Wer ist die Copycat? Selfster und Mycoachling streiten sich

Zwei Unternehmen, ein Design – und ein Rechtsstreit? Die beiden Anbieter der Online-Tagebücher Selfster und Mycoachling zoffen sich seit vergangener Woche öffentlich darum, wer als erstes dagewesen ist. Vor allem geht es um die Frage, wer das Original-Design des Journals entworfen hat. Denn: Die Portale sehen fast identisch aus.

Vor vier Tagen pries die Berliner Gawlitta GmbH ihr neues Produkt Mycoachling auf Facebook an. Das Selfster-Portal ist zwar noch nicht gelauncht, die Crowdfunding-Kampagne dazu läuft aber seit Anfang Januar auf Startnext. Im Video zur Kampagne ist das geplante Design zu sehen. Selfster fühlt sich deswegen im Recht. Nun prüft das Hamburger Startup rechtliche Schritte gegen Gawlitta, wie Selfster-Mitgründer Florenz Klasen gegenüber Gründerszene bestätigt. Thomas Gawlitta hingegen, Geschäftsführer der gleichnamigen Firma, besteht im Gespräch mit Gründerszene darauf, dass sein Portal das Original sei. Rechtlich gegen Selfster vorgehen will er allerdings „auf keinen Fall“.

Die Ähnlichkeit der Plattformen ist auffällig: In der linken Spalte finden sich die gleichnamigen Kategorien „Ich“, „Karriere“ und „Social“ sowie „Ziele“ und „Erfolge“. Die dazugehörigen Symbole sind ebenfalls nahezu identisch. Im oberen Teil können Nutzer bei beiden Portalen ihren Erfolg oder ihr Ziel auswählen, bei Mycoachling gibt es außerdem die Option Glück. Mittig stehen dann die Ziele untereinander, die nach Datum oder Bewertung sortiert werden können. Die Bewertung erfolgt auf einer fünf-Sterne-Skala, Fähnchen markieren die Kategorie des einzelnen Ziels, zum Beispiel „Fitness“ oder „Freunde“.

Screenshot aus dem Crowdfunding-Video von Selfster


Screenshot von Mycoachling.com

Florenz Klasen von Selfster wirft Gawlitta vor, Mycoachling sei eine „unkreative Kopie“. Er und Mitgründer Tobias Paulus wägten gerade ab, ob es sich lohne, Zeit, Geld und Personal in einen Rechtsstreit zu investieren. Klasen klingt frustriert: „Die Frage ist doch: Wie ernst müssen wir den nehmen?“

Aufmerksam auf den Konkurrenten wurden die Gründer durch einen Artikel auf Gründerszene, der Selfster vorstellte. In den Kommentaren äußerte sich Mycoachling-Gründer Thomas Gawlitta, es gebe schon eine vergleichbare Online Software: Mycoaching. Selfster-Unterstützer Björn Klusekemper antwortete darauf und warf Gawlitta Dreistigkeit und Diebstahl vor. Klusekemper verfasste einen Blog-Post zu dem Thema. Darin schreibt er unter anderem, dass die Domain von Mycoachling laut der Plattform whois.com erst am 23. Januar von Thomas Gawlitta registriert worden sei, nachdem das Crowdfunding von Selfster gestartet habe.

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Thomas Gawlitta hingegen verteidigt Mycoachling gegenüber Gründerszene: Das Portal sei schon seit längerer Zeit als Nebenprodukt seiner Plattform Coachling geplant, die Coaches für verschiedene Bereiche vermittelt. „Das hatten wir bereits vor sechs Monaten im Business-Plan“, verteidigt der Geschäftsführer. Inhaltlich seien die Plattformen auch nicht vergleichbar, da bei Mycoachling beispielsweise noch die dritte Kategorie „Glück“ integriert sei. Hinzu komme, dass das Konzept von Mycoachling anders sei, da es auf die Synergie mit Gawlittas Coaching-Plattform Coachling abziele.

Zu der Ähnlichkeit der Seiten hält Gawlitta fest: „Wir haben für das Design eine freie Grafikerin engagiert. Da kann ich garantieren, dass sie Selfster nicht kannte.“ Auch habe man das Design von Selfster nicht kennen können, da die Plattform noch gar nicht online sei.

Dass Gawlitta bereits selbst in Selfster investierte, das Video zur Kampagne sah und die Konkurrenz-Software vorbestellte, bevor er Mycoachling registrierte, bestreitet er nicht. „Ich finde die Idee gut und möchte sie unterstützen“, versichert Gawlitta. Der Markt, findet er, sei groß genug für zwei Anbieter.

Katzenfoto: © panthermedia.net/Goran Jakuš, Screenshots: startnext.com/selfster, mycoachling.com