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Vergangene Woche hatte Gründerszene bereits einen Überblick der bisherigen Samwer-Exits gebracht, der den imposanten Erfolg von Alexander, Marc und Oliver Samwer dokumentiert. Doch wo gehobelt wird, fallen Späne, wo viel Licht, da ist auch Schatten und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass auch bei den Online-Aktivitäten der hochprofessionellen Gründungsmaschinerie von Rocket Internet (www.rocket-internet.de) einige Startups auf der Strecke geblieben sind. Auf die Hits der vergangenen Woche folgen mit einem Überblick der Pleitegänge nun auch die Misserfolge der Samwer-Brüder – eine Aufbereitung, die aber merklich kürzer ausfällt, als die Erfolgsgeschichte der Samwers. Und sollte Gründerszene noch einen Pleitegang vergessen haben, kann dieser von aufmerksamen Lesern natürlich per Kommentar nachgereicht werden.

Arztplatz (2010) – Schleichender Tod durch verpassten Exit?

Arztplatz (www.arztplatz.de) war eine Preisvergleichsplattform für Patienten, die auf der Suche nach Behandlungen sind, die von der Krankenversicherung nicht getragen werden. Auf der Website konnte die gewünschte Behandlungform angemeldet werden, woraufhin der Dienst die fünf besten Angebote aus der eigenen Datenbank gesucht und an den Nutzer gesendet hat. Die teilnehmenden Ärzte mussten dann für jede vermittelte Behandlung eine Provision bezahlen.

Gegründet wurde Arztplatz von Felix Jahn und Rocket Internet, die ein Startkapital von 300.000 Euro zur Verfügung gestellt haben sollen. Sicher nicht übermäßig viel, um damit aus dem Nichts eine akzeptable Plattform aufzubauen, zumal Konkurrenten wie Arzt-Preisvergleich.de bereits am Markt aktiv waren. Offensichtlich ist es nicht gelungen, sich in diesem Umfeld schnell zu etablieren, und so dümpelte der Arztplatz nach aufgebrauchtem Investment im luftleeren Raum herum.

Sicher hätte hier von Samwer-Seite entweder noch einmal nachgelegt oder eben der Schlussstrich gezogen werden müssen. Trotz ausbleibender Traction und den damit verbundenen Provisionszahlungen wurde anscheinend nicht gehandelt – vielleicht in der Hoffnung, den wenigen Traffic doch noch an einen Wettbewerber verkaufen zu können, was bekanntlich nie passiert ist. So blieb dem Arztplatz ein Zombie-Dasein beschienen, bis Mitte 2010 der Stecker gezogen wurde.

eCareer (2010) – Ohne Rettungspaket ins Aus

eCareer (www.ecareer.de) war eine Jobbörse für höher dotierte Positionen und verstand sich auch als Personalberater-Netzwerk, über das Stellen ab 50.000 Euro Jahresgehalt vermittelt wurden. Damit folgte eCareer dem Vorbild von Experteer (www.experteer.de), das sich der selben Zielgruppe verschrieben hat und eCareers Vorbild darstellt. Der WHUler Pierluigi Ferrari hatte die Jobbörse gemeinsam mit Rocket Internet 2009 gegründet, die Ippen Unternehmensgruppe hielt 40 Prozent der Anteile.

Der generell stark kompetitive Markt für Jobvermittlungen und der deutlich frühere Start von Experteer dürften es eCareer von Anfang an erschwert haben, sich als erfolgreiches Unternehmen am Markt zu positionieren. Branchenexperten zufolge wäre in diesem Segment aber dennoch etwas zu holen gewesen, was jedoch nur mit der Aufnahme weiteren Kapitals sowie dem Ausbau des Teams hätte realisiert werden können. Als Hauptanteilseigner lag die Entscheidung bei den Samwer-Brüdern, eCareer entweder weiter zu fördern oder endgültig ins Aus laufen zu lassen.

Und da die Ressourcen der Samwer‘schen Gründungs-Maschinerie begrenzt sind, wenn eine Gründung nicht nach Wunsch performt, musste abgewägt werden, ob sich der benötigte Aufwand in naher Zukunft auszahlen würde. In Anbetracht der Performance von Portfolio-Überfliegern wie Zalando (www.zalando.de), eDarling (www.edarling.de) und CityDeal (www.groupon.de) wurde sich dann auch hier gegen den Fortbestand entschieden. Angeblich soll sich die Ippen Unternehmensgruppe dann mit eCareer auf eine Nachfinanzierung verständigt, es sich dann aber kurzfristig anders überlegt haben – und so wurden die Pforten von eCareer endgültig geschlossen.

DealStreet (2010) – Lieber ein Ende mit Schrecken…

DealStreet (www.dealstreet.de) war eine Live-Shopping-Plattform, bei der über ein Entertainment-Auktionsverfahren Produkte ersteigert werden konnten. Bei den entsprechenden Auktionen stieg durch jedes abgegebene Gebot der Gesamtpreis des Produktes. Gleichzeitig verlängerte sich automatisch die Dauer der Auktion und der letztbietende Teilnehmer erhielt den Zuschlag.

Der Swoopo-Klon kam dabei ebenfalls aus der Feder von Rocket Internet. Sebastian Nienaber wurde seinerzeit als Geschäftsführer installiert, als Investoren gingen Crédit Agricole Private Equity (www.ca-privateequity.com)eVenture Capital Partners (www.evcpartners.com) und die Hyos Invest Holding AG mit an Bord. Trotz guter Kapitalausstattung konnte sich aber auch die DealStreet-Variante des Entertainment-Auktionsverfahrens nicht durchsetzen.

Grund dafür dürfte vor allem die umgedrehte Kaufpsychologie, das generelle Abzocker-Image dieser Auktionsform und die halbseidene Konkurrenz aus dem Ausland gewesen sein: Zahlreichen kleine Liveshopping-Anbieter agierten aus ausländischen Gesetzesparadiesen und konnten die deutschen Gesetze teilweise so stark biegen, dass DealStreet nicht mehr mithalten konnte und im Mai 2010 Insolvenz angemeldet werden musste. Zuletzt waren angeblich noch Forderungen von über 50.000 Nutzern offen, die sich insgesamt auf 77.000 Euro beliefen. Anscheinend waren Auktionen trotz dem eingeleiteten Insolvenzverfahren weiter gelaufen, wodurch unter dem Strich einige Gläubiger auf ihren Forderungen sitzen geblieben sein dürften.

MyBrands (2010) – Strategisch abgesägt trotz guter Performance

MyBrands (www.mybrands.de) war ein Online-Designer-Outlet, auf dem günstige Design- und Markenmode für Damen und Herren angeboten wurde. Der Dress-for-Less-Klon wurde seinerzeit von Michael Franzkowiak und Philipp Povel sowie dem Samwer-Inkubator Rocket Internet gegründet, als Investoren konnten die IBB Beteiligungsgesellschaft (www.ibb-bet.de), Altium Capital, die Kirchner Beteiligungs GmbH und Grey Corporate Investments gewonnen werden.

Obwohl Mybrands angeblich gut performt haben soll, wurde das Designer-Outlet im Mai 2010 aus strategischen Gründen eingestampft. Grund dafür war weniger die Wettbewerbssituation, sondern das Samwer‘sche Portfolio, dem Mybrands in die Quere gekommen ist: Mit Zalando sind die Samwers seit 2009 mit einen weiteren E-Commerce-Shop am Markt, der als Schuhshop quasi im selben Revier wilderte. Die Entscheidung, bei Zalando neben Schuhen auch Mode zu verkaufen und eine eigene Outlet-Rubrik einzuführen, dürfte daher gleichzeitig das Aus für Mybrands besiegelt haben.

Bei der Koexistenz der zwei Brands wurde offensichtlich auf das beste Pferd im Stall gesetzt, das in diesem Falle Zalando hieß. Wahrscheinlich die richtige Entscheidung, denn der rasante Weg von Null auf Marktführerschaft gibt dem Zalando-Konzept Recht. Nach Übernahme-Verhandlungen mit Brands4Friends (www.brands4friends.de) wurde die Angelegenheit im Juni 2010 dann Rocket-intern gelöst, indem Mybrands von Zalando übernommen wurde.

Frazr (2009) – Schattengewächs mit miserablem Image

Frazr (www.frazr.com) war ein Microblogging-Dienst nach Vorlage von Twitter, der 2007 von Kay KühneMoritz Hohl und Alexander Drusio gegründet wurde, und bei dem die Samwers über den European Founders Fund investiert waren. Nach eigenen Angaben konnte Frazr nach nur zwei Monaten bereits 15.000 User verzeichnen, es waren Kooperationen für eine Implementierung in Facebook und Myspace in die Wege geleitet worden und via Frazr.mobi konnte der Dienst auch vom Handy aus genutzt werden.

Schnell machte sich dann aber Unmut breit, da Frazr über schlecht gemachte Spam-Mails versucht hatte, auf sich aufmerksam zu machen. Die fehlende E-Mail-Verifikation bei Anmeldung und der Hinweis, dass Frazr nur für private Zwecke genutzt werden durfte, trugen sicherlich ihren Teil zu dem unseriösen Image bei, das heute noch in einschlägigen Blogs nachzulesen ist. Es dürfte aber vor allem der einschlagende Erfolg von Twitter gewesen sein, der es Frazr erschwert hat, überhaupt am Markt Fuß zu fassen.

Im Oktober 2009 wurde dann bekannt, dass sich die Frazr Internet GmbH in der Liquidation befindet – das Investment aus dem European Founders Fund also ins Nichts gelaufen war. Damit hatte Frazr das gleiche Schicksal ereilt wie Wamadu oder Dukudu zuvor, die ebenfalls versucht hatten, einen Twitter-Klon auf dem deutschen Markt zu etablieren. Für die Geschäftsführung zumindest war das Aus von Frazr eine neue Chance: Moritz Hohl und Kay Kühne gingen anschließend mit der virtuellen Kinderwelt Panfu (www.panfu.com) an den Start.

Dreambookers (2009) – Bruchlandung kurz nach dem Start

Dreambookers (www.dreambookers.de) war ein geschlossener Shoppingclub für exklusive Reisen. Die Reiseangebote waren also nur den eigenen Mitgliedern zugänglich, denen durch das Zusammenspiel aus Club-Konzept und limitiertem Angebot ein Preisvorteil ermöglicht werden sollte. Dreambookers wurde im Oktober 2008 von Tim Kunde, Janis Meyer-Plath und Rocket Internet gegründet, und war ein Copycat der französischen Seite Voyage-Privé.

Bereits ein knappes Jahr nach Gründung wurde bekannt gegeben, dass Dreambookers vom Netz genommen wird. Über die Gründe ist reichlich wenig bekannt, betrachtet man jedoch Triphunter (www.triphunter.de), die direkte Konkurrenz auf dem deutschen Markt, so lassen sich die Herausforderungen dieses speziellen Marktes möglicherweise herleiten: Die Schwierigkeit bei dem Modell von  Voyage Privé besteht unter anderem darin, dass eine Abwicklung von Reisebuchungsvorgängen onsite vorgenommen wird. Das ist operativ aufwendig und treibt die Kosten entsprechend in die Höhe.

Triphunter hatte diese Problematik gelöst, indem Buchung und Abwicklung an einen passenden Partner ausgelagert wurden, wodurch der Arbeitsaufwand entfiel und die Costs per Conversion deutlich gesenkt werden konnten. Triphunter wurde letztendlich von Brands4Friends übernommen, das die Synergien der beiden Shoppingclubs erkannt hatte. War den Samwers ein ähnlicher Weg möglicherweise zu steinig, und die Chancen auf einen lohnenswerten Marktanteil bei der starken Konkurrenz schlicht und einfach zu gering?

Beautydeal (2009) – Kurzes Intermezzo wegen fahrlässiger Lieferantenwahl

Beautydeal (www.beautydeal.de) war ein Onlineshop, über den Parfüm, Kosmetik- und Pflegeartikel bekannter Markenhersteller verkauft wurden. Aufgrund guter Einkaufskonditionen konnten die Artikel dabei bis zu 25 Prozent unter der unverbindlichen Preisempfehlung der Hersteller angeboten werden. Beautydeal wurde im Juli 2009 von Rocket Internet gegründet, wobei DuMont Venture (www.dumontventure.de) und Grey Corporate Investments ebenfalls Unternehmensanteile hielten.

Durch die im Beauty-Segment eher unüblichen Niedrigpreise konnte der Onlineshop, der zuletzt von Albert Schwarzmeier und Sebastian Jost geführt wurde, innerhalb kurzer Zeit ein beachtliches Wachstum verzeichnen. Angeblich wurden schon zu Beginn zwischen sechs und sieben Tausend Euro Umsatz am Tag generiert. Nur drei Monate später machten sich dann Gerüchte breit, dass Beautydeal aufgrund massiver Lieferantenprobleme vor dem Aus steht, kurz darauf war das Schicksal des Onlinestores dann auch schon besiegelt – und Beautydeal Vergangenheit.

Wie sich zeigte, hatte man sich bei der Lieferantenwahl ausschließlich auf ein Münchner Unternehmen konzentriert, über das die Markenprodukte zu Dumpingpreisen bezogen werden konnten. Genau diesem Lieferanten stellten die Hersteller dann das Ultimatum, entweder die Handelsverhältnisse mit Beautydeal einzustellen, oder selber nicht mehr beliefert zu werden. Verständlich, kann ein solches Modell doch die Marktpreise der Hersteller kaputt machen. Dass man sich bei der Lieferantenwahl nicht diversifiziert hatte, kann rückblickend nur als grober Managementfehler bewertet werden.

Gamegoods (2008) – Ende des virtuellen Goldrausches?

Ein weiteres Investment aus dem European Founders Fund war Gamegoods, ein Anbieter virtueller Währungen für Online-Games wie World of Warcraft und Co. Gamegoods wurde 2006 von Arne Bleckwenn, Hinrich Dreiling, Martin Randolph, Christian Meyer-Ohlendorf und Felix Leuschner gegründet, wobei Wellington Partners (www.wellington-partners.com) (20 Prozent) und der European Founders Fund (16 Prozent) Minderheitsbeteiligungen an dem Unternehmen hielten.

Gamegoods schaffte es innerhalb kurzer Zeit, zu einem der Big Player im virtuellen Goldgeschäft aufzusteigen und sah sich bereits 2007 europaweit als Marktführer. Da der Zukauf von Gold in der eingefleischten Gaming-Szene aber mit Cheaten gleichgesetzt wird und in den AGBs vieler Spiele-Publisher ausdrücklich verboten ist, fußte das Geschäftsmodell auf einer eher unseriösen Idee. Blizzard beispielsweise geht seit geraumer Zeit gegen Gold-Verkäufer vor und macht auch Usern das Leben schwer, wenn diese sich nicht entsprechend der Regeln verhalten, indem Accounts gesperrt und im Zweifel sogar gelöscht werden.

Im Oktober 2008 gab Gamegoods plötzlich bekannt, dass die Geschäftstätigkeit eingestellt wird. Unklar ist, ob die Maßnahmen der Publisher letzten Endes der Grund dafür waren, dass das Modell nicht mehr als sonderlich aussichtsreich erachtet wurde. Arne Bleckwenn und Hinrich Dreiling versuchten sich dann mit GratisPay (www.gratispay.de) noch mal an einem ähnlichen Ansatz, der bekanntlich in eine Fusion mit SponsorPay (www.sponsorpay.com) mündete.