Sarazar: Vom Zocker zum Teenie-Schwarm

Eigentlich heißt er Valentin Rahmel, doch seine Fans kennen ihn nur als Sarazar. Der 30-Jährige zählt zu den deutschen Youtube-Stars, mit über 1,5 Millionen Fans ist sein Kanal derzeit der zehntgrößte in Deutschland. Bekannt ist Sarazar vor allem für seine Let’s-Plays, also Videos, in denen er Computerspiele spielt und kommentiert.

Viele Videos entstehen in Zusammenarbeit mit seinem alten Freund Erik Range alias Gronkh, dem meistabonnierten Youtuber Deutschlands. Gemeinsam betreiben die beiden die Firma PlayMassive. Sie zocken nicht nur für ihre Fans, sondern reisen als „Die Superhomies“ auch um die Welt oder testen Süßigkeiten und Fingerfood. Beide werden mittlerweile vom ProSiebenSat.1-Netzwerk Studio71 vermarktet.

Im Interview spricht Valentin Rahmel alias Sarazar über berieselte Zuhörer, Starrummel, seine Lieblingsspiele und die Unterstützung seiner Eltern.

Valentin, du bist professioneller Gamer. Wie hat das alles angefangen?

Als ich etwa 15 Jahre alt war, saß ich irgendwann mal in der Badewanne und habe ein Gaming-Magazin gelesen. Da habe ich mir gedacht, dass es echt cool wäre, wenn ich über Computerspiele berichten könnte. Denn ich habe schon immer viel und gerne gezockt. Ich mag Computerspiele wirklich – aus diesem Grund ging auch bereits 1999 meine erste Website über Onlinegames an den Start.

Heute bist du ein Star der Let’s-Play-Szene, spielst also Spiele und moderierst dazu. Wie kam’s?

2009 habe ich zusammen mit dem Gronkh die PlayMassive GmbH gegründet. Hier betreiben wir nicht nur Youtube-Channels, sondern auch diverse Magazine im Online- und Young-Entertainment-Bereich. Nach vielen redaktionellen Inhalten wollten wir für diese Magazine umfassende Videos produzieren, haben aber schnell gemerkt, dass uns dazu die Manpower fehlt. Also kamen wir auf die Idee, ein Spiel für eine Stunde zu spielen und davon ein Video ins Netz zu stellen. Gronkh hat damit vorher angefangen, ab Ende 2010 beziehungsweise Anfang 2011 habe ich ebenfalls meine ersten Videos hochgeladen. Am Anfang dümpelte das noch vor sich hin, aber über die Jahre hinweg ist das explodiert. Wir hatten eben das Glück, dass wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren.

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Wieso gucken Leute dir dabei zu, wie du ein Spiel zockst? Sie können doch genauso gut selbst spielen.

Das frage ich mich auch ständig (lacht). Aber ich glaube, da gibt es verschiedene Typen: Zum einen gibt es die Leute, die einfach nur gucken wollen, wie sie in dem Spiel weiterkommen. Dann hast du welche, die sich eine erste Folge reinziehen wollen, um das Spiel einfach mal zu sehen. Außerdem gibt es natürlich Leute, die sich einfach nur berieseln lassen wollen. Denn wir reden nicht nur über das Spiel, wir erzählen ja auch Anekdoten aus unserem Alltag. Ich bin auch ein Riesenfan von Dokumentationen und lass dann gerne mein Wissen in die Moderation einfließen. Wir müssen wirklich viel reden, denn der Zuschauer macht schließlich selbst nichts.

Glaubst du, dass die Zuschauerzahlen in den nächsten Jahren weiter steigen werden? Oder ist dieser Let’s-Play-Trend bald vorbei?

Wirklich durchschaut habe ich es selber noch nicht. Wir wissen also nicht, ob die Zahlen weiter wachsen werden wie sie es aktuell noch tun, oder ob wir in Kürze am Zenit ankommen.

Bist du ein besonders talentierter Spieler?

Ich bin eigentlich ein, naja, schlechter Spieler (lacht). Also ernsthaft: Ich bin ein durchschnittlicher Spieler, weil ich auf kein Spiel spezialisiert bin. Wenn jemand ein Jahr lang das gleiche Spiel zockt, ist der natürlich viel besser. Deswegen gucken bei mir nicht die Leute zu, die einen guten Spieler sehen wollen, sondern diejenigen, die unterhalten werden wollen und Bock auf lockere Sprüche haben.

Es liegt also an deiner Stimme?

Ja, ich glaube es ist die Moderation, die die Leute begeistert. Die Leute bauen so eine richtige Bindung zu uns auf, weil wir ja auch sehr regelmäßig Videos hochladen. Aber ehrlich gesagt habe ich die genauen Gründe auch noch nicht durchschaut, dafür gibt es wahrscheinlich aber auch zu viele. Warum schauen die Leute Fußball?

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Seit wann verdienst du Geld mit Gaming auf Youtube?

Ich arbeite als Geschäftsführer eines Unternehmens auch noch an vielen anderen Projekten. Allerdings kann ich auch alleine von den Youtube-Videos seit etwa zwei, drei Jahren leben.

Wird man damit reich?

Nee.

Nur in Deutschland nicht? Funktioniert das in anderen Ländern wie den USA?

Die Gamer in den USA haben natürlich viel mehr Zuschauer, da verdienen die sicherlich deutlich mehr Geld. Aber jemand, der sagt, dass er nur wegen der Kohle bei Youtube anfängt, macht sowieso alles falsch. Man muss da wirklich eine Leidenschaft haben, weil es auch sehr lange dauert, bis man genügend Zuschauer hat.

Womit verdienst du also konkret dein Geld?

Wir setzen eigentlich auf die normale Standard-Werbevermarktung. Ansonsten mache ich natürlich auch mal andere Sachen, von denen ich wirklich überzeugt bin. Beispielsweise war ich bei der Präsentation der Playstation 4, aber auch nur, weil das wirklich ein geile Konsole ist.

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Welches sind deine Lieblingsspiele?

Mein absoluter Favorit ist „The Last of Us“ – das fand ich sehr cool. Ansonsten noch „GTA“ oder „DayZ“. Ich mag Games, die eine tiefe Story haben. Ich bin da auch echt sehr anspruchsvoll geworden. Deswegen habe ich im Sommer so wenige Videos produziert, weil einfach keine coolen Spiele auf den Markt kamen. Wenn ich irgendwas spielen muss, was mir keinen Spaß macht, kann ich mich schließlich auch ans Fließband stellen. Deswegen freue ich mich auf den Winter, da kommen wieder geile Dinger raus.

Wie würdest du dich selbst beschreiben?

Als toleranten, stinknormalen Typen. Und das will ich auch bleiben (lacht). Ganz ehrlich, ich verstehe auch diesen ganzen Starrummel nicht. Wir bezeichnen uns auch nie selbst als Stars, weil diese Reise jederzeit vorbei sein kann.

Und was sagen deine Eltern zu deinem Beruf?

Meine Eltern haben das sogar unterstützt. Anfangs haben Erik und ich auch das Startkapital von meinen Eltern bekommen, weil unsere ersten Projekte nicht so viel eingebracht haben. Sie schauen selbst manchmal unsere Videos – vor allem die Superhomies, wo wir um die Welt reisen. Wir machen ja nicht nur Filmchen im Gaming-Sektor.

Danke für das Gespräch, Valentin.

Bild: Studio71