Erik Podzuweit Scalable Capital

Erik Podzuweit arbeitete zuvor bei Westwing und Goldman Sachs

Gerade nach der Finanzkrise und in der Zeiten von niedrigen Zinsen sind viele Verbraucher verunsichert. Sollen sie etwa in Aktien oder Rohstoffe investieren? In der Vergangenheit sind sie meist zum Berater ihrer Hausbank gegangen. Das Problem: Diese verkaufen oft überteuerte Produkte – und bekommen dafür hohe Provisionen. Startups wie Scalable Capital arbeiten als digitale Vermögensverwalter. Als sogenannte Robo-Adviser wollen sie eine Alternative zur klassischen Bank anbieten.

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Erik Podzuweit kennt die Branche, die er umkrempeln will – sieben Jahre lang hat er bei der Investmentbank Goldman Sachs in London und Frankfurt gearbeitet, zuletzt als Executive Director. Auch Startup-Erfahrung bringt er als ehemaliger Co-CEO beim Möbel-Shoppingclub Westwing mit. Gemeinsam mit drei anderen Mitstreitern von Goldman Sachs und einem Münchner Professors hat Podzuweit Scalable Capital vor einem Jahr gegründet. Ab 10.000 Euro können Anleger das Angebot seit Kurzem nutzen, dabei verwaltet die Baader Bank das Konto und Depot. 27 Mitarbeiter arbeiten nach eigenen Angaben beim Fintech.

Der Gründer erklärt im Interview das Produkt und verrät, warum er keine Angst vor Banken hat.

Erik, wie bist Du auf die Idee von Scalable gekommen?

Das Gründerteam kennt sich seit Jahren. Wir haben lange Zeit bei Goldman Sachs zusammengearbeitet. Wie viele Banker wurden ich und meine heutigen Mitgründer öfters von Familienmitgliedern und Freunden gefragt, was sie mit ihrem Geld machen sollen. Richtig gute Antworten hatten wir nicht, denn Banken sind zu teuer und Selbermachen kostet zu viel Zeit.

Was macht ihr als Robo-Adviser genau?

Wir investieren das Geld automatisiert in Exchange Traded Funds, die sogenannten ETFs. Diese Investmentfonds bilden die Wertentwicklung eines Börsenindex nach – etwa dem Dax. Dadurch erhalten die Anleger den Zugang zu einem breiten Portfolio aus Aktien, Anleihen und anderen Anlagen wie Rohstoffen.

In ETFs können Kunden auch ohne Robo-Adviser investieren. Was macht Scalable genau?

Bei der Geldanlage setzen wir eine Risikomanagement-Technologie ein, die Privatinvestoren bislang nicht zur Verfügung stand. Wir quantifizieren die Risiken für jedes Portfolio und schichten dynamisch je nach Marktumfeld um, damit die jeweilige Risikovorgabe des Kunden eingehalten wird.

Es gibt bereits andere Robo-Adviser wie Vaamo oder Ginmon. Was unterscheidet euer Modell von der Konkurrenz?

Unser Startup ist der einzige bankenunabhängige Robo-Advisor mit einer Erlaubnis der BaFin. Wir dürfen uns somit als regulierter Vermögensverwalter vollständig um die Verwaltung der Kundengelder kümmern. Das unterscheidet uns von anderen Robo-Advisern, die sich nur als Makler zwischen Anleger und Fondsanbieter schalten und Kundengelder an Produktpartner weitervermitteln. Sie dürfen diese Gelder im Anschluss auch nicht verwalten.

Was hat das für einen Vorteil für den Kunden?

Wir dürfen mit unser eigens entwickelten Risikomanagement-Technologie das Geld unserer Kunden dynamisch managen. Zudem profitiert der Kunde von unserer Unabhängigkeit. Wir arbeiten nicht mit bestimmten Fondshäusern zusammen. Finden wir einen besseren ETF, tauschen wir diesen aus – ohne den Kunden fragen zu müssen.

Die Deutsche Bank geht ebenfalls mit einem Angebot an den Start. Wie könnt ihr gegen so einen großen Player gewinnen?

Von allen Sorgen, die uns als Unternehmer umtreiben, ist die Deutsche Bank unsere geringste. Das Angebot spiegelt das Dilemma der Banken wider. Einerseits müssen sie der Nachfrage nach günstigeren Produkten Rechnung tragen. Andererseits können sie mit einer Gebühr von 0,75 Prozent pro Jahr – wie wir sie erheben – weder ihre teuren Bürotürme noch ihre vielen Mitarbeiter bezahlen. Es handelt sich zudem um keinen echte Vermögensverwaltung, sondern um ein Do-it-Yourself-Tool.

Wie geht ihr sicher, dass eure Anleger die Gefahren verstehen?

Wir sprechen Kapitalmarktrisiken sehr offen an und sagen unseren Kunden ganz klar: Für Rendite müssen Sie Risiken eingehen. Außerdem berechnen wir für jedes Portfolio ein konkretes Verlustrisiko. Als Risikomaß verwenden wir den Value-at-Risk, der angibt, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein bestimmter Verlust pro Jahr nicht überschritten wird. Klassische Bankberater bieten ihren Kunden „chancenorientierte“ oder „moderate“ Portfolios. Am Ende weiß da kein Mensch, wie viel Risiko er wirklich eingeht.

Bild: Scalable