Schillernder Charakter

Kein schlechtes Investment. Im August 1997 hat der „Domain-King“ Rick Schwartz alles richtig gemacht und die Internetadresse Porno.com einem College-Studenten für 42.000 US-Dollar abgekauft. Jetzt veräußerte er die Domain für 8.888.888 US-Dollar an eine Firma in Prag. Er scheint eine Schwäche für die Ziffer 8 zu haben. Das ist der viertgrößte Domain-Verkauf aller Zeiten. Zuvor soll Schwartz Kaufangebote über fünf und siebeneinhalb Millionen Dollar abgelehnt haben. In der Zwischenzeit hat Schwartz alleine mit dem „Redirecting“ – also der Weiterleitung auf andere Porno-Seiten – mehr als zehn Millionen Dollar verdient. Der größte Domain-Deal aller Zeiten war im Jahr 2010 der Verkauf von Sex.com für 13 Millionen Dollar.

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Schwartz ist ein schillernder Charakter. Nach einem abgebrochenen Studium war er unter anderem als Vertreter unterwegs und verkaufte Möbel auf Kommission. Ein hartes Geschäft in den USA. 1995 kam er auf die Idee, sich Internetadressen zu sichern. Vor allem Domains mit eindeutigen Namen wie slut.com, porno.com, ass.com. Hinter diesen Adressen verbargen sich einfach nur sogenannte „Parking Pages“, die nichts enthielten außer Werbung und Weiterleitungen auf echte Pornoseiten. Es gibt offenbar ein Publikum, das solche Domains in die Adresszeile des Browsers eingibt. Nur so konnte Schwartz alleine mit Weiterleitungen Millionen verdienen.

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Schwartz, der sich laut eigenen Angaben 9.000 Domains gesichert hat, wickelte in den vergangenen Jahren nur 20 Verkäufe ab. Doch sie müssen sich gelohnt haben. Er besitzt jede Menge Autos und fünf abgezahlte Häuser, heißt es. Auf seiner Website listet er seine erfolgreichsten Verkäufe. Hier ein paar Beispiele:

  • FreeSexCams.com für 150.000 Dollar (2012)
  • Meet.me für 450.000 Dollar (2011)
  • Men.com für 1,3 Millionen Dollar (2003)
  • Property.com für 4 Millionen Dollar und eine Beteiligung (2011)
  • Candy.com für 3 Millionen Dollar und 10 Prozent Beteiligung (2009)
  • iReport an CNN für 750.000 Dollar

Schwartz selbst sieht sich als Internet-Visionär, der den Trend des „Type-In-Traffics“ – also der Navigation durch manuelle Eingabe einer Webadresse in den Browser – vorausgesehen hat. „Mir war klar, dass Domains schneller im Wert steigen würden, als Immobilien, Juwelen oder Aktien.“ Als einziges Interesse gibt er übrigens in der Selbstbeschreibung auf seiner Website „Erfolg“ an. Interessant ist der Zeitpunkt des Verkaufes von Porno.com. Denn dieses Frühjahr starten neben .fashion, .video, .fit und .sale. auch die Domain-Endungen .porn und .adult.

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