauft worden. Ebay-Gründer Pierre Omidyar soll laut “Stars des Internets” zum Verkauf sogar noch eine E-Mail der Samwer-Brüder mitgebracht haben, in der die drei Brüder den Aufbau eines eBay-Deutschlandablegers angeboten hatten – Zitat Omidyar: “Wenn wir aufmerksamer unseren Job gemacht hätten, hätten wir drei euch auch billiger haben können”.
  • Jamba!, 2000: Im Jahr 2000 gründeten die drei Brüder Marc, Oliver und Alexander Samwer unter dem Namen Jamba! zusammen mit dem Handelskonzern Metro und dem Telekommunikationsdienstleister debitel einen Klingeltonanbieter, der zunächst ein Marktplatz für mobile Inhalte werden sollte, schon bald aber auf das lukrative Klingeltongeschäft umsattelte. Namentlich wohl von der amerikanischen Saftkette “Jamba Juice” abgekupfert, geriet Jamba! schon bald in den Ruf, mit Sparabos, die wie einzelne Downloads daher kamen, junge Benutzer bei MTV und VIVA hinter’s Licht zu führen. Wirtschaftlich tat dies keinen Abbruch: Vier Jahre nach der Gründung übernahm der US-Kommunikationskonzern Verisign den kontroversen Klingeltonanbieter für stattliche 273 Millionen US-Dollar, ein weiterer stolzer Exit für die drei Brüder aus Köln. Im Oktober 2008 wurde Jamba! dann von Rupert Murdochs News Corporation übernommen und in Fox Mobile Distribution GmbH umbenannt. Was folgte war der Niedergang des Klingeltonanbieters, ging Jamba! doch mit dem Aufkommen von Smartphones und fortschrittlicheren Handys das Geschäftsmodell verloren. Einer Massenentlassung Anfang 2010 schloss sich eine weitere Umbenennung in Jesta Digital an, nachdem Newscorp Anfang 2011 Jamba an die Jesta Group – wohl mit deutlichem Verlust – verkaufte. Zuletzt reduzierte Jamba! erneut seine Mitarbeiter und dürfte auf Dauer mangels Geschäftsmodell eher in verschiedene kleine Divisionen zerschlagen werden. Ein eher bitterer Verlauf nach potentem Exit für die Samwer-Brüder.

European Founders Fund – Vom Gründer zum Investor

  • European Founders Fund, 2008: Nach zwei erfolgreichen Exits riefen die Samwers mit dem European Founders Fund (www.europeanfounders.com) – kurz EFF – im Jahr 2008 ein Vehikel ins Leben, mit dem sie die Seiten wechseln konnten und von Gründern zu Investoren wurden. Seither finanzierten sie mit dem EFF Unternehmen wie Bigpoint (www.bigpoint.net), Lokalisten oder MyVideo (www.myvideo.de). Sicherlich wurde hier (wie in der Branche üblich) auch das ein oder andere private Investment der Samwer-Brüder in der Portfolio-Übersicht aufgelistet, insgesamt wurde der European Founders Fund aber zum hauptsächlichen Investitionsvehikel der Jamba-Brüder.
  • “Inspiration” aus den USA: Auch beim EFF blieben die Samwer-Brüder ihrem Kopiermotto treu und ließen sich namentlich in den USA inspierieren: Beim Founders Fund dürfte es mäßig gut angekommen sein, dass die drei Brüder aus Deutschland sich zur Namensfindung bei dem VC bedienten, zu dem auch Facebook-Investor Sean Parker zählt, und einfach ein “European” vor den Namen setzten.
  • United Internet finanziert den EFF: Geldgeber der EFF-Fonds wurde vor allem United Internet (Web.de, 1&1). In 2008 hat United Internet 24,4 Millionen Euro in den EFF Nr. 1 für Beteiligungen an jungen Internet- und Technologieunternehmen investiert. Im Rahmen der vollkonsolidierten Fonds EFF Nr. 2 und EFF Nr. 3 wurden 24,5 Millionen Euro bzw. 50,1 Millionen Euro in Portfolio-Unternehmen investiert. In Summe brachte es der EFF so über alle seine Investment-Vehikel also auf 100 Millionen Euro aus den Taschen von United Internet. Nachzulesen sind diese Beteiligungen in den Geschäftsberichten von United Internet.
  • Mitreden darf United Internet aber nicht: Im Rahmen der drei EFF-Fonds wurden zum 31. Dezember 2009 insgesamt 69 Beteiligungen gehalten und obwohl United Internet an den Fondsgesellschaften jeweils die deutliche Mehrheit hielt (66,67 Prozent von EFF Nr. 1, 90 Prozent von EFF Nr. 2 und 80 Prozent von EFF Nr. 3) konnte der Konzern gemäß Gesellschaftsvertrag keinen beherrschenden Einfluss, sondern nur einen maßgeblichen Einfluss bei den EFF Nr. 1 Gesellschaften ausüben. Auch wenn sich United Internet den Tagesaufwand wohl vom Hals halten will, ein etwas skurriles Konstrukt, bei dem United Internet zwei Drittel der Anteile besaß und doch keine Kontrolle ausüben konnte.
  • United Internet auch als Geldgeber von Rocket Internet: Durch seine Anteile am European Founders Fund I ist United Internet auch an Rocket Internet beteiligt, dem Inkubator, den die Samwers 2007 an den Start brachten.

Rocket Internet – Gründungen am Fließband

Social-Network-Exits: StudiVZ, Lokalisten, Facebook

  • Lokalisten, 2006-2008: Das vor allem in Süddeutschland erfolgreiche Soziale Netzwerk Lokalisten (www.lokalisten.de) veräußerten Alexander, Marc und Oliver Samwer gemeinsam mit einigen anderen Investoren zwischen 2006 und 2008 an ProSiebenSat.1, das seine mediale Reichweite nutzte, um das Produkt für eine breite Masse präsent zu machen. Kurz nach dem Verkauf begann Lokalisten dann gegen die deutsche Konkurrenz – allen voran StudiVZ – an Boden zu verlieren.
  • StudiVZ, 2007: Am bis heute viel diskutierten 85-Millionen-Exit von StudiVZ (www.studivz.net) an Holtzbrinck waren die drei Samweraner ebenfalls beteiligt. Geschickt vermochten sie es, das Markthoch von StudiVZ für einen Bieterkampf zwischen Holtzbrinck und Springer-Chef Mathias Döpfner auszunutzen. Bei 85 Millionen Euro stieg Döpfner aus – wohl zu seinem Vorteil, der StudiVZ-Kauf gilt seither in der Szene als eine der größten Fehlinvestitionen, standen Preis und Nutzen für Holtzbrinck doch in keinem Verhältnis. Gerüchten zufolge, soll es nur zu dem Verkauf an Holtzbrinck gekommen sein, weil den Samwer-Brüdern dafür Anteile an Parship zuteil wurden – ein Setup, von dem die anderen Investoren nichts wussten, das sich bisher aber auch nicht belegen ließ. Besonders heikel: Mit eDarling gründeten die drei Brüder später selbst eine Partnervermittlungsseite, bei der das Wissen der Parship-Beteiligung behilflich gewesen sein dürfte. Glaubt man dem Manager Magazin, wollten sich auch die ehemaligen Hexal-Eigner Andreas und Thomas Strüngmann an StudiVZ beteiligen, erhielten die unter anderem dafür an die Samwers überwiesenen zehn Millionen Euro wohl aber kurz vor dem erfolgreichen StudiVZ-Exit zurück – das Geld wurde nicht gebraucht. Eine “Eskapade” soll laut StudiVZ-Gründer Ehssan Dariani der Exitvertrag, gewesen sein, bei dem Holtzbrinck und die Samwers dem Gründer-Team übel mitgespielt haben sollen, weshalb sich Dariani seitdem in Gerichtsverhandlungen befinden soll.
  • Facebook, 2008: Auch am weltweit größten Social-Network Facebook brachten es Alexander, Marc und Oliver Samwer auf eine Beteiligung. Kurz nach dem Verkauf von StudiVZ wurden die drei Brüder Anfang 2008 Teil der Investorenrunde von Facebook und dürften ihr Wissen um die StudiVZ-Interna angewendet haben, um Facebook bei seiner europäischen Expansion zu helfen. Erst vor kurzem verkauften die drei nun ihre Facebook-Anteile. Wie viele Anteile genau die Samwers bei Facebook hielten, ist unklar, es sollen aber weniger als die 1,6 Prozent von Microsoft gewesen sein, für die der Softwarehersteller 240 Millionen US-Dollar gezahlt hatte. Eingestiegen sind die Samwer-Brüder bei einer Bewertung von 15 Milliarden US-Dollar – aktuell wird Facebook mit rund 50 Milliarden US-Dollar bewertet. Angesichts dessen, dass Facebook zu den erfolgreichsten und am schnellsten wachsenden Webseiten der Welt zählt, ist eine Verdreifachung des getätigten Investments über drei Jahre doch recht enttäuschend. Vor allem mit Hinblick darauf, dass die Samwers in der Szene bisher hinter vorgehaltener Hand immer davon gesprochen haben, einen “Sonderdeal” unter der 15-Milliarden-Bewertung bekommen zu haben. Mit Google- oder Amazon-Aktien hätten die sonst so erfolgreichen Brüder wohl ähnlich viel verdient. Aber: “Wir haben unsere Anteile an Facebook verkauft, weil wir uns auf den Frühphasen- und Wachstumsbereich konzentrieren”, meint Oliver Samwer gegenüber dem Manager Magazin zum Ausstieg.

Das Kapitel Groupon CityDeal

  • (Groupon) CityDeal, 2010: Das Jahr 2010 stand komplett unter dem Zeichen der Couponing-Seite Groupon. Jeden Tag lockt dort ein neuer Deal zu günstigen Preisen, wenn denn genug Abnehmer zusammen kommen und auch die Samwer-Brüder schickten mit CityDeal (www.groupon.de) einen Klon ins deutsche Copycat-Rennen. Nach und nach reduzierte sich die Anzahl der zu Beginn rund zehn Klone und CityDeal landet den größten Paukenschlag, als es im Mai 2010 durch Vorbild Groupon übernommen wird.
  • Übernahme durch Groupon: Im Gegenzug sollen die drei Klingeltonbrüder mit geschätzten sieben bis zehn Prozent an Groupon beteiligt worden sein, was nach aktueller Bewertung einer Exit-Summe von bis zu 750 Millionen Euro entsprechen würde. Seither ist das ehemals als Mycitydeal gestartete Groupon-Geschäft einer der Hauptarme des Samwer’schen Internetkonglomerats, führen die drei Brüder doch für Groupon die Europa- und Asien-Expansion aus. Während der Ausbau in Europa unter Einsatz massiver Marketingmaßnahmen viel versprechend gelingt, hat der Samwer-Clan in Asien einige Probleme.
  • Massenentlassungen: Doch wo viel Licht ist, da ist auch Schatten: Kurz nach seinem Verkauf entlässt das groß aufgeblähte CityDeal – mit 600 Mitarbeitern hatte das Unternehmen aus Berlin doppelt so viele Mitarbeiter für Europa wie Vorbild Groupon für den größeren US-Markt – einen Großteil seiner Mitarbeiter, spricht selbst jedoch nur von Entlassungen um vier Prozent. Damit kamen viele der Angestellten aber womöglich weiter als die beiden Mitgründer Sebastian Jost und Albert Schwarzmeier, die schon kurz nach der Gründung ihren Hut nehmen mussten.

Joel Kaczmarek Facebook

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