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Seedmatch: „Startups bedeuten immer Risiko“

Im August 2013 rutschte mit Betandsleep das erste über Seedmatch (www.seedmatch.de) finanzierte Startup in die Pleite – im Frühjahr 2014 folgten BluePatent und FoodieSquare. Sind jetzt am Zweifel angebracht – am Crowdfunding-Modell im Allgemeinen und an Seedmatch im Speziellen? Gründerszene befragte Dana Melanie Schramm (Head of Corporate Communications) und Tim Maximilian Reinsch (Head of Operations) zu den Hintergründen.

Drei der über Seedmatch vermittelten Startups gingen insolvent. Bei der Konkurrenz sieht es noch positiver aus. Warum?

Schramm: Wir sind Marktführer und als erster in diesen Bereich eingetreten, Crowdfunding für Startups überhaupt anzubieten. Ich glaube, dass es sich bei unseren Wettbewerbern genauso entwickeln wird. Es wird Erfolge geben, es wird aber leider auch Startups geben, die scheitern werden.

Was sind die Gründe?

Reinsch: Im Falle von Betandsleep hat vieles funktioniert, nur der Investor hat zu einem ungünstigen Zeitpunkt kalte Füße bekommen. In solch einer Situation ist es schwierig, weiteres Kapital aufzutreiben. Ähnlich sah es bei FoodieSquare aus. Es gab zwar Bereiche, die nicht funktionierten, aber sehr viel funktionierte auch. Bei BluePatent kam die Idee vielleicht zu früh – oder funktionierte grundsätzlich nicht.

Habt ihr intern eine Quote festgelegt, wie viele Startups scheitern dürfen, wie viele Erfolg haben müssen?

Schramm: Seedmatch kann nicht entscheiden, welche Quote akzeptabel ist, da Seedmatch nicht der Investor ist. Der Investor muss jedes Startup-Investment selbst abwägen und für sich entscheiden, was die Erfolgsquote sein soll. Außerdem ist es noch viel zu früh, diese Frage überhaupt zu stellen. Seedmatch existiert seit zweieinhalb Jahren, aber die Verträge alleine sind ausgelegt auf fünf bis sieben Jahre. Jetzt schon den Schlusstrich zu ziehen ist viel zu früh angesetzt. Wir hoffen natürlich, dass die Erfolgsquote bei den Startups, die sich bei Seedmatch finanziert haben, hoch ausfällt.

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Wie sucht ihr Eure Startups aus? Gibt es beispielsweise eine Obergrenze, wie risikobehaftet eine Geschäftsidee sein darf?

Reinsch: Startups bedeuten immer Risiko. Auf unserer Webseite führen wir auf, was wir spannend finden, was wir gerne an Themen sehen wollen – danach suchen wir aus. Risiko ist immer dabei. Nur der Begriff des Risikos sollte in Deutschland viel neutraler betrachtet werden. Risiko sollte kein negativer Begriff sein – bei einem Startup-Investment ist er die Voraussetzung. Wir suchen sozusagen nur riskante Investments aus. Unser Anspruch ist es, die Teams persönlich kennen zu lernen – damit steht und fällt das Vorhaben. Ein weiterer Anspruch ist es, dass es für das Startup und die Investoren Sinn ergibt, dass es eine Gründer-Geschichte zu erzählen gibt und dass sie offen und proaktiv kommunizieren können und wollen. Ein paar formelle Anforderungen wie zum Beispiel die Gesellschaftsform kommen noch hinzu.

Habt ihr Euren Investoren gut genug vermittelt, dass es sich um Risikokapital handelt?

Schramm: Auf der Plattform gibt es sehr ausführliche Risiko-Hinweise. Es gibt eine Investoren-Unterseite auf der Website, die dies sehr ausführlich erklärt und Blog-Beiträge, wo immer wieder darauf hingewiesen wird – auch auf Studien, die sich mit dem Scheitern beschäftigen. In unserer Kommunikation über gescheiterte Seedmatch-Startups haben wir deutlich gemacht, wie transparent wir mit diesem Thema umgehen. Zudem versuchen wir unseren Investoren deutlich zu machen, eine Portfolio-Strategie zu verfolgen: Wer also 1.000 Euro zur Verfügung hat, sollte lieber vier mal 250 Euro investieren als alles auf ein Startup zu setzen.

Wie hat Eure Community auf die drei Insolvenz-Fälle reagiert?

Schramm: Wir haben trotz der Pleiten weiterhin ein großes Nutzerwachstum – zum Glück. Es gibt weiterhin Menschen, die sich auf unserer Plattform für diese Investmentform interessieren, die an die Investment-Chance glauben, die gerne mit Leidenschaft in Startups investieren. Es gibt viele Investoren, die sagen: „Das gehört dazu.“ Natürlich gibt es auch Investoren, die sagen: „Mist, ich habe auf das falsche Pferd gesetzt.“

Denkt Ihr mittlerweile auch, dass ihr auf das falsche Pferd gesetzt habt?

Schramm: Als wir uns für FoodieSquare, BluePatent und weitere Startups entschieden haben, haben wir natürlich auch an das Geschäftsmodell geglaubt. Sonst hätten sich die Startups nie auf unserer Plattform präsentiert. Wir haben genauso wie die Investoren daran geglaubt, dass es funktionieren wird. Was aber grundsätzlich gesagt werden muss: Wir sind eine Online-Plattform, die Gründer und Investoren zusammenbringt. Wir möchten Gründern die Möglichkeit geben, finanziert zu werden und Investoren die Möglichkeit, mit kleinen Beträgen in Startups zu investieren.

Steht Ihr mit den Startups nach dem Deal noch länger in Kontakt?

Reinsch: Wir sind ein Dienstleister, eine Plattform für Crowdfundings. Aber so ein Funding ergibt nur Sinn – gerade wenn man die beiden sehr unterschiedlichen Seiten Crowd-Investoren und Startups zusammenbringt -, wenn es fortlaufend abbildbar und betreubar bleibt. Wir sind in erster Instanz Crowdfunding- und in zweiter Investor-Relations-Dienstleister. Deshalb stehen wir natürlich mit den Startups fortlaufend in Kontakt. Das ist aber nicht zu verwechseln mit einer Art Portfolio-Management oder einer sonstigen Betreuungsrolle. Wir haben weder einen Inkubator- oder Company-Builder-Ansatz noch eine treuhänderische oder verwaltende Rolle für die Investoren.

Dana Melanie Schramm und Tim Maximilian Reinsch von Seedmatch

Bilder: Seedmatch