Samwer Brüder

Zum Familienleben der Samwers ist wenig bekannt

Kaum ein anderes Gründergespann genießt in der deutschen Startupszene wohl so viel Aufmerksamkeit wie die Samwer-Brüder – und das, obwohl die drei Seriengründer aus Köln ungemein verschwiegen sind und aus ihrem Schaffen gerne mal ein Geheimnis machen. Entsprechend wenig bekannt ist auch über das Familienleben von Alexander, Marc und Oliver Samwer. So mancher mag sich fragen, wie ein Oliver Samwer überhaupt die Zeit zum Schlafen, geschweige denn zum Gründen einer Familie mit drei Kindern findet.

Für mein Buch habe ich auch einen Blick auf das Familienleben von Oliver Samwer und seinen Geschwistern gewagt, zum Schutz ihrer Privatsphäre aber einen gewissen Abstand des Respekts eingehalten. So viel sei jedoch gesagt: Jeder der drei hat trotz seiner zahlreichen Gründungsvorhaben die Zeit für eine eigene Familie gefunden und auch ihr eigenes Elternhaus hält die eine oder andere interessante Geschichte parat. Denn was die wenigsten wissen dürften: Die Samwers sind adliger Abstammung und blicken auf eine entsprechend erfolgreiche Ahnenreihe.

Adel verpflichtet: Aus Wasmer wird Samwer

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Ein Blick auf den Familienstammbaum der Samwers macht schnell deutlich, dass bereits vor dem erfolgreichen Internetgespann ein elitärer Hintergrund den Familienclan durchzog. Karl Friedrich Lucian Samwer, der Urgroßvater von Alexander, Marc und Oliver, war Ehrenbürger der Stadt Gotha geworden, nachdem er die Gothaer Versicherungsbank durch die Wirren des Krieges geführt, die Gothaer Versicherung gegründet und ein aktives Engagement als Armenpfleger gepflegt hatte. So bekleideten denn auch Karl Samwers sieben Kinder Gelehrtenämter. Sie wurden zu Bankiers oder hohen Mitgliedern der preußischen Militärhierarchie und waren Teil der gesellschaftlichen Elite.

Doch die Geschichte der Samwers weist einen noch früheren Ursprung dieser Oberschichtenzugehörigkeit auf: Ein völliger Zufall, der einer Telenovela entsprungen sein könnte, offenbarte die adlige Abstammung der Samwers. Im Jahr 1813 wollte Karl Samwers Vater Carl August die älteste Tochter des Adligen Simon Carl von Wasmer heiraten. Doch Wasmer offenbarte ihm, dass eine Ehelichung die Heirat mit seiner Halbschwester bedeuten würde.

Carl August Samwer, der Ururgroßvater der Samwers, war Wasmers außerehelicher Sohn und um die Verwandtschaft zu verschleiern, war wohl der Nachname des Adligen aus Schleswig-Holstein von „Wasmer” zu „Samwer” verändert geworden. Carl August Samwer war damit also der erste Samwer, von dem alle weiteren – in Summe vielleicht ein paar Hundert – abstammten.

Alles dreht sich um Status

In den Genen der Samwers war also ein gewisser Erfolgsfaktor bereits angelegt und glaubt man ihrem Umfeld, vermittelten auch Sabine und Sigmar-Jürgen Samwer, die Eltern von Alexander, Marc und Oliver, ihren Kindern jenes starke Elitedenken, das sich insbesondere Oliver Samwer zu Herzen nahm. Das Elternpaar hielt sich für etwas Besonderes, und der mittlere Sohn, der sich in der Öffentlichkeit gerne den Anstrich eines coolen, lockeren und jungdynamischen Unternehmers gab, der sparsam lebte und auf teure Dinge scheinbar keinen Wert legte, soll deshalb Zeit seines Lebens getrieben gewesen sein, zu den „oberen Zehntausend“ zu gehören.

Schon zu Studienzeiten war er auf besten Umgang bedacht und achtete darauf, nicht nur der Beste zu sein und das Beste zu haben, sondern eben auch mit den Besten zu verkehren. Und hatte er sich erst einmal einen gewissen Wohlstand erarbeitet, war nicht mehr viel davon zu sehen, wie Braveheart „im Dreck zu leben”. In Wirklichkeit legte er großen Wert darauf, mit seinen Brüdern an der „Goldküste“ des Starnberger Sees zu wohnen und seine Familie gerne einmal im Privatjet in den Urlaub zu schicken.

Bei allem Hang zu Luxus und Elitedenken muss den Samwers aber zugute gehalten werden, dass ihr Wohlstand hart erarbeitet ist. Bereits im zarten Alter von acht Jahren begleitete Oliver Samwer jeden Samstag seinen Vater in dessen Anwaltskanzlei und half ihm beim Öffnen der Geschäftspost. Dieser weckte so nicht nur den Traum vom Unternehmertum in seinen Kindern, sondern zeigte ihnen auch, was es bedeutete, selbstständig zu sein. Spricht Oliver Samwer von seinem Vater, beschreibt er „einen sehr schlauen Mann mit vielen deutschen Tugenden, der stets viel in seinem Leben gearbeitet hat und Herr einer kleinen Anwaltsfirma” ist.

In Wirklichkeit galt Vater Sigmar als einer der bekanntesten Rechtsanwälte Kölns und erlangte als Presse- und Wettbewerbsrechtler Ansehen, nachdem er Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll vor dem Bundesverfassungsgericht vertrat und den späteren Bundespräsidenten Karl Carstens gegen Anschuldigungen im Guillaume-Untersuchungsausschuss verteidigte. Seinen Nachwuchs erzog der für seinen bissigen Humor und seine hohe Intelligenz bekannte Vater mit strenger Hand und einem konservativ geprägten Hang zum Elitedenken. Sigmar Samwer war es deshalb wohl auch, der seinen Söhnen jenen unbedingten Wunsch zu gewinnen mitgab.

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Angesichts eines eher in sich ruhenden Alexander Samwers mag aber auch die strenge Erziehung von Vater Sigmar den Erfolgshunger der drei Samwer-Brüder nicht abschließend erklären. Vor allem ist da ja noch Sabine Samwer, jene überfürsorgliche Mutter, die ebenfalls dem Anwaltsberuf nachging und ihre Söhne herzlich und bodenständig umsorgte. Sogar die Mitgründer des ersten Samwer-Unternehmens bat sie, darauf zu achten, dass ihre Söhne stets genug Joghurt aßen.

Ein behütetes Familienidyll also, das all jene, die sonst den oft gefühllosen, cholerisch herumschreienden Oliver Samwer vor Augen haben, wohl überrascht. Oliver Samwer selbst charakterisiert seine Eltern als weder zu konservativ noch zu „laissez-faire“, wobei es konservativ wohl besser treffen würde. Tatsächlich wachsen er und seine Brüder im Kölner Villenviertel Marienburg auf, einer der besten Adressen der Stadt, die in den 70ern aus Angst vor RAF-Entführungen Polizeischutz erhielt. Die Rolle der Familie genoss bei den Samwers also stets eine zentrale Rolle und auch jeder der drei Brüder machte sich schließlich auf, eigenen Nachwuchs auf die Welt zu bringen.

Bild: Buchvover/Die Paten des Internets