Wie gehen Startups mit schnellem Wachstum um? - EXIST

Balance zwischen schnellem und nachhaltigem Wachstum finden

Ein schnelles Wachstum ist für Startups in der Anfangsphase wichtig. Doch um auf lange Sicht erfolgreich am Markt zu bestehen, sollte die Wachstumsrate ab einem gewissen Zeitpunkt nachhaltig verlaufen. Viele junge Unternehmen haben jedoch Schwierigkeiten dabei, ihre Finanzierungsstrategien und ihr Unternehmenswachstum beständig und profitabel zu gestalten. Was sind die Gründe dafür? Und was sind entscheidende Wachstumstreiber, die letzten Endes den Erfolg bestimmen?

Zu Beginn essenziell: Skalierbarkeit und Geschwindigkeit

Bei Geschäftsbeginn ist schnelles Wachstum ein entscheidender Faktor für die Bewertung und damit die Finanzierung von Startups: Denn mit einem skalierbaren Geschäfts- und Produktmodell sowie hohen Wachstumsraten erhöhen sich auch die Chancen auf Investments. Das wiederum vergrößert den Bekanntheitsgrad der Startups und die Chancen auf weitere Finanzierungsrunden. Zu diesem Zeitpunkt werden finanzielle Mittel dringend benötigt, da sie eine Grundlage für weiteres forciertes Wachstum schaffen. Eine hohe Wachstumsgeschwindigkeit ist außerdem wichtig, damit die Produktentwicklung weiter vorangetrieben wird und neue Märkte erschlossen werden können.

Danach: Hire-and-fire vermeiden

Nach einiger Zeit sollte sich rasantes Anfangswachstum in ein organisches, konstantes und gesundes Wachstum entwickeln. Denn: Wer es während der schnellen Wachstumsphase nicht schafft, seine Unternehmensprozesse an neu auftretende Anforderungen anzupassen, läuft Gefahr, sein Business gegen die Wand zu fahren. Oft wird zu schnell und zu ehrgeizig vorgegangen; in vielen Fällen werden in der Frühphase Unmengen an Kapital verbrannt oder Geschäftsmodelle überstürzt hin- und her geändert.

Diejenigen, die im Endeffekt darunter leiden, sind die Mitarbeiter: Nach einem Wachstums-Hype kommt es nicht selten vor, dass Gründer einen Teil ihrer Belegschaft entlassen müssen. Mit einem erfolgreichen Change Management kann dies jedoch vermieden werden.

Change Management: Unternehmensprozesse anpassen

Startups sollten das Change Management von immer komplexer werdenden Unternehmensprozessen nicht aus den Augen verlieren – ob im Personal, Finance, Marketing oder Vertrieb. Um Kostenfallen zu vermieden, müssen sie für die jeweilige Unternehmensphase eine adäquate Größe für die verschiedenen Bereiche wählen. Das heißt zum Beispiel: Vertriebs- und Marketing-Team nicht gleich „größenwahnsinnig“ aufstellen, sondern bedacht.

Gründer müssen nicht nur in der Lage sein, ihr Business im Detail zu verstehen, sondern auch immer Markt, Wettbewerber und die eigene Profitabilität im Blick behalten. Sie sollten flexibel auf Veränderungen reagieren können, damit das Unternehmen gesund wachsen kann. Was sind also zentrale Erfolgstreiber und Motoren für ein nachhaltiges Wachstum?

6 Erfolgsfaktoren für gesundes Unternehmenswachstum

1. Wachstum geht Hand in Hand mit Finanzierungen und Finanzen einher. Deswegen sollten Gründer sichergehen, dass sämtliche finanzielle Aspekte in die Gesamtstrategie des Unternehmens integriert werden. Dies insbesondere zu Geschäftsstart, damit die Finanzierung sichergestellt ist.

2. Das Produkt muss ein absolutes „Must-have“ sein. Es sollte sich gegebenenfalls auf eine Nische konzentrieren und dort skalieren können.

3. Kunden und Zielgruppen müssen stets berücksichtigt und neu identifiziert werden. Schließlich sind es ihre Wünsche und Bedürfnisse, die im Zentrum stehen sollten.

4. In diesem Zuge spielen Daten- und Nutzeranalysen eine nicht unwichtige Rolle: Mit Digital Intelligence Software lassen sich Informationen intelligent nutzen und zuverlässige Erfolgsfaktoren und Optimierungspotenziale definieren. Diese verbessern wiederum das Kundenerlebnis und binden die Kunden ans Unternehmen – was zu einer gesunden Umsatzsteigerung führt.

5. Startups müssen betriebliche Abläufe und entsprechenden Handlungsbedarf fortwährend analysieren. Dadurch können Prozesse agiler und effizienter gestaltet werden.

6. Alles selbst machen? Mögliche Partnerschaften sollten ebenfalls im Fokus eines Wachstumsplans stehen: Vertriebs- oder Produktions-Kooperationen können in vielen Fällen für gesundes Wachstum und Unternehmenserfolg sorgen.

Zwei Beispiele für wachsende, erfolgreiche Startups

Wer sind eigentlich die wachstumsstärksten digitalen Unternehmen in Deutschland? Genau diese Frage stellte sich Gründerszene im letzten Jahr und erstellte das erste Wachstums-Ranking seiner Art. Ein Partner der Aktion war unter anderem das Gründungsförderprogramm EXIST. Insgesamt vier EXIST-geförderte Startups schafften es mit durchschnittlichen jährlichen Wachstumsraten, die sich sehen lassen können, in die Liste: eGym (189%), UberMetrics (171%), Viasto (82%) und Signavio (71%). Das Programm EXIST, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) initiiert wurde, beweist damit einen guten Riecher für erfolgversprechende Startups.

Wie schafften es die Unternehmen, so erfolgreich zu wachsen? Die beiden Gründer von UberMetrics und Signavio geben einen Einblick in ihre Wachstumsstrategien.

So much information, so little listening: Media Monitoring mit UberMetrics

UberMetrics landete beim Ranking auf Platz 33. Das Startup hat eine SaaS-Lösung entwickelt, die Unternehmen eine umfassende, kanalübergreifende Medienbeobachtung ermöglicht. Wie hat das junge Unternehmen es geschafft, sein Wachstum schnell, aber dennoch gesund aufzustellen?

Co-Founder Patrick Bunk erzählt: „Wir haben uns bewusst für das Geschäftsmodell Software-as-a-Service entschieden, weil dieses Modell unsere Prozesse mit denen unserer Kunden synchronisieren kann. Ein Unternehmen ist nämlich nur dann erfolgreich, wenn ihm die Kunden über Jahre hinweg die Treue halten. Dies tun sie aber nur, wenn sie von den Produkten oder Services nicht nur anfänglich begeistert sind – sondern anhaltend. Genau das ist mit unserer Technologie eingetreten und genau das hat uns nachhaltiges Wachstum ermöglicht.“ Bunk erklärt zudem, wie das Unternehmen mit den Risiken umging, die ein schnelles Firmenwachstum hervorrufen kann. „Es hat in jedem Jahr an so ziemlich jeder Ecke geknirscht. Wir haben uns zum Beispiel bewusst dafür entschieden, das Aufsetzen von Prozessen so weit wie möglich nach hinten zu verschieben, um uns nicht durch Strukturen vom Wesentlichen ablenken zu lassen – nämlich von der Kundenzufriedenheit. Doch für einige Prozesse wurde immer mehr Abstimmungsarbeit nötig. Um unser Wachstum also nicht zu gefährden, mussten wir bestimmte interne Prozesse anpassen.“ UberMetrics strukturierte in Folge bestimmte Abläufe immer feiner, verteilte diese auf mehr Schultern und konnte somit gesund weiter wachsen, ohne wichtige Prozesse oder Bereiche zu vernachlässigen.

Beim Firmenwachstum spielte das EXIST-Gründerstipendium eine nicht unwichtige Rolle, sagt der CEO. „Durch die Experimentierphase während des EXIST-Projektes hatten wir genug Zeit, um unser Unternehmen bereits von Beginn an nachhaltig aufzusetzen. Mit einem Businessplan, den wir durch zahlreiche Kundengespräche über mehrere Monate hinweg testen und validieren konnten, sind wir dann erfolgreich an Investoren herangetreten. Unsere realistisch geplanten Geschäftsziele haben es uns dann ermöglicht, Risikokapital einzusammeln. Auf dieser soliden Basis konnten wir in Folge schneller skalieren.“

Spezialist für Prozess-Steuerung: Signavio

Beim Ranking konnte sich Signavio den 58. Platz sichern. Das Startup entwickelt Business Process und Decision Management Software. Den Hauptgrund für den Geschäftserfolg sieht CEO Gero Decker im Kern des Unternehmens. „Ein gutes Produkt war auf jeden Fall die Grundvoraussetzung für Signavios erfolgreiche Weiterentwicklung“, so Decker. Jetzt geht es Signavio verstärkt darum, marketing- und vertriebsseitig gesund hochzuskalieren – und dabei die Prozesse intelligent aufzustellen. „Als Anbieter für Prozessmanagementsoftware liegt uns das Thema Prozesse natürlich im Blut. Spannend sind für uns vor allem der sukzessive Aufbau der Organisation sowie das Management über Standorte hinweg“, erzählt der Gründer. „Dafür soll das Team personell auch nur so schnell wachsen, wie es gesund für das Unternehmen ist.“

Inwiefern hat EXIST zum schnellen Wachstum beigetragen? „Wir haben uns damals gesagt: Wir gründen Signavio nur dann, wenn wir entweder eine EXIST-Förderung erhalten oder einen ersten Kunden finden. Zum Glück ist beides eingetreten. Ohne EXIST gäbe es Signavio heute womöglich gar nicht.“

Wachstum strategisch planen – Support von EXIST

Mit EXIST unterstützt das BMWi Unternehmensgründungen aus wissenschaftlich basierten Technologiebereichen. Neben dem Gründerstipendium, das Studierende, Absolventen und Wissenschaftler mit finanziellen und weiteren Fördermitteln bei der Unternehmensgründung unterstützt und in der Wachstumsphase konstruktiv begleitet, bietet das Programm mit der Gründungskultur und dem Forschungstransfer zwei weitere Fördersäulen.

 

Interessierte können sich hier über EXIST informieren.

Eine EXIST-Guideline zum Thema „Finanzierung und Wachstum strategisch planen“ ist außerdem hier zu finden.

 

Artikelbild: Victor Camilo/flickr.com