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Viele internetaffine Bundesbürger dürften mittlerweile wohl Zynga kennen, einen der größten Hersteller von Social-Games im Internet, der vor allem durch Facebook-Spiele wie Mafia Wars oder Farmville weltbekannt wurde. Die Nutzerzahlen des amerikanischen Unternehmens überschlagen sich daher auch quasi wöchentlich. Dem ein oder anderen dürfte auch Playfish geläufig sein, das im selben Segment tätig und ähnlich erfolgreich ist. Das entsprechende deutsche Copycat aus dem Hause Rocket Internet vereint die Tugenden dieser beiden Portale zumindest im Namen: Plinga (www.plinga.com) ist ein Social-Games-Anbieter, der erstmals im September durch Gründerszene-Ableger GameBizz vorgestellt wurde und damals mit seinem ersten Spiel Fun Cards an den Start ging.

Plinga kooperiert exklusiv mit Nasza Klasa

Plinga setzt – wie andere Social-Games-Anbieter bisher auch – nicht nur auf Facebook- und browserbasierte Games, sondern soll auch an einer iPhone-App planen. Neben Facebook können die Plinga-Spiele ebenso in anderen Sozialnetzwerken gespielt werden und nun ist dem Unternehmen aus Berlin anscheinend ein großer Auftrag in die Unternehmensschatulle gespielt worden: Für das polnische Sozial-Netzwerk Nasza Klasa bringt Plinga die ersten Social-Games an den Start.

Mit über zehn Millionen Nutzern ist Nasza Klasa so etwas wie das polnische Pendant zu StudiVZ (www.studivz.net) und damit das größte Social-Network in Polen (und wohl auch eines der größten in ganz Ost-Europa). Die Samwer-Brüder Alexander, Marc und Oliver waren in der Vergangenheit in das polnische Unternehmen investiert und haben ihre Anteile dann verkauft. Vermutlich kam der Kontakt zu Plinga auch über die Mail-Leitungen der Samwers, schließlich ist Plinga aus der Schmiede ihres Inkubators Rocket Internet und entwickelt nun die ersten Spiele für Nasza Klasa. Dies lässt sich unter anderem anhand eines polnischen Artikels bei Antyweb nachvollziehen.

Zwar zählt Plinga nicht zu den Fokus-Unternehmen von Rocket Internet (hier sind ganz vorne eDarling, Zalando und CityDeal zu nennen), dennoch handelt es sich bei der Kooperation mit Nasza Klasa um einen attraktiven Auftrag: Die ersten Spiele, die bei Nasza Klasa integriert werden, sollen Plinga-Spiele sein. Beginnend mit den beiden Spielen Turtle Squad (ein Klon des rundenbasierten Actionspiels Worms) und Crazy Charlie (ein Klon des Action-Klassikers Bomberman) setzt Nasza Klasa zunächst ausschließlich auf Plinga, wird aber sicherlich bald weiter expandieren.

Zur Marktlage von Nasza Klasa in Polen

Die Marktlage von Nasza Klasa ist ein wenig vergleichbar mit der situation in Deutschland und seinen Facebook-Klonen der VZ-Gruppe: Facebook gewinnt stark an Einfluss (auch in Polen) und der lokale Platzhirsch (in Polen Nasza Klasa, hier die VZ-Netzwerke) ist irgendwie lahm in der Entwicklung und liefert quasi keinerlei Innovationen. Auch Nasza Klasa entwickelt sich irgendwie langsam, hat keine offenen APIs und verkauft vor allem Display-Werbung. Auch mit der Einbindung von Spielen – Nasza Klasa steigt erst jetzt auf diesen Zug auf (!) – ist das Unternehmen aus Polen ungemein spät dran und die ersten Spiele, die nun integriert werden, sollen von Plinga kommen.

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Dabei ist Plinga wahrlich kein Beispiel unternehmerischer Kreativität. Es ist bei Social-Games-Herstellern (leider) nicht unüblich, bestehende Konzepte wieder und wieder zu verwursten, doch Plinga kopiert besonders offensichtlich und ohne eine Spur von Innovationsgrad. Dass das Unternehmen damit nicht alleine ist, zeigt etwa auch Bubble Island von Wooga (www.wooga.com), das einen Klon des beliebten Geschicklichkeitsspieles Bubble Bobble (später auch bekannter als Bust-a-Move) darstellt.

Auch Plinga zählt daher zu den Kopisten in der Social-Games-Branche, doch ist dies in diesem Segment sogar oftmals die Variante mit der höchsten Sicherheit – schließlich ist längst nicht jedes Spiel ein Tetris, ein Moorhuhn oder ein Space Invaders.  Oftmals werden Kopien geradezu erwartet und auch die Bewertungen der neuen Plinga-Titel sind hoch. Ob Plinga ohne die Connections der Samwer-Brüder zu solch einem prestigeträchtigen Auftag gekommen wäre, darf dennoch bezweifelt werden. Die Tragweite dieser Kooperation dürfte das Unternehmen so auch so kräftig beflügeln.

Fazit: Ideenlosigkeit bei den europäischen Social-Networks

Es ist krass zu beobachten, wie weit vorne in der Entwicklung und Produktqualität Facebook eigentlich wirklich ist und gleichzeig traurig, dass den lokalen Sozialnetzwerken keinerlei Innovationen einzufallen scheinen. Mit ihren Spiele-Einbindungen sind die europäischen Player extrem spät gestartet und bei den Zulieferern der Games herrscht auch nicht wirklich Mut zum kreativen Risiko und auch sonst gibt der Markt nicht viel Innovatives her. Es ist daher nur eine Frage der Zeit, bis die europäischen Social-Network-Klone Facebooks Marktmacht unterliegen, wenn diese sich nicht endlich auch einmal an neue Inhalte heranwagen und ihre Plattformen gründlich überarbeiten.