IoT

Das Internet of Things im Data Space von SAP. Schematische Darstellung.

Die meinen es endlich ernst. Der Software-Gigant SAP hat etwas Zeit gebraucht, um sich in das Thema Startups einzuarbeiten. Aber jetzt wird geklotzt. In den ehemaligen Räumlichkeiten des Feinschmecker-Lokals Pan Asia in bester Lage am Hackeschen Markt ist ein nagelneuer Spielplatz für Startups entstanden. Alles wurde umgebaut, funkelt, glänzt und sieht aus, wie Flächen für Startups in Berlin heute aussehen müssen. Das Ganze nennt sich „Data Space“ und gestern wurde gemeinsam mit 400 Gästen Eröffnung gefeiert.

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Finanzierung für die Startups gibt es nicht

SAP möchte am Hackeschen Markt mit der Hilfe von bis zu zehn B2B-Startups an konkreten Aufgabenstellungen seiner Kunden arbeiten. In erster Linie soll es um Projekte im Bereich des Internet of Things gehen. Dabei werden den Startups 40 Arbeitsplätze, Software und Verbindung zu den SAP-Kunden zur Verfügung gestellt. Dazu gibt es das Flair von Berlin-Mitte und erfahrene Betreuer aus dem Software-Großunternehmen. Geld gibt es nicht. Dafür müssen die Startups auch keine Anteile ihres Unternehmens abgeben.

Die Auswahl der Startups, die hier arbeiten dürfen, erfolgt danach, ob sie in der Lage sind, konkrete Aufgaben zu lösen oder zumindest zu einer Lösung beitragen können. Starttermin ist der Februar 2017, dann sollen hier die ersten Gründer einziehen. SAP erhofft sich von der Zusammenarbeit eine Beschleunigung der digitalen Transformation, Innovationen und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle – wie viele andere Großunternehmen auch.

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„Ein bisschen mehr in der Zukunft ankommen“

Die Eröffnungsrede des Data Space war gleichzeitig Premiere für Berlins neue IT-Staatssekretärin Sabine Smentek (SPD). Sie gab folgende Parole für ihre Amtszeit und den frisch gestarteten rot-rot-grünen Senat aus: „Berlin hat sich vorgenommen, Innovationen ernst zu nehmen.“ Sogar die Verwaltung der Stadt solle „ein bisschen mehr in der Zukunft ankommen“. Dass „ein bisschen“ ein dickes Brett ist, weiß jeder, der in Berlin schon mal einen Termin im Bürgeramt hatte. Wie wäre es, wenn SAP in Zusammenarbeit mit Startups der Stadt ein bisschen auf die Sprünge helfe? Das wäre vielleicht ein lohnenswertes erstes Projekt für den Data Space.

Im Vorgespräch zur Veranstaltung hatte „Bitkom“-Geschäftsführer Bernhard Rohleder deutlich gemacht, dass die Stadt auch ohne Politik ganz gut funktioniere. Die Politik sei laut Rohleder manchmal selber überrascht, wenn in der Hauptstadt die Wirtschaft floriere. Die neue Staatssekretärin war zum Zeitpunkt seiner Ausführungen noch nicht anwesend. SAP hat sich jedenfalls vorgenommen in den kommenden Jahren bis zu zwei Milliarden Euro in die Entwicklung des Internet of Things zu stecken. Und das ist gut für Berlin.

Sogar das Essen kommt aus der Data Kitchen

Aber der Data Space will nicht nur Arbeitsfläche sondern auch Begegnungs- und Kommunikationsstätte sein. Für alle, die irgendwie mit digitaler Wirtschaft zu tun haben. Das Erdgeschoss besteht aus dem Veranstaltungsbereich „Data Hall“, dem „Data Room“ und dem Restaurant „Data Kitchen“. Hauptsache Data.

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Der „Data Room“ sieht aus wie ein begehbarer Computer und besteht aus wandfüllenden Screens, die der Besucher mit Wischbewegungen steuern kann. In diesem „digitalen Kreativ-Raum“ sollen Besucher inspiriert und spielerisch zum Ausprobieren neuer Technologien animiert werden. Die „Data Kitchen“ ist ein öffentliches Restaurant. Betreiber ist der bekannte Berliner Gastronom Heinz Gindullis, genannt Cookie. Vor dem Restaurantbesuch können Gäste Speisen und Getränke über eine Website bestellen und bezahlen. Eine App soll es auch bald geben. Der Gast holt beim Eintreffen sein Essen mit dem Smartphone aus einem digitalisierten Automaten, der sogenannten „Food Wall“. Im ersten Stock befindet sich der „Data Hub“. Hier ist der Sitz des neuen SAP-IoT-Accelerator-Programms.

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Ein erster Schritt in Richtung mehr Tech-Startups

Auf dem Weg in die digitale Zukunft fehlt es in Berlin nicht an Startups. Wohl aber an kleinen Unternehmen, die sich um Daten und digitale Technik kümmern. Wie sagte Florian Heinemann, Partner bei Project A Ventures, so schön über die Startupszene in Deutschland: Wir haben hier vor allem Modeläden und Pizzabringservices. Vielleicht ist der Data Space von SAP ein erster Schritt zu mehr Tech-Startups in der Hauptstadt und damit in ganz Deutschland.

Foto: Frank Schmiechen