Scout24-Chef Greg Ellis

Seit Anfang Oktober ist Scout24 an der Börse – und CEO Greg Ellis gibt nun erstmals einen Einblick in die Strategie des Portalbetreibers: Der Australier plant etwa, Daten stärker auszuwerten. „Ein Auto- oder ein Wohnungskauf läuft in weiten Teilen noch immer wie Ende des letzten Jahrhunderts“, beschreibt Ellis das Problem im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Und formuliert die Chance des Unternehmens: „Je mehr Kunden bei uns registriert sind, desto mehr wertvolle Daten gewinnen wir.“

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Als Vorbild sieht der Scout24-Chef beispielsweise Facebook, das ihm Werbung für deutsche Steuerberater einspielt. Der Grund: „Gerade mache ich mit meinem australischen Steuerberater über Facebook meine Steuererklärung.“ Doch wie kann Ellis die Datenanalyse auf Angebote wie ImmobilienScout24 und AutoScout24 übertragen? Durch die 13 Millionen Besucher pro Monat wisse Scout24 als einziges Unternehmen, „wer mit dem Gedanken spielt, sich ein Auto oder eine Wohnung zu kaufen“.

Aus den Daten will Scout24 in der Zukunft Schlüsse ziehen: „Nehmen wir an, Sie suchen eine Dreizimmerwohnung in Schwabing. Wir sollten Ihnen sagen können, wie viele Angebote im Laufe der Zeit reinkommen, wie sich die Preise entwickeln, wie viele Leute ebenfalls nach solch einer Wohnung suchen.“ Bei der Wohnungsauswahl setzt Ellis ebenfalls auf Technik, durch eine Virtual-Reality-Brille könnten die Nutzer schon gleich einen Rundgang durch die Wohnung machen.

Interessenten für Immobilien auf die Autoplattform holen

Den Datenschutz will das Unternehmen trotz der Datenanalyse hochhalten, betont Ellis. „Wenn wir unser Publikum gegen uns aufbringen, etwa, indem wir die Menschen anlügen oder Dinge tun, die sie nicht erwarten, wäre das doch verrückt.“ Daten werde das Unternehmen „definitiv“ nicht weiterverkaufen.

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Im Kampf mit der Konkurrenz sieht sich der Scout24-Chef gut gerüstet – das Unternehmen habe die Chance an Mobile.de im Automarkt vorbeizuziehen. Dafür müssten sie die Besucher von ImmobilienScout24 auf ihre Auto-Plattform bringen. „Wir wissen, dass mehr als 40 Prozent der Menschen, die eine Immobilie kaufen oder mieten wollen, sich gleichzeitig für ein neues Auto interessieren“, sagt Ellis. Ein Vorteil gegenüber dem Wettbewerber, der zu Ebay gehört.

Zukäufe schließt Ellis nicht aus: „Wenn wir in Italien, Belgien oder einem anderen Land, in dem wir schon präsent sind, ein Unternehmen entdecken, das gut zu uns passt, werden wir uns das genauer anschauen“, so der Scout24-Chef. Kleinere Übernahmen könnte das Unternehmen aus eigener Kraft stemmen, der Firmenlenker will auch nicht ausschließen für größere Übernahmen Schulden aufzunehmen, sagte er im SZ-Interview.

Bild: Scout24